Eckard Christiani

Friedensnobelpreis für die Kinder der Welt?

Die Gestalter und Gestalterinnen der Zukunft

Wenn es nach Peter Spiegel geht, dann gehört die wichtigste Auszeichnung der Welt nicht Staatschefs, Diplomaten oder internationalen Organisationen – sondern den Kindern. Genauer: allen jungen Menschen bis 18 Jahre, weltweit.

 © Julia Corona, SpreadwingsGemeinsam mit Partner:innen aus der Zivilgesellschaft und mehreren Friedensnobelpreisträgern arbeitet der Zukunftsforscher daran, den Friedensnobelpreis 2026 an die „Generation Zukunft" zu vergeben. Parallel dazu baut er mit der School of Future Skills ein Lernökosystem auf, das jungen Menschen genau jene Fähigkeiten vermittelt, die sie dafür brauchen: Vorstellungskraft, Empathie, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein.

Es ist eine kühne Mischung aus Bildungsexperiment und globaler Symbolpolitik – und vielleicht genau die Art von Zumutung, die unsere Zeit braucht.
 
Der Engpass der Zukunft: nicht Wissen, sondern Menschliches
Spiegel, Gründer des WeQ-Instituts, ist überzeugt: Der Zugang zu Wissen ist im 21. Jahrhundert nicht mehr das Problem. Wissen liegt im Netz, in Datenbanken und KI-Systemen – jederzeit abrufbar. Entscheidend werde deshalb etwas anderes:
„Der neue Engpass sind die zutiefst menschlichen Kompetenzen", sagt Spiegel.

„Also genau das, was keine Maschine kann – und was darüber entscheidet, wie wir mit Maschinen umgehen."

Unter Future Skills versteht er ein Bündel an Haltungen und Fähigkeiten: kritisches Denken, Teamlernen, Achtsamkeit, Mut zu Fragen – und vor allem die Fähigkeit, sich eine andere, bessere Zukunft vorstellen zu können und dranzubleiben, bis erste Schritte Realität werden.
Die School of Future Skills übersetzt diese Idee in eine praxisnahe Lernarchitektur: Selbstlernen mit digitalen Tools, Impulse aus sehr unterschiedlichen Lebenswelten, echtes Teamlernen jenseits von Konkurrenz – und Praxislernen an realen Projekten mit sozialem oder ökologischem Fokus.

Damit knüpft Spiegel an Erfahrungen von Sozialunternehmern wie Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus an, der weltweit junge Teams inspiriert, konkrete Lösungen für Armut, Klima und Arbeitslosigkeit zu entwickeln – und sich dafür gezielt das nötige Wissen anzueignen.

„Generation Zukunft": Kinder und Jugendliche als Träger des Preises
Aus dieser Bildungsarbeit heraus entstand die radikalste Idee: den Friedensnobelpreis 2026 nicht einer einzelnen Person, sondern allen Kindern und Jugendlichen der Welt zuzuerkennen. Entwickelt und angestoßen wurde sie von Bernhard Hanel, Initiator des World Child Forum in Davos. In von ihm gestalteten Spiel- und Lernräumen beobachtete er, wie Kinder sich versenken, experimentieren, scheitern, weitermachen – Future Skills „in Reinform", wie Spiegel sagt.

Statt Kinder primär als Schutzbedürftige oder „noch nicht fertige Erwachsene" zu betrachten, rückt die Initiative sie als aktive Gestalter:innen in den Mittelpunkt. Die Begründung ist schlicht: Die heute junge Generation wird mit den Folgen unserer Entscheidungen am längsten leben. Sie trägt die Hauptlast – also sollte sie auch viel stärker an Gestaltung und Verantwortung beteiligt werden.

„Diese Generation ist die eigentliche Generation Zukunft", so Spiegel. „Wenn wir sie ernst nehmen wollen, müssen wir ihr mehr zutrauen, als wir es bisher tun – und ihr Räume geben, in denen sie ihre Future Skills entfalten kann."
 
