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Beate Gebhardt

Wohin steuert der Deutsche Nachhaltigkeitspreis?

Das Rätsel um die Zukunftsmacher - ein Kommentar von Dr. Beate Gebhardt

Zwischen Aufbruchsstimmung, Selbstkritik und Zukunftsfragen: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2025 zeigte sich als emotionales Kraftzentrum der Branche – offenbarte aber auch sinkende Teilnehmerzahlen, abgesprungene Sponsoren und offene Fragen zur Zukunft des Formats. Warum der DNP trotz aller Kritik weiterhin eine zentrale Rolle spielt, welche Spannungen sichtbar wurden und weshalb ausgerechnet das YOUNG forum für den stärksten Impuls sorgte, analysiert die Nachhaltigkeits- und Kommunikationsexpertin Dr. Beate Gebhardt.
 
Dr. Beate Gebhardt mit dem Vorstandsvorsitzenden des DNP, Stefan Schulze-Hausmman. © Dr. Beate Gebhardt
Der DNP25 in Düsseldorf war ein großes Klassentreffen der Nachhaltigkeitsszene: warm, bestärkend und getragen von inspirierenden Worten profilierter Stimmen aus Wissenschaft, Medien und NGOs. In Zeiten massiven Gegenwinds bot das Event den dringend nötigen Raum zum Durchatmen. Ein echter emotionaler Energieschub, der Mut macht, die Transformation entschlossen voranzutreiben.

Doch das „Klassentreffen" offenbarte auch tiefe Risse. Gekommen sind vor allem die ohnehin überzeugt oder dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis eng verbunden sind – die kritische Breite fehlte und die Mutlosen ohnehin. Es waren nur noch etwa halb so viele Teilnehmende im Vergleich zu den Vorjahren, viele davon mit Freikarten. Zahlreiche Sponsoren sind abgesprungen, wohl auch als Folge der massiven Kritik an Intransparenz und Kommerzialisierung. Die Frage nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit drängt sich auf. Schulze-Hausmanns jüngste Auftritte wirkten eher emotional als strategisch; die Zukunft ab 2026 bleibt ein großes Fragezeichen. 2025 war ein „sehr schwieriges Jahr". Dies befeuert Spekulationen, ob der DNP in seiner jetzigen Form noch eine Zukunft hat und die vielen Ehrenpreise Ausdruck eines letzten großen Aufbäumens sind.

Die Weichenstellung scheint nun klar: Der DNP setzt auf Flucht nach vorn. Beflügelt durch die Aufbruchsstimmung des Jahres 2025, konkretisieren sich die Pläne für eine Internationalisierung. Das Ziel: Ein neuer europäischer Nachhaltigkeitsaward? Wie auch immer das Klassenzimmer der Welt und der neue Award aussehen werden, am Ende bleibt der DNP, was er ist: Ein Wettbewerb mit den typischen Limitierungen eines Awards, dessen realer ökologischer und sozialer Impact kaum messbar ist, nicht weniger und auch nicht mehr. Die Proteste der Jungheinrich-Belegschaft vor den Toren beim DNP verdeutlichten diese Diskrepanz: Der Kontrast zwischen der Auszeichnung und der Kritik an der Schließung des Werks in Lüneburg rüttelt am Kern eines Preises, der Vorbildwirkung beansprucht.

Bei aller Kritik: Den DNP nur an seinen Fehlern zu messen, würde seiner Bedeutung nicht gerecht. Er ist ein lernendes System – und hat diese Rolle 2025 ernst genommen. Die weiterentwickelte Methodik, mehr Transparenz und die entzerrte Präsentation der Preisträger in Masterclasses waren spürbare Fortschritte. Heute ist die Veranstaltung vor allem eines: Ein emotionales Kraftwerk und das größte Vernetzungstreffen der Nachhaltigkeitsbranche in Deutschland. Gerade in Zeiten politischen und wirtschaftlichen Gegenwinds ist diese Energie ein nicht zu unterschätzender Gewinn – getragen von den Preisträgerinnen und Preisträgern selbst, die sich gegenseitig Sichtbarkeit und Rückenwind geben und feiern lassen.

Der wohl stärkste Impuls des DNP25 ging vom YOUNG forum aus: Die kompromisslose Authentizität der jungen Generation war der nötige Weckruf für die etablierte Szene. Dieser Spirit muss das Fundament für die angekündigte Internationalisierung sein. Wir stehen an einem Wendepunkt und haben nur noch ein kleines offenes Fenster für Veränderungen, mahnt der renommierte Klimaforscher Johan Rockström. Die Botschaft in Düsseldorf 2026 war deutlich, weder die Politik noch die Wirtschaft dürfen sich auf Lorbeeren ausruhen – und Preisträger nicht auf ihren Trophäen. Der DNP blickt Richtung Europa? Hoffen wir, dass er dabei einen präzisen Kompass nutzt. Denn für Stillstand haben wir keine Zeit.
 
Hinweis der Redaktion: Sehen Sie sich auch das Video von Beate Gebhardt an mit Statements u.a. von Yvonne Zwick (BAUM e.V.), Benjamin Butz (HP Deutschland) und Daniel Mendes Jenner (YOUNG forum) zum DNP 2025. 

Dr. Beate Gebhardt ist Expertin für Nachhaltigkeit, Marktstudien und Verbraucherverhalten. Als Beraterin, Autorin und Dozentin begleitet sie Projekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis – mit Fokus auf Nachhaltigkeitsawards, Ernährungswirtschaft und strategische Kommunikation. 

Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.

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