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Kai Platz

Veranstaltungen als Hebel für Nachhaltigkeit und Impact

IMEX 2024 in Frankfurt - die größte Messe für die Veranstaltungs- und Eventindustrie

Die IMEX ist die größte Messe für die Veranstaltungs- und Eventindustrie und war 2024 geprägt von zwei Themen: Nachhaltigkeit und Impact. Nachhaltigkeit war eine der Kernbotschaften an zahlreichen Ständen, die auch von der Messe Frankfurt und der IMEX selbst umfangreich übermittelt wurde. Doch was ist Nachhaltigkeit ohne Impact? Hierfür gab es eine Impact Zone als Co-kreativen Bereich, in dem Workshops, Panels und Diskussionen die unterschiedlichen Stakeholder Planner, Supplier und Partner zusammenbrachte.

Panel 'Impact in Action' auf der IMEX Canyon Stage: Tanja Knecht, Björn Gollan, Stefan Lohmann, Guy Antognelli und Lenn kudrawizki (v.l.) © Caterina Saccani
Vorreiter der Branche
Eines dieser Panels hat Stefan Lohmann moderiert. Er lebt Events und man spürt sofort, dass er mit Herzblut und vollster Überzeugung an der Transformation der Eventbranche arbeitet. Stefan Lohmann ist Mitglied des Kuratoriums von forum Nachhaltig Wirtschaften; er repräsentiert dort den Themenbereich Veranstaltungswirtschaft. Mit seiner Keynote „Impact in Action" rockt er die Bühne und reißt die Zuhörer der vollbesetzten Canyon Stage mit. Unterstützung erhält er vom Schauspieler und Leiter des Berlin Show Orchester Lenn Kudrjawizki, der ebenfalls sehr deutlich auf der Bühne zeigt, wie nachhaltiges Live Entertainment Kosten und CO2 reduzieren kann.

Und dass sich etwas ändern muss, ist seit vielen Jahren unumstritten. Mit der derzeitigen Wirtschaftsweise und Politik steuern wir auf einen Temperaturanstieg um 3 Grad bis 2100 zu, was laut Wissenschaft das Ende der menschlichen Zivilisation bedeutet. Und schon deutlich früher das Ende vom Tourismus der Veranstaltungswirtschaft, wie wir es kennen.

Hier sind alle Sektoren und Branchen gefragt, ihr Möglichstes zur Begrenzung des Anstiegs beizutragen, somit auch die Veranstaltungs- und Eventbranche.

Der Tourismus ist massiv abhängig von der Natur, wenn man nur an einige Beispiele denkt: Skitourismus, Naturerlebnisse, Luftkurorte, Malediven. Fluten und Dürren machen zahlreiche Destinationen für den Tourismus bereits heute nahezu wertlos.

Und so abhängig, wie der Tourismus von der Natur ist, so abhängig ist die Wirtschaft vom Tourismus.

Veranstaltungen als Wirtschaftsfaktor
Zig Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich in Zusammenhang mit Veranstaltungen umgesetzt. Seien es Konzerte, Musicals, Stadtfeste, Sportevents oder Messen. Diese Veranstaltungen sorgen für enorme Einnahmen im Bereich ÖPNV, Übernachtungen, Gastronomie, Sightseeing und Shopping im Umfeld und werden damit zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor. Laut Referat für Arbeit und Wirtschaft in München werden allein die Konzerte von Adele im August 2024 etwa 563 Millionen Euro in die Stadt spülen, davon 369 Millionen für das Gastgewerbe, 122 für den Einzelhandel und 92 für Dienstleistungen.

Bei dieser Betrachtung wird auch klar, wie eng verwoben Veranstaltungswirtschaft, Tourismus und Kommunalpolitik sind! Alle drei Bereiche sitzen im selben Boot – nicht nur, wenn es um die Umsätze geht, sondern auch, wenn man Veranstaltungen nachhaltig gestalten will!

Beispiel: An- und Abreise der Gäste macht bei vielen Veranstaltungen bis zu 90% der Gesamtemissionen aus. Will man diese als Veranstalter reduzieren, ist man auf die Kooperation mit Kommunen und Verkehrsverbänden angewiesen.

Events neu denken
Stefan Lohmann geht es um die Transformation der Branche. Deshalb macht er auch sehr deutlich, dass es nichts dringlicheres, unumgänglicheres und nichts wirtschaftlicheres, als eine nachhaltige, klimaneutrale Kreislaufwirtschaft gibt. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche. Aus diesem Grund bietet er kostenfrei den Sustainability Rider an, um den negativen Impact zu senken und die SDGs+Events um den positiven Impact zu skalieren.

