Eine Welt. Ein Klima. Für globale Entwicklung und Klimaschutz gemeinsam handeln! Engagieren Sie sich jetzt: www.allianz-entwicklung-klima.de

Anstand, Ehrgefühl und Respekt vor dem Leben

Christoph Quarch fordert dazu auf, sich angesichts des Grauens in der Ukraine der medialen Verrohung im eigenen Land entgegenzustellen

Systematische Exekutionen von Zivilisten, planmäßige Vergewaltigungen von Frauen, Schändungen von Leichen. Die Liste der mutmaßlich von Angehörigen der russischen Streitkräfte begangenen Kriegsverbrechen in der Ukraine wird Tag für Tag länger. Augenzeugenberichte und Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen lesen sich wie ein Panoptikum des Grauens. Zumal die Verbrechen nach heutigem Erkenntnisstand nicht von marodierenden Söldnern verübt wurden, sondern auf Anordnung russischer Offiziere. Wie kann man mit einer derart trostlosen Situation umgehen? Darüber sprechen wir mit unserem Philosophen Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, kann einem die Philosophie angesichts des Grauens in der Ukraine irgendeinen Trost spenden?
© David Peterson, pixabayEhrlich gesagt: Nein. Eher verschärft sie die Verzweiflung. Denn als Philosoph ist einem klar, dass die Verbrechen, die an der ukrainischen Zivilbevölkerung begangen werden, nicht allein die Opfer und ihre Angehörigen betreffen, sondern jeden einzelnen Menschen auf unserem Planeten. Was dort geschieht, ist ein Angriff auf die Menschheit, deren Würde auf eine barbarische Weise verletzt wird. Dabei werden nicht nur die Opfer ihrer Humanität beraubt. Auch die Täter enthumanisieren sich selbst. Und dass die verantwortlichen Militärs und Politiker, die so etwas nicht nur dulden, sondern anordnen, unbehelligt bleiben könnten, ist schlechterdings unerträglich.

Die Verantwortlichen könnten vor einem internationalen Kriegsverbrechertribunal angeklagt und zur Rechenschaft gezogen werden, wie die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Nicola Beer, gefordert hat.
Ja, aber ob es jemals dazu kommen wird, ist mehr als fraglich. Zumal berichtet wird, dass die russischen Streitkräfte systematisch die Spuren ihrer Schandtaten vertuschen. Trotzdem ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass wir den Glauben an die internationale Rechtsordnung bewahren. Wieviel Jahrhunderte hat die Menschheit gebraucht, bis sie sich auf die Genfer Konventionen oder die Haager Landkriegsordnung verständigen konnte? Es ist schlimm genug, dass es die russische Armee diese Errungenschaften mit Füßen tritt. Aber noch schlimmer wäre es, wenn wir aufhörten, uns auf das Recht zu berufen und auf seine Einhaltung zu pochen. Dann würden wir vor dem Bösen kapitulieren.

Können die Verbrechen, die in der Ukraine verübt werden, überhaupt jemals gesühnt werden?
Ich glaube, es gibt ein Ausmaß an Bosheit und Niedertracht, das unverzeihlich ist. So war es bei den Gräueltaten des Holocaust und so ist es auch bei dem, was in Batschi und andernorts geschehen ist. Hier hat man es mit dem Bösen in seiner radikalsten Erscheinungsform zu tun, bei der nicht nur Menschenleben vernichtet werden, sondern zugleich alle Werte und jeder Sinn – ja, die Humanität selbst. Man müsste ein gnädiger Gott sein, wenn man den Urhebern solcher Verbrechen vergeben wollte. Als Menschen bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als irgendwie mit dem Faktum des Bösen zu leben und unseren Lebenssinn darin zu finden, alles daran zu setzen, dass so etwas nie wieder geschieht; wohlwissend, dass die Barbarei vermutlich unausrottbar ist.

Das klingt nach einem verzweifelten Trotzdem. Wollen Sie damit unsere Leserinnen und Leser in das Osterwochenende entlassen?
Ungern, aber es wäre einfach nicht redlich, in dieser Angelegenheit Optimismus zu versprühen. Selbst wenn ich jetzt darauf hinwiese, dass erstaunlicherweise viele Kriegsverbrecher – etwa aus den Balkankriegen – zuletzt doch noch vor Gericht gestellt wurden, wäre das kein echter Trost. Nach meiner Erfahrung gibt es nur eine erfolgreiche Strategie, wie man mit dem Horror dieser Tage umgehen kann: nach vorne schauen und tätig werden; überlegen, was wir hier in Deutschland tun können, um der Barbarei zu wehren. Und da gibt es eine Menge zu tun. Denn Anstand, Ehrgefühl, Respekt vor dem Leben; das alles ist auch bei uns bedroht. In den sozialen Medien wird ebenfalls gemeuchelt und geschändet, was das Zeug hält. Bislang nur mit Worten, aber wer verbal verroht, wird seiner Niedertracht auch Taten folgen lassen. Hier sind wir alle gefragt: Deshalb – auch wenn es noch so berechtigt ist: Nicht nur Finger Pointing auf die Russen, sondern bitte auch ein beherzter Griff an die eigene Nase. Wehret den Anfängen!

Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch





Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de

Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 


Gesellschaft | Politik, 10.04.2022
     
Cover des aktuellen Hefts

Zeit, die Stimme zu erheben und endlich zu handeln?

forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2022 mit dem Schwerpunkt: Globale Ziele und Klimaschutz

  • Ukrainekrieg und Hunger auf der Welt
  • Doppelte Dividende durch Nachhaltigkeit
  • Green Chefs
  • Die Brücke zur Natur
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
08
DEZ
2022
Die Klimashow mit neun Promis
Promis fragen - SPIEGEL-Bestsellerautoren antworten
online
12
DEZ
2022
Nachhaltigkeitskongress
Der Zukunftskongress für Wirtschaft mit Weitsicht
40217 Düsseldorf
21
JAN
2023
Wir haben es satt!
Gutes Essen für alle – statt Profite für wenige!
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Text

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Green Building

Nachhaltig Wohnen zu bezahlbaren Kosten:
Im Bad Kreuznacher Solar-Quartier entsteht ein Zukunftsmodell
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

„Meilensteine“ bringen Weilerbach voran

Österreichischer Umweltjournalismus-Preis 2022: Die Preisträger stehen fest

Wir gratulieren:

Macht die Reform des Einwanderungsrechts die deutsche Staatsangehörigkeit zum Ramschartikel?

ICG vergibt den "Real Estate Social Impact Investing Award 2022"

Porsche tritt UN Global Compact bei

And the winner will be...

CarSharing für Unternehmen: Einfach mobil und die Kosten im Blick

  • PEFC Deutschland e. V.
  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Nespresso Deutschland GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • TourCert gGmbH
  • Verka VK Kirchliche Vorsorge VVaG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Frankfurt University of Applied Sciences