Vernetzt denken lernen
In einer digitalen Welt müssen Entscheider mehr denn je in Zusammenhängen denken.
Digitale Transformation und Nachhaltigkeit – das klingt zunächst nur nach zwei modischen Begriffen oder Schlagwörtern. Doch bei näherem Hinsehen erkennt man rasch, dass ihre Relevanz und Tragweite viel größer sind, als einem manchmal lieb ist. Denn tatsächlich zwingen sie zum Umdenken in vielerlei Hinsicht und tagtäglich erleben wir, wie sehr die Digitalisierung unser aller Privat- und Arbeitsleben verändert. Technologien wie Robotik, Virtual Reality, Big Data und künstliche Intelligenz stehen dabei im Mittelpunkt. Vielfach ist aber unklar, welche Technologie sinnvoll ist, welche Geschäftsmodelle zukünftig funktionieren und wie sich Unternehmen weiterentwickeln müssen. Die Verunsicherung ist groß, denn die Digitalisierung beschleunigt längst notwendige Entwicklungen um ein Vielfaches. So werden ganze Branchen durch disruptive Innovationen auf den Kopf gestellt, indem über Nacht neue Wettbewerber auf den Markt kommen oder durch den Rohstoff Daten neue, dominierende Monopole entstehen.
Digitale Transformation bedeutet deshalb mehr als bestehende analoge Prozesse zu digitalisieren oder gar zu ersetzen. In einer digital vernetzten Welt müssen Entscheider mehr denn je lernen, in Zusammenhängen zu denken. Nachhaltiges Wirken und Wirtschaften für eine globale Welt setzt voraus, die Auswirkungen individuellen und unternehmerischen Handelns in einen globalen Kontext zu stellen.
Neue Kompetenzen sind gefragt
Gerade diese globale Perspektive ist es, die die zweite große Herausforderung für Unternehmen und Gesellschaft ausmacht und den externen Druck erhöht. Hinweise darauf, dass ein einfaches „Weiter-So" nicht mehr lange funktioniert, gibt es zuhauf. Klimawandel, Ressourcenausbeutung, soziale Spaltung, Armutslücke und Kriege zwingen uns, unser Denken und Handeln zu verändern. Auch wenn oder weil es eben unbequem und ungewohnt ist. Wir sollten uns klar darüber werden, wie sehr wir alle voneinander abhängen. Wir müssen lernen, wie wir mit unseren Ökosystemen und unseren Lebensgrundlagen sinnvoll umgehen. Wir alle brauchen mehr Wissen, Kompetenzen und ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen.
So gesehen haben die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit viel miteinander zu tun. Am Energieverbrauch zum Beispiel wird deutlich, dass Digitalisierung einerseits durch Ressourcenschonung zur Nachhaltigkeit beiträgt. Andererseits erweist sich das Internet als Energiefresser der Gegenwart. So verbraucht allein die Bitcoin-Technologie so viel Energie wie ganze Volkswirtschaften. Gerade weil Digitalisierung die grundlegendste Veränderung der Gegenwart ist, gilt es jetzt, diese Entwicklung nachhaltig und verantwortungsbewusst zu gestalten.
Zukunft will gelernt sein
Ein von der Hamburg School of Business Administration (HSBA) entwickeltes Studienprogramm soll diesen beiden Herausforderungen und den notwendigen Veränderungen Rechnung tragen. In seiner strukturellen Konzeption setzt es einen deutlichen Schwerpunkt auf Projektlernen und Forschendes Lernen, denn diese Ansätze stellen die besten Voraussetzungen zur Kompetenzentwicklung dar. Frontalunterricht und Klausuren gibt es in diesem Studiengang nicht. Stattdessen werden fünf verschiedene Projekte im Verlauf des Studiums bearbeitet. Es handelt sich sowohl um aktuelle Fragestellungen von und für Unternehmen zur Digitalisierung und Nachhaltigkeit als auch um wissenschaftliche Forschungsfragen. Im Rahmen des Projekts Sustainability Challenge engagieren sich die Teilnehmer bereits studienbegleitend bei Initiativen, Einrichtungen oder Projekten außerhalb der Hochschule. Gesellschaftliche Verantwortung ist von daher ein fester Bestandteil des Curriculums.
Praxisbezug und interdisziplinäres Lernen
Die Vielfalt und Komplexität der Herausforderungen in Unternehmen und Gesellschaft sind enorm. Deshalb werden Grenzen zwischen Fachdisziplinen, Strukturen und Denkweisen aufgebrochen. Ein interdisziplinäres Team aus Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Informatikern, Bildungsforschern, Medienexperten und Philosophen hat den Studiengang gemeinsam konzipiert. Charakteristisch dabei ist, dass die Lehrenden eine andere Rolle als gewöhnlich einnehmen. Sie verstehen sich nicht länger als Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter und Projektberater. In einem wachsenden interdisziplinären Netzwerk ermutigen sie dazu, Fragen zu stellen, und begeben sich gemeinsam mit den Studierenden auf die Suche nach Antworten.
Wir leben in einer Welt, deren Fragestellungen nicht mehr mit Musterlösungen beantwortet werden können. Vielmehr gilt es, Wissen fortwährend zu aktualisieren, in interdisziplinären Teams zusammenzuarbeiten, um sich kontinuierlich auf Neues einstellen zu können. Kollaboration, kritisches Denken und Co-Kreativität bei der Entwicklung neuer Lösungen zählen zu den zentralen Kompetenzen im 21. Jahrhundert. Notwendige Methoden werden von den Studierenden selbstverantwortlich und problemorientiert recherchiert; die Anwendung von den Lehrenden begleitet und gecoacht. Ganz im Sinne Goethes, der einst sagte: „Wenn man ins Wasser kommt, lernt man schwimmen."
Orientierung an den Sustainable Development Goals
Auch wenn die Perspektiven und Herangehensweisen der Beteiligten verschieden sein mögen, so stehen sie doch im Zeichen der gleichen Vision: Es gilt die Chancen der Digitalisierung verantwortungsvoll zu nutzen, und sich auf die damit verbundenen und notwendigen Veränderungen einzulassen und diese anzunehmen. Mutig Verantwortung übernehmen heißt dabei, bei allen Entscheidungen und Unternehmungen mit in Betracht ziehen, welche Konsequenzen dadurch für andere, an einem anderen Ort und zu einem späteren Zeitpunkt entstehen. Gelebte Nachhaltigkeit eben. Von daher dienen die siebzehn von den Vereinten Nationen formulierten Ziele nachhaltiger Entwicklung (SDG) als positives Leitbild für Unternehmen und damit auch für die Akteure des Studienprogramms. Alle Absolventen und ein wachsendes Netzwerk sollen zu Botschaftern der SDGs werden und die Haltung und Werte als Multiplikatoren in Unternehmen, Organisationen und die Gesellschaft tragen.
Im forum-Interview mit Hensel-Börner, Leiterin des Studiengangs Digital Transformation and Sustainibility, sprachen wir über das Studium für Zukunftsgestalter.
Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen." Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2018 - Digital in die Zukunft? Tierische Geschäfte! erschienen.
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