Damit stellt er auch klar: „Bei der Planung von Veranstaltungen müssen wir sie komplett neu denken: Events sollen nicht nur „etwas weniger schlecht" sein. Events sollen grundsätzlich nachhaltig geplant werden und einen positiven Impact haben auf Natur, Gesellschaft, Wirtschaft.

Erst dabei entsteht Innovation! Denn nachhaltige Events mit einem positiven Impact wirken bei allen Stakeholdern. Das große Potential - auch das große wirtschaftliche Potential von nachhaltigen Events - ist noch gar nicht von der Branche erkannt worden."

„Nachhaltigkeit ist nicht das Problem, sondern die Lösung!"
So propagiert es Stefan Lohmann. Und führt auch gleich zahlreiche Beispiele an: Costa Rica, Schweden, Dänemark, die durch nachhaltiges Wirtschaften profitabel sind. Und auch weitere Länder und Regionen haben sich der Nachhaltigkeit im Tourismus verschrieben. Neben den Balearen und der Türkei gehören auch zahlreiche deutsche Destinationen dazu: Juist, Allgäu, Regensburg, Uckermark. Richtig gemacht ist nachhaltiges Wirtschaften der Anfang von wirtschaftlichem Erfolg und Zukunftsfähigkeit.

Doch damit nicht genug. Mit auf der Bühne sind Vertreter von weiteren erfolgreichen Projekten, die Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche nicht nur predigen, sondern leben.

Best-Practice-Beispiele: Erfolgreiche nachhaltige Konzepte
Lenn Kudrjawizki und das Berlin Show Orchestra demonstrieren eindrucksvoll, wie Nachhaltigkeit im Live-Entertainment umgesetzt werden kann. Durch die Begleitung der Stars mit einem lokalen Orchester werden nur die Sänger*innen eingeflogen, was im Schnitt mindestens zehn Flüge pro Künstler einspart. Dies reduziert nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch Kosten für Logistik, Catering und Unterkunft. Das Orchester reist mit der Bahn oder effizienten Reisebussen und nutzt den Sustainability Rider von Stefan Lohmann, der Veranstalter dazu ermutigt, nachhaltige Maßnahmen auch hinter der Bühne umzusetzen.

Marcel Christ und das Convention Bureau Kassel setzen auf ein starkes Dienstleisternetzwerk und regionale Produkte. Kassel fördert nachhaltige Innovationen durch regelmäßige Netzwerktreffen und kreative Austauschrunden. Caterer und Gastronomen legen den Fokus auf veganes und vegetarisches Essen, während neue Locations wie das UK14 mit nachhaltigen Konzepten und Technologien punkten. Ein innovativer Ansatz ist auch die Kooperation mit Bildung und Forschung, um Schüler und Absolventen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Björn Gollan und der Hamburg Bunker zeigen, dass Nachhaltigkeit eine Frage der Haltung ist. Mit 134 Zimmern, vier Restaurants und einer Veranstaltungshalle für bis zu 2200 Personen setzt der Bunker auf Urban Gardening und Dachbegrünung, um das Mikroklima zu verbessern. Die Nutzung von Regenwasser zur automatischen Pflanzenbewässerung und die Messung klimatischer Veränderungen in Zusammenarbeit mit der TU Berlin unterstreichen das Engagement. Nachhaltigkeit umfasst hier auch gesunde Ernährung, Inklusion und die Nutzung der Eventhalle für Schulsport.

Guy Antognelli und Monaco streben bis 2050 eine vollständig kohlenstoffneutrale Destination an. Mit dem "Sustainable Event Manager’s Guide" bietet das Monaco Convention Bureau wertvolle Unterstützung für die MICE-Branche. Der Leitfaden hilft Eventplanern, Emissionsquellen zu identifizieren und nachhaltige Ansätze zu wählen. Monaco zeigt, dass Luxus und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, indem es auf langlebige und umweltfreundliche Lösungen setzt.

Fazit: Gemeinsam die Zukunft gestalten
Nachhaltigkeit ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Die vorgestellten Best-Practice-Beispiele zeigen, dass nachhaltige Veranstaltungen möglich und wirtschaftlich vorteilhaft sind. Es braucht Mut und Engagement, um die notwendigen Veränderungen umzusetzen. Die Belohnung ist eine zukunftsfähige Branche, die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch ökologisch und sozial verantwortungsvoll ist.
 
Von Kai Platz

Weitere Informationen:
In der forum-Ausgabe 04/2024 zum 01.09.2024 wird auch ein umfangreicher Bericht zum Hamburg Bunker erscheinen.

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