Die Impact Economy
Sie fordert ein Umdenken der Ökonomie und entwickelt ein Konzept für einen richtungsweisenden Strukturwandel in der Wirtschaft.

- Auf Stufe 1 bis 3 geht es nur darum, Output zu generieren, sprich mit seinen Aktivitäten Zielgruppen lediglich anzusprechen.
- Auf Stufe 4 bis 6 beginnt der Outcome: Man spricht erstmals von (gesellschaftlicher) Wirkung, wenn Services oder Produkte eines Unternehmens Verhaltensweisen oder sogar Lebenslagen von Zielgruppen verändern können.
- Echter Impact entsteht auf der letzten Stufe (7), wenn Organisationen es schaffen, gesellschaftliche Änderungen nachhaltig anzustoßen.
- Impact Investing
zielt ausschließlich auf nachhaltige Investitionen mit messbar positiven sozialen und ökologischen Auswirkungen ab. Sogenannte ESG-Kriterien spielen die entscheidende Rolle. Zwischen 2017 und 2021 wuchs so das Vermögen nachhaltiger Fonds in Deutschland von 83 Milliarden Euro auf 361 Milliarden Euro, global von 2,1 Billionen auf 4,1 Billionen Euro. Laut der Bundesinitiative Impact Investing entwickelt sich der Impact Investing-Markt in Deutschland sehr dynamisch. Das Volumen an Impact-Assets liegt 2022 bei insgesamt 38,9 Milliarden Euro. Je mehr dieses Investitionsvolumen wächst, umso eher wird ein positiver Tipping Point mit Lenkungswirkung erreicht.
- Impact statt Exit
Viele Gründer:innen haben das Streben nach möglichst schnellem Wachstum satt. Der Begriff des Einhorns für Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar ist überstrapaziert. Bereits 2017 formulierten vier Gründerinnen die alternative Idee des Zebras: „Zebras fix what Unicorns break". Seit über 16 Jahren verfolgt beispielsweise der Impact Hub in Wien das Ziel „Building better Business": Die weltweit mehr als hundert beteiligten Impact Hubs unterstützen hierbei Social-Business-Organisationen, die sich an sozialen und ökologischen Werten orientieren (impacthub.net). In Deutschland hat sich die Impact Factory von Anthropia zu einem europäischen Hot Spot mit mehreren hundert Impact Start-ups entwickelt (impact-factory.de). Mit 35 Prozent hat der Anteil grüner Unternehmen unter deutschen Start-ups 2023 gegenüber dem Vorjahr (29 Prozent) einen neuen Höchststand erreicht. Nachhaltiges Handeln setzt sich in der Breite der Gründungslandschaft immer stärker durch (Deutscher Start-up Monitor 2023).
- Gemeinwohlökonomie (GWÖ)
Die Gemeinwohlökonomie startete 2010 in Wien. Sie umfasst heute weltweit 11.000 Unterstützer, rund 5.000 Mitglieder in über 170 Regionalgruppen und über 1.000 bilanzierende Organisationen in 35 Ländern. Bekannte Vorreiter der GWÖ-Bewegung im deutschsprachigen Raum sind zum Beispiel Sonnentor, Vaude, Sparda Bank München, Elobau, Voelkel oder die Stadtwerke München. Die GWÖ beschreibt eine nachhaltige Form des Wirtschaftens, bei der die Wirtschaft im Einklang mit ethischen Werten steht. Organisationen können ihr Handeln mit der Gemeinwohl-Matrix messen und in einer Gemeinwohl-Bilanz veröffentlichen. Der Rahmen besteht aus 20 Punkten, die eine Orientierung für die Bewertung des Beitrags zum Gemeinwohl bieten. Die GWÖ-Bilanz, ist eine „Impact-Bilanz", die parallel zur finanziellen Bilanz erstellt wird. Sie ist ein Instrument, um alle Dimensionen ethischen Handelns zu berücksichtigen und zu dokumentieren (ecogood.org).
