Ein Preis als Bewegung
Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Dr. Otto Schulz über Idee, Anspruch und Vision des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Schulz: Von Anfang an war der DNP mehr als eine Preisverleihung. Wir wollten
eine Plattform schaffen, auf der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und
Gesellschaft gemeinsam über Nachhaltigkeit sprechen. Der Preis soll
Orientierung geben – und Bewegung erzeugen.
Schaltegger: Der Preis funktioniert wie ein gesellschaftlicher Resonanzraum. Er
bringt Akteure zusammen, die sonst nicht unbedingt miteinander reden würden –
große Konzerne, Start-ups, Kommunen, NGOs. Das Besondere ist, dass er sich
selbst ständig weiterentwickelt. Das ist eine große Stärke.
Gebhardt: 2025 wurden neue Formate eingeführt: 100 Branchenpreise, Masterclasses,
Jurybegründungen. Wie verändert das den Charakter des DNP?
Schulz: Der DNP wird dadurch breiter und lebendiger. Mit den 100
Branchenpreisen können wir die Vielfalt nachhaltiger Ansätze sichtbar machen –
nicht nur die großen Leuchttürme. Die neuen Masterclasses öffnen den Dialog:
Gewinner teilen ihre Erfahrungen, andere lernen davon. Das ist gelebte
Nachhaltigkeit.
Schaltegger: Ich sehe das als Schritt vom Leuchtturmdenken zur Diffusion.
Nachhaltigkeit muss in die Breite. Wenn wir eine nachhaltige Wirtschaft und
Gesellschaft möchten, dann müssen alle Märkte nachhaltiger werden. Der DNP
unterstützt das, indem er Unterschiede zwischen Branchen anerkennt, aber das
gemeinsame Ziel betont.
Gebhardt: Wie bewahren Sie bei so vielen Preisträgern die Glaubwürdigkeit?
Schulz: Durch klare Juryprozesse und Transparenz. Jede Entscheidung wird
begründet, jede Jury arbeitet unabhängig. Und wir veröffentlichen die
Begründungen, damit sich niemand auf reinen Glanz verlassen kann.
Gebhardt: Und wohin führt diese Entwicklung? Was ist die Vision 2030?
Schaltegger: Vielleicht gibt es 2030 keinen Nachhaltigkeitspreis mehr – weil
alle Unternehmen nachhaltig sind. Natürlich ist das utopisch, aber genau das
ist das Ziel. Der Preis soll helfen, sich selbst überflüssig zu machen.
Schulz: Ich wünsche mir, dass der DNP internationaler wird – und dass wir
ehrlichere Debatten führen. Nachhaltigkeit endet nicht an der Landesgrenze. Wir
müssen beginnen, planetare Grenzen wirklich planetar zu denken.
Gebhardt: Und was bleibt, wenn diese Vision Wirklichkeit wird?
Schaltegger: Dann bleibt ein Lernsystem, das vielen geholfen hat, Verantwortung
anders zu verstehen. Der DNP ist Teil eines Transformationsprozesses – und damit
selbst ein Akteur für Nachhaltigkeitstransformationen.
Dr. Beate Gebhardt ist Expertin für Nachhaltigkeit, Marktstudien und Verbraucherverhalten. Als Beraterin, Autorin und Dozentin begleitet sie Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis – mit Fokus auf Nachhaltigkeitsawards, Ernährungswirtschaft und strategische Kommunikation.
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