Der Vorschlag: den Friedensnobelpreis allen jungen Menschen bis 18 zu widmen. Eine Auszeichnung, die kein Besitz ist, sondern eine Einladung – und vielleicht auch eine Verpflichtung.
 
Symbolpolitik mit Tiefenwirkung
Auf den ersten Blick wirkt die Idee utopisch. Wie sollen Kinder und Jugendliche der ganzen Welt einen Preis entgegennehmen, der üblicherweise Staatschefs, Bürgerrechtler:innen oder globalen Organisationen vorbehalten ist?

Spiegel und Hanel sehen gerade in dieser Irritation den Wert. Der Weg zur Entscheidung soll eine weltweite Debatte anstoßen – über die Rolle der jungen Generation, über Machtverteilung zwischen Alt und Jung, über die Frage, wie wir künftig Entscheidungen treffen.

Geplant ist, vorhandene Netzwerke von Friedensnobelpreisträger:innen einzubeziehen, die seit Jahren in thematischen Allianzen zusammenarbeiten. Sie könnten Vorschläge an das Nobelkomitee herantragen oder die Initiative öffentlich unterstützen. 

Das Jahr bis zur Preisvergabe soll genutzt werden, um gesellschaftlich Druck aufzubauen. Etwa durch Bürger:innenversammlungen, in denen Jung und Alt gemeinsam Empfehlungen formulieren, durch Bildungsprojekte, die Kinder und Jugendliche zu „Peace Innovation Labs" einladen, oder durch Medienformate, in denen junge Menschen ihre Visionen für Frieden und Gerechtigkeit vorstellen.

Ob das Nobelkomitee am Ende tatsächlich die Kinder der Welt auszeichnet, sei ungewiss, so Spiegel. Wichtiger sei die Verschiebung im Denken: „Selbst wenn der Preis am Ende nicht an die Kinder geht, wäre viel gewonnen, wenn klarer wird: Ohne ihre Future Skills wird es keinen nachhaltigen Frieden geben."

Future Skills als Friedenskompetenzen
Was hat all das mit Frieden zu tun? In einer Welt, in der Demokratie unter Druck gerät, Verschwörungserzählungen sich viral verbreiten und KI-Systeme gezielt für Desinformation eingesetzt werden, sind Future Skills weit mehr als ein Karriere-Baustein:
  • Kritisches Denken schützt vor manipulativen Narrativen.
  • Empathie und Zuhören sind Voraussetzung für Dialog in polarisierten Gesellschaften.
  • Teamfähigkeit und Konfliktkompetenz entscheiden darüber, ob Vielfalt zur Stärke oder zur Spaltungskraft wird.
  • Vorstellungskraft ermöglicht, Alternativen zum Status quo zu sehen – jenseits von Zynismus oder „Weiter so".
In diesem Sinn versteht Spiegel seine Bildungsarbeit explizit als Friedensarbeit. Nicht im klassischen diplomatischen Sinne, sondern als Beitrag dazu, dass möglichst viele junge Menschen eine „innere Infrastruktur" für Frieden ausbilden – in sich selbst, in ihren Communities, in Organisationen.

Die Initiative zum Friedensnobelpreis für Kinder ist dabei der sichtbare, symbolische Teil. Die School of Future Skills ist die leise, langfristige Infrastruktur im Hintergrund.
 
Peter Spiegel ist Gründer und Leiter des GENISIS Institute for Social Innovation sowie Autor und Herausgeber von mehr als 25 Büchern, darunter "Muhammad Yunus - Banker der Armen".

Für weitere Informationen: Sehen sich dazu auch das 66 seconds for the future-Video von Peter Spiegel an, der mit dem WeQ Institute das Ziel hat, Future Skills zu entwickeln und zu verbreiten.
 
Hinweis: Dies ist die überarbeitete Version des bereits veröffentlichten Artikels „Friedensnobelpreis für die Kinder der Welt?"

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