Christoph Quarch
Lifestyle | Geld & Investment, 09.07.2025
Investitionen ermöglichen Zukunft
Christoph Quarch analysiert die aktuellen Debatten im Bundestag aus philosophischer Sicht
In Berlin wird in dieser Woche über Geld diskutiert - viel Geld. Kredite in Höhe von 81,8 Milliarden Euro will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in diesem Jahr aufnehmen, knapp 90 Milliarden sollen in 2026 folgen - und das bei Ausgaben von 503 Milliarden Euro noch in diesem Jahr. Den Griff in die Kasse begründet Klingbeil damit, dass das Land über Jahrzehnte kaputtgespart worden sei und deshalb "Rekordinvestitionen" in Infrastruktur und Industrie nötig seien - von der Bundeswehr ganz zu schweigen. Von der Opposition hagelt es Kritik: Die Regierung mache es sich zu einfach, lebe auf Pump und mute künftigen Generationen zu viel zu. Sparen oder Investieren - daran scheiden sich die Geister. Vielleicht hilft die Philosophie uns weiter. Christoph Quarch ist ein renommierter Vertreter dieser Zunft.
Herr Quarch, wie schafft man Zukunft: durch Sparen oder durch Investieren?Ich votiere für Investieren. Und das aus zwei Gründen. Den ersten verdanke ich Martin Heidegger. Er sagt: Der Mensch ist zukünftiges Wesen. Wir sind offen auf Zukunft und genügen unserem Wesen nur dann, wenn wir uns auf die Zukunft hin entwerfen. Sparen ist keine zukunftsorientierte Strategie. Sie bedient die Interessen und Ängste der Heutigen - und die sind in Deutschland alt. Der von Wolfgang Schäuble initiierte Kult der Schwarzen Null war Politik fürs Seniorenheim. Das muss sich ändern. Wir brauchen Zukunftsorientierung. Und damit bin ich bei Punkt 2: Zukunftsorientierung bedeutet Generationengerechtigkeit. Wir Heutigen sind verantwortlich für künftige Generationen. Durch Sparen werden wir dieser Verantwortung nicht gerecht.
Die Kritiker des Haushaltsplans sehen das anders. Sie sagen: Es verstößt gegen die Generationengerechtigkeit, wenn man künftigen Generationen zumutet, in den kommenden Jahren Unsummen für die Schuldentilgung aufwenden zu müssen. Was wollen Sie dem entgegnen?
Es hängt alles davon ab, wofür das Geld ausgegeben werden soll. Wenn es dazu dient, Wahlversprechen zu erfüllen oder Lobbygruppen zu bedienen, ist die Kritik berechtigt - vor allem, wenn damit wieder nur die Alten gepampert werden, wie im Fall der Mütterrente. Anders ist es, wenn das Geld in Infrastruktur und Militär geht. Den künftigen Generationen ist nicht geholfen, wenn man das Land verrotten lässt oder seine Verteidigungsfähigkeit preisgibt. Wer seinen Kindern etwas Gutes tun will, muss dafür sorgen, dass sie ein Land vorfinden, das ihnen alle Chancen gibt, ihren Weg zu gehen und selbständig zu entscheiden. Unserer Verantwortung für die Zukunft genügen wir nicht, indem wir sparen und nichts tun, sondern indem wir nach bestem Wissen und Gewissen unser Land auf Stand bringen.
Investieren bedeutet immer auch riskieren. Was, wenn die Investitionen scheitern - weil die Kosten explodieren, Arbeitskräfte fehlen oder der Klimawandel uns einen Strich durch die Rechnung macht?
Zukunft gestalten ist immer riskant. Aber sparen ist es nicht minder. Wir reden hier von Geld. Geld ist Energie - wenn das Geld auf dem Konto liegt, ist es bloß potenzielle Energie, die dem Wertschöpfungsprozess entzogen ist. Dafür ist das Geld nicht gemacht. Es muss in Umlauf gebracht werden, um seine Energie zu entfalten. Das erkannt zu haben, ist eine Stärke des Kapitalismus: Kapital ist dafür da, investiert zu werden, um die Wertschöpfung voranzubringen. Die verhängnisvolle Schwäche des Kapitalismus liegt jedoch darin, dass er für Kapitalgeber und Investoren einen Return of Invest fordert: also satte Renditen für wenige. So darf der Staat nicht denken. Seine Investitionen müssen dem Gemeinwohl dienen.
Und was heißt das konkret?
Das heißt zum Beispiel, dass man die Stromsteuer nicht bloß für Landwirtschaft und Industrie senkt, sondern für alle. Das heißt, dass man in Energieautarkie investiert und nicht in neue Abhängigkeiten; dass man nicht die Mütterrente anhebt, sondern Geld in Bildung, Schulen, Hochschulen pumpt; dass man nicht die Alten umgarnt, sondern Anreize für junge Leute schafft, damit sie in Deutschland bleiben oder nach Deutschland kommen; dass man die Digitalisierung voranbringt. Jede Investition des Bundes muss sich daran messen lassen, in welchem Maße sie Zukunft ermöglicht. Ob das für den Haushaltsplan der aktuellen Regierung zutrifft, muss bezweifelt werden, zumindest in Teilen. Wäre Robert Habeck noch Wirtschaftsminister wäre ich diesbezüglich optimistischer.

Der Philosoph, Speaker und Bestseller-Autor Christoph Quarch begleitet Unternehmen, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und veranstaltet philosophische Reisen. In seinen Vorträgen und Büchern greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophie zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen. Gemeinsam mit seiner Frau Christine Teufel gründete er die Neue Platonische Akademie für eine geistige Erneuerung der Gesellschaft.
