Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

Taugen nationale Symbole wirklich als Kitt gesellschaftlicher Verwerfungen?

Christoph Quarchs Gedanken zum heutigen "Tag des Grundgesetzes"

Hätten Sie es gewusst: Heute ist der „Tag des Grundgesetzes", mit dem an die Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 erinnert werden soll. Wenn es nach CDU und CSU ginge, soll daraus ab dem kommenden Jahr ein bundesweiter gesetzlicher Gedenktag werden. So sieht es ein Antrag vor, den der Unionsfraktion mit dem Titel »Bundesprogramm Patriotismus« am zurückliegenden Mittwoch in den Bundestag eingebracht hat. Die Begründung: In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung würden nationale Symbole »starke Integrations- und Identifikationspotentiale zum Wohle von Staat und Gesellschaft entfalten«. Aber taugen nationale Symbole wirklich als Kitt gesellschaftlicher Verwerfungen? Darüber reden wir mit dem Philosophen Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, brauchen wir in Deutschland mehr Patriotismus?
Gerne würde Christoph Quarch am 8. Mai einen Europa-Feiertag etablieren, aber keine Deutschtümelei am 23. Mai. © Chickenonline, pixabay.comNein, ganz sicher nicht. Mehr Schwarz-Rot-Gold, mehr Nationalhymne und mehr Bundeswehrgelöbnisse – wie der Unionsvorschlag vorsieht – werden nach meinem Dafürhalten genau das Gegenteil von dem erreichen, was sich die Antragsteller davon versprechen: gerade nicht mehr Zusammenhalt, sondern tiefere Gräben in der Gesellschaft. Denn es ist mitnichten so, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sehnsüchtig darauf warten, auch außerhalb von Fußballstadien die Nationalflagge zu schwenken oder die Nationalhymne zu schmettern. Und das mit gutem Grund, wenn man sich an die deutsche Geschichte erinnert.

Die Union begründet ihren Vorstoß damit, dass man nationale Symbole auf keinen Fall gesellschaftlichen Randgruppen überlassen möchte und dass sie deshalb durch die Staatsorgane aufgewertet werden sollten.
Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Außerhalb der Sportstätten hat sich die politische Rechte längst der nationalen Symbole bemächtigt – und zwar in einem solchen Maße, dass jede Kampagne zur Stärkung des Patriotismus als eine Aufwertung des rechten Lagers erscheint, was unweigerlich die Linke auf die Barrikaden treibt. Deswegen ist die Union gut beraten, die Finger davon zu lassen. Selbst wenn sie gezielt am rechten Rande fischen wollte, ist die Gefahr immens, dass der Schuss nach hinten los geht. Einfach deshalb, weil Patriotismus ein Konzept ist, das in der Welt von heute nicht mehr taugt.

In anderen westlichen Ländern ist das anders. In den USA etwa ist Patriotismus durchaus dasjenige, was eine ansonsten zerrüttete Gesellschaft zusammenhält.
Das mag sein, aber der Sturm aufs Kapitol hat gezeigt, dass patriotische Gefühle ein Feuer sind, mit dem man nicht leichtfertig spielen sollte. Glücklicherweise haben wir aufgrund unserer Geschichte diese Lektion einigermaßen verinnerlicht. Was wir aber noch nicht genügend verinnerlicht haben, ist die Aufgabe, andere Wege der gesellschaftlichen Identitätsstiftung zu beschreiten. Und das tut not, denn die Diagnose, die dem Unionsvorschlag zugrunde liegt, ist nicht falsch: Es gibt gesellschaftliche Friktionen und wir brauchen mehr Gemeinsinn und Bürgerbewusstsein. 

Was wären Ihrer Ansicht nach die probaten Mittel, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt bzw. das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken?
Zunächst mal sollten wir die Frage klären, von welcher Zugehörigkeit wir eigentlich reden. Angesichts der geopolitischen Herausforderungen bin ich zutiefst davon überzeugt, dass ein nationalstaatliches Denken überholt ist – zumindest in Europa wird es entscheidend darauf ankommen, ein europäisches Bürgerbewusstsein auszubilden. Nationale Patriotismen jedweder Art sind angesichts dessen völlig kontraproduktiv. Wenn schon Identitätspolitik, dann bitte nicht in schwarz-rot-gold, sondern in blau-gelb. Gerne etablieren wir am 8. Mai einen Europa-Feiertag, aber bitte keine Deutschtümelei am 23. Mai. 

Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch
Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de

Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 

Gesellschaft | Politik, 24.05.2023

     
Cover des aktuellen Hefts

Jede Menge gute Nachrichten

forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2024 mit dem Schwerpunkt "Der Weg zum Mehrweg – Transport und Logistik"

  • Circular Cities
  • Kllimagerecht bauen
  • Kreislaufwirtschaft für Batterien
  • ToGo-Mehrwegverpackungen
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
22
MAI
2024
VinylPlus® Sustainability Forum 2024
Together Towards Higher Ambitions
50668 Köln
24
MAI
2024
Lunch & Learn: "Speak like a Speaker"
Wie Sie auf Ihrer eigenen Konferenz überzeugen.
online
30
MAI
2024
Klimacamp München
Mach mit!
80333 München, Königsplatz
Alle Veranstaltungen...
The VinylPlus Sustainability Forum 2024. Together towards higher ambitions

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Klima

Die Stromwende schreitet voran
Im Kreis Cochem-Zell ist ein virtuelles Kraftwerk entstanden
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Rekord IFAT Munich, 13. - 17. Mai 2024

Fahrrad-Leasinganbieter Company Bike gewinnt Giesecke+Devrient als Neukunden und baut damit sein Portfolio an Großunternehmen am Standort München weiter aus.

TK Elevator veröffentlicht dritten Nachhaltigkeitsreport „Moved by What Moves People":

Grüner Kraftwerksgipfel in Berlin am Brandenburger Tor

Sonne gewinnt - Öl ist von gestern!

Wie Seven Senders mit dem End-of-Life-Service von circulee Kosten und Emissionen spart

Die Bedeutung nachhaltiger Verpackungen in der Gesellschaft

Solarstrom für Automobilhersteller: Sunrock setzt Wachstumskurs fort

  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Kärnten Standortmarketing
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • circulee GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH