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Maik Schluroff

Die fossile Armee

Eine unterschätzte Emissionsquelle

Das Militär ist ein Emissions­treiber, der in der internationalen Klimaberichterstattung nur unvollständig erfasst wird – obwohl seine Aktivitäten zu den energie- und ressourcenintensivsten der Welt gehören – auch ohne Krieg. Ohne Militär und Rüstung in die Klimapolitik einzubeziehen, bleibt jede globale Klimastrategie strukturell lückenhaft.

Rüstungsindustrie & Lieferketten: Die Herstellung von Waffen benötigt große Mengen an Stahl, Aluminium, Kupfer und seltenen Metallen. Diese Materialien stammen aus energie­intensivem Bergbau und Metallurgie und verursachen hohe indirekte Emissionen entlang globaler Lieferketten. © Getty Images für Unsplash+ Studien gehen davon aus, dass das globale Militär mehrere Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht und damit auf dem Niveau großer Industrienationen liegt. Das US-Verteidigungsministerium ist der größte institutionelle Verbraucher fossiler Treibstoffe weltweit; allein die US-Luftwaffe ist der größte Einzelabnehmer von Flugtreibstoff.
 
Das US-Militär verursacht jährlich rund 55–60 Millionen Tonnen CO2 – so viel, wie 15–20 große Kohlekraftwerke, die ein Jahr lang durchlaufen. Kriege verursachen zusätzliche Emissionen – nicht nur durch die militärischen Einsätze an sich, sondern auch durch Zerstörung von Infrastruktur und CO2-intensiven Wiederaufbau (vor allem Beton, Stahl, Transport).
 
Für den Ukraine-Krieg wurden bereits im ersten Jahr 120-150 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente geschätzt – was den jährlichen Emissionen von 25–30 Millionen EU-Bürger:innen entspricht.
 
Nachfolgend weitere Fakten:

Militär in der Klimapolitik: Im Kyoto-Protokoll sind militärische Emissionen ausgenommen. Im Pariser Klimaabkommen werden sie nicht explizit erwähnt und sind nur freiwillig meldepflichtig. De facto existiert keine vollständige internationale Statistik über militärische Emissionen. © Joel Rivera Camacho, unsplash.comRüstung und Ressourcenbindung
  • Die weltweiten Militärausgaben lagen 2023 bei rund 2,4 Billionen US-Dollar (SIPRI). Dies entspricht rund 2,5–3 Prozent der gesamten globalen Wirtschaftsleistung (BIP) und deckt etwa die Hälfte dessen ab, was jährlich nötig wäre, um die Welt auf einen klimakompatiblen Pfad zu bringen und die SDGs bis 2030 zu erreichen.
  • Das Militär bindet enorme Mengen an Energie, Metallen sowie Industrie- und Forschungs­kapazitäten – Ressourcen, die nicht für Klimaschutz, Infrastruktur oder Resilienz zur Verfügung stehen.
Militärischer Treibstoffverbrauch
  • Das US-Militär verbraucht jährlich rund 80–90 Millionen Barrel Erdöl.
  • Militärische Systeme gehören zu den energieintensivsten Maschinen der Welt:
  • Tornado-Kampfflugzeug: ca. 20.000 Liter für einen 4-Stunden-Flug
  • Kampfflugzeug MiG-21 (Russland): ca. vier Liter pro Sekunde in Hochleistungsphasen
  • B-2-Bomber: ca. 500–600 Liter pro 100 km
  • Humvee (US-Militärfahrzeug): ca. 60–120 Liter pro 100 km
  • Leopard-2-Panzer (Deutschland): ca. 340 Liter pro 100 km auf der Straße / über 500 Liter pro 100 km im Gelände / ca. 12–13 Liter pro Stunde im Standbetrieb
Militärische Infrastruktur
Die USA betreiben weltweit rund 750 Militärbasen. Diese Basen sind große Verbraucher von Strom, Diesel, Kerosin, Kühl- und Gebäudetechnik. Sie funktionieren in der Regel als fossile Inseln mit hohem Energiebedarf.

Lesen sie auch einen Vergesst das Klima! von Dr. Maik Schluroff und weiteren Autoren.

Maik Schluroff beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Friedens- und Konfliktforschung und engagiert sich bei der Konstanzer Friedensinitiative.

Dieser Artikel ist in forum 02/2026 - Zukunft braucht Frieden erschienen.



     
        
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