- B-Corporations
Das B-Corp Movement ist eine wachsende globale Bewegung von Unternehmen, die sich seit 2006 für eine nachhaltige, soziale und faire Zukunft einsetzen (bcorporation.net). Es gibt mehr als 6.600 zertifizierte B-Corporations in über 89 Ländern, darunter Marken wie Patagonia, The Guardian, Ben & Jerry, Danone Waters, Alpro, Ecosia, Weleda oder Sympathex. Sie alle teilen die Überzeugung, dass Unternehmertum verpflichtet und messen ihren sozialen und ökologischen Impact regelmäßig mit dem Ziel, ihn kontinuierlich zu verbessern. Das Messinstrument ist das sogenannte B-Impact Assessment, ein Rahmenwerk aus 150 bis 200 Fragen, die je nach Branche und Unternehmensgröße beantwortet werden müssen. Ab einer Punktzahl von 85 kann sich ein Unternehmen von einem Analysten zertifizieren lassen. Die verbindende Mission der B-Corps ist es, die besten Unternehmen für die Welt zu sein, nicht die besten Unternehmen in der Welt. Im Jahr 2023 sind 380 Unternehmen in Deutschland B-Corp-zertifiziert, ein starker Zuwachs von 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Value Balancing Alliance
Die Initiative spielt in der Liga der großen Unternehmen. Sie geht auf eine Kooperation der Unternehmen BASF, Bosch und Novartis mit den Universitäten Oxford und Harvard zurück. Die Allianz multinationaler Unternehmen will Möglichkeiten schaffen, die Beiträge von Unternehmen für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt neu zu messen und zu vergleichen. Die Allianz übersetzt ökologische und soziale Auswirkungen in vergleichbare Finanzdaten und nutzt damit eine ganzheitliche monetäre Metrik, die sich aufgrund fehlender und teils veralteter Modelle in der Betriebswirtschaft bisher nicht in der Bilanz eines Unternehmens widerspiegelt. Der Bewegung haben sich Konzerne wie Schäffler, Deutsche Bank, Dräger, ZF, Bosch, L’Oreal, Michelin, Otto oder Roche angeschlossen (value-balancing.com).
- Das Geno-Prinzip
Eine altbekannte Organisationsform hat den Impact-First-Faktor bereits seit 1847 eingebaut – die Genossenschaften. Das Geno-Prinzip lautet: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam." Als Wertegemeinschaften stehen Genossenschaften für kooperatives und solidarisches Wirtschaften in Reinkultur. Werte wie Selbstverantwortung, Demokratie, Ehrlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Vertrauen spielen eine zentrale Rolle und klingen wie eine Blaupause für die Idee des enkelfähigen Wirtschaftens. Heute erleben Genossenschaften eine Renaissance. Im Jahr 2016 hat die UNESCO die Genossenschaftsidee als immaterielles Kulturerbe der Menschheit ausgezeichnet. Weltweit gibt es rund drei Millionen Genossenschaften mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern (in Deutschland sind es rund 8.000 Genossenschaften mit 23 Millionen Mitgliedern). Genossenschaften schaffen global über 100 Millionen Arbeitsplätze – circa 20 Prozent mehr als multinationale Konzerne.
- von Shareholder Value zu Stakeholder Value,
- von destruktiven Marken zu transforming Brands,
- vom Massenkonsum zu neuem, qualitativem Wachstum,
- vom Raubbau an der Natur zu regenerativen Kreisläufen,
- von Gewinnmaximierung zu Purpose,
- vom betriebswirtschaftlichen Ergebniszwang zu gesellschaftlicher Verantwortung,
- von negativen Finanzhebeln zu positiven Lenkungseffekten der Finanzmärkte,
- von take, make, waste zu Cradle to Cradle und Kreislaufwirtschaft,
- von Design zu Planet Centric Design,
- von Innovationen zu frugaler Innovation.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2023 mit dem Schwerpunkt Innovationen & Lösungen - Innovationen und Lösungen für Klima und Umwelt erschienen.
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