Aktuelle Bücher von ihm sind „Wacher Geist und fester Schritt. The Donkey School for Leadership" (2024), „Schönheit rettet die Welt” (2024) und "Der Club der alten Weisen" (2023).
Mehr zu ihm unter christophquarch.de und akademie-3.org
Weitere Artikel von Christoph Quarch:
Artemis und Orion
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Wenn alles nach Plan verläuft, kehrt am Samstag die vierköpfige Crew der Mondmission Artemis 2 zur Erde zurück. Zehn Tage werden dann die drei Astronauten und eine Astronautin in ihrer Orion-Kapsel unterwegs gewesen sein, um Erkenntnisse und Informationen zu der für 2028 geplanten Mondlandung der Artemis 3 zu sammeln. Und das alles mit dem Fernziel einer Marsmission.
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Wenn alles nach Plan verläuft, kehrt am Samstag die vierköpfige Crew der Mondmission Artemis 2 zur Erde zurück. Zehn Tage werden dann die drei Astronauten und eine Astronautin in ihrer Orion-Kapsel unterwegs gewesen sein, um Erkenntnisse und Informationen zu der für 2028 geplanten Mondlandung der Artemis 3 zu sammeln. Und das alles mit dem Fernziel einer Marsmission.
Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-Systeme
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
Vor wenigen Tagen hat ein US-Gericht die Tech-Giganten Meta und Google zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie gezielt die Nutzer ihrer Social-Media-Plattformen abhängig machen und Depressionskrankheiten in Kauf nehmen. Das ist nur ein Beispiel von vielen dafür, in welchem Maße US-amerikanische Tech-Unternehmen Einfluss auf Gesellschaft und Gesundheit der Menschen hierzulande nehmen.
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
Vor wenigen Tagen hat ein US-Gericht die Tech-Giganten Meta und Google zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie gezielt die Nutzer ihrer Social-Media-Plattformen abhängig machen und Depressionskrankheiten in Kauf nehmen. Das ist nur ein Beispiel von vielen dafür, in welchem Maße US-amerikanische Tech-Unternehmen Einfluss auf Gesellschaft und Gesundheit der Menschen hierzulande nehmen.
Überlegen ist, wer Neues wagt
Christoph Quarch empfiehlt "Anfänge auf Abruf" als Schritt zu mehr gesellschaftlicher Expermentierfreudigkeit
Wenn im Frühling alles sprießt und wächst, liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Wer etwas Neues beginnen will, tut gut daran, den Schwung der Frühlingstage mitzunehmen. Aber irgendwie scheint das hierzulande nicht recht zu gelingen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Innovationsfähigkeit verliert. Anders als manche Nachbarstaaten tun wir uns schwer mit Aufbrüchen und Neuanfängen.
Christoph Quarch empfiehlt "Anfänge auf Abruf" als Schritt zu mehr gesellschaftlicher Expermentierfreudigkeit
Wenn im Frühling alles sprießt und wächst, liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Wer etwas Neues beginnen will, tut gut daran, den Schwung der Frühlingstage mitzunehmen. Aber irgendwie scheint das hierzulande nicht recht zu gelingen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Innovationsfähigkeit verliert. Anders als manche Nachbarstaaten tun wir uns schwer mit Aufbrüchen und Neuanfängen.
Re-Renaissance des europäischen Denkens
66 seconds for the future mit Dr. Christoph Quarch
Wir wissen immer mehr, aber verstehen wir noch genug? Christoph Quarch vergleicht die globalen Krisen unserer Zeit mit Fehlermeldungen eines Computers. Das Problem liegt dabei im "mentalen Betriebssystem" der Menschheit.
66 seconds for the future mit Dr. Christoph Quarch
Wir wissen immer mehr, aber verstehen wir noch genug? Christoph Quarch vergleicht die globalen Krisen unserer Zeit mit Fehlermeldungen eines Computers. Das Problem liegt dabei im "mentalen Betriebssystem" der Menschheit.
Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
... und es wird Frühling. Nicht zum ersten Mal im Leben, sondern alle Jahre wieder. Und das ist auch gut so. Denn zusammen mit dem Frühling kommt bei vielen Menschen ein guter Vibe. Und wenn wir ehrlich sind, können wir davon im Augenblick gar nicht genug bekommen. Zumal mit der guten Stimmung oft auch neuer Schwung und neue Lebenslust kommen.
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
... und es wird Frühling. Nicht zum ersten Mal im Leben, sondern alle Jahre wieder. Und das ist auch gut so. Denn zusammen mit dem Frühling kommt bei vielen Menschen ein guter Vibe. Und wenn wir ehrlich sind, können wir davon im Augenblick gar nicht genug bekommen. Zumal mit der guten Stimmung oft auch neuer Schwung und neue Lebenslust kommen.
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Militär & Märkte
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
APR
2026
21
MAI
2026
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
JUN
2026
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Digitalisierung
Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-SystemeChristoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
Jetzt auf forum:
Circular Economy stärkt Wettbewerbsfähigkeit
Engagement gegen Desinformation
Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol
Selbstwirksamkeit statt Geldtabu
The Virgin Islands Climate Change Trust Fund Launched with Global Audience at GSIS 2026
Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"
Tipps zur Installation einer Balkon-Solaranlage für Anfänger



















