Christoph Quarch
Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 24.07.2022
Der deutschen Maskenbranche droht das Aus
Christoph Quarch warnt davor, sich wieder von China abhängig zu machen
Es ist noch gar nicht lange her, da waren wir alle maskiert: Egal ob FFP-2 oder medizinisch: Masken waren nicht nur gefragt, sondern notwendig. Grund genug, mit großer Geschwindigkeit in Deutschland eine heimische Produktion aufzubauen. Vor allem, weil Covid uns deutlich vor Augen geführt hatte, wie gefährlich es ist, bei medizinischen – aber auch anderen sensiblen Produkten – von Ländern wie der VR-China abhängig zu sein. Doch nun droht der Branche das Aus. Spätestens im Jahr 2025 werde alles wieder so sein wie vor Corona, erklärt Verbandssprecher Stefan Bergmann. Trotz staatlicher Förderung seien die Schulden der Unternehmen zu hoch. Also müsse man wieder in China einkaufen. Sind die Lehren der Covid-Zeit schon vergessen? Darüber sprechen wir mit dem Philosophen Dr. Christoph Quarch.
Herr Quarch, haben wir nichts aus der Krise gelernt?
So sieht es aus. Und das ist nicht gut. Zumal man befürchten muss, dass der Niedergang der heimischen Maskenproduktion symptomatisch ist für einen Trend, der auch sonst in der Geschäftswelt zu beobachten ist: Back to normal. Dabei heißt „normal": Hauptsache Profit bzw. Hauptsache Kosten sparen. Gekauft wird, wo es am billigsten ist. Und wenn die Masken aus China trotz steigender Transportkosten billiger sind, dann zwingt die ökonomische Rationalität, sie dort zu kaufen. Solange sich diese Denkweise nicht ändert, werden wir munter damit weitermachen, die Feinde der Demokratie stark zu machen, bis wir uns – siehe Russland – eines Tages verdutzt die Augen reiben und uns fragen, ob wir vielleicht naiv waren. Vielen steht es aber gar nicht frei, einzukaufen wo sie wollen. Krankenhäuser und Behörden etwa unterliegen einem Ausschreibungsverfahren, das sie zu kostengünstigen Käufen zwingt.
Da liegt der eigentliche Skandal. Denn es wäre ein Leichtes, diese Verordnungen auszusetzen oder zu ändern. Es mag ja vernünftig sein, öffentliche Einrichtungen dazu zu verpflichten, sparsam zu wirtschaften – aber wenn das dazu führt, dass gefährliche politische Abhängigkeiten entstehen, dann müssen die wirtschaftlichen Kriterien zurücktreten; genauso, wenn es dazu führt, dass Kliniken oder andere Organisationen unterversorgt bzw. kaputtgespart werden; oder dass sie mit minderwertigem Material ausgestattet werden. Gerade was China angeht, hat sich schon oft die schwäbische Weisheit bestätigt: Wer billig kauft, kauft zweimal.
Eine FFP2-Maske aus deutscher Produktion kostet etwa 10 Cent mehr als eine chinesische. Wollen Sie heimische Einkäufer wirklich dazu zwingen, so viel mehr Geld auszugeben?
Ja. Und warum sollte das nicht möglich sein? Frankreich macht es vor. Dort wurden vor Covid 97 Prozent der Masken aus China importiert. Daraufhin erlies das Gesundheitsministerium eine Verordnung, die allen öffentlichen Einrichtungen vorschreibt, nur noch Masken aus Frankreich oder der EU zu kaufen. Und was noch wichtiger ist. Es