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Beate Gebhardt

Ein Preis als Bewegung

Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Dr. Otto Schulz über Idee, Anspruch und Vision des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis versteht sich längst nicht mehr nur als Auszeichnung, sondern als Bewegung. Im Doppelinterview sprechen DNP-Vorstand Dr. Otto Schulz und Nachhaltigkeitsexperte Prof. Dr. Stefan Schaltegger mit Beate Gebhardt über den Kern des Preises, neue Formate und ihre Vision für 2030 – eine Zukunft, in der Nachhaltigkeit selbstverständlich und der Preis vielleicht überflüssig geworden ist.

Dr. Beate Gebhardt war für forum auf dem DNP25, um sich als Expertin ein Stimmungsbild zu machen. © Dr. Beate Gebhardt
Gebhardt: Herr Dr. Schulz, Herr Prof. Schaltegger – der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gilt als der renommierteste seiner Art in Europa. Was ist das Grundprinzip, das ihn von anderen Auszeichnungen unterscheidet?

Schulz: Von Anfang an war der DNP mehr als eine Preisverleihung. Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam über Nachhaltigkeit sprechen. Der Preis soll Orientierung geben – und Bewegung erzeugen.

Schaltegger: Der Preis funktioniert wie ein gesellschaftlicher Resonanzraum. Er bringt Akteure zusammen, die sonst nicht unbedingt miteinander reden würden – große Konzerne, Start-ups, Kommunen, NGOs. Das Besondere ist, dass er sich selbst ständig weiterentwickelt. Das ist eine große Stärke.

Gebhardt: 2025 wurden neue Formate eingeführt: 100 Branchenpreise, Masterclasses, Jurybegründungen. Wie verändert das den Charakter des DNP?

Schulz: Der DNP wird dadurch breiter und lebendiger. Mit den 100 Branchenpreisen können wir die Vielfalt nachhaltiger Ansätze sichtbar machen – nicht nur die großen Leuchttürme. Die neuen Masterclasses öffnen den Dialog: Gewinner teilen ihre Erfahrungen, andere lernen davon. Das ist gelebte Nachhaltigkeit.

Schaltegger: Ich sehe das als Schritt vom Leuchtturmdenken zur Diffusion. Nachhaltigkeit muss in die Breite. Wenn wir eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft möchten, dann müssen alle Märkte nachhaltiger werden. Der DNP unterstützt das, indem er Unterschiede zwischen Branchen anerkennt, aber das gemeinsame Ziel betont.

Gebhardt: Wie bewahren Sie bei so vielen Preisträgern die Glaubwürdigkeit?

Schulz: Durch klare Juryprozesse und Transparenz. Jede Entscheidung wird begründet, jede Jury arbeitet unabhängig. Und wir veröffentlichen die Begründungen, damit sich niemand auf reinen Glanz verlassen kann.

Gebhardt: Und wohin führt diese Entwicklung? Was ist die Vision 2030?

Schaltegger: Vielleicht gibt es 2030 keinen Nachhaltigkeitspreis mehr – weil alle Unternehmen nachhaltig sind. Natürlich ist das utopisch, aber genau das ist das Ziel. Der Preis soll helfen, sich selbst überflüssig zu machen.

Schulz: Ich wünsche mir, dass der DNP internationaler wird – und dass wir ehrlichere Debatten führen. Nachhaltigkeit endet nicht an der Landesgrenze. Wir müssen beginnen, planetare Grenzen wirklich planetar zu denken.

Gebhardt: Und was bleibt, wenn diese Vision Wirklichkeit wird?

Schaltegger: Dann bleibt ein Lernsystem, das vielen geholfen hat, Verantwortung anders zu verstehen. Der DNP ist Teil eines Transformationsprozesses – und damit selbst ein Akteur für Nachhaltigkeitstransformationen.

Dr. Beate Gebhardt ist Expertin für Nachhaltigkeit, Marktstudien und Verbraucherverhalten. Als Beraterin, Autorin und Dozentin begleitet sie Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis – mit Fokus auf Nachhaltigkeitsawards, Ernährungswirtschaft und strategische Kommunikation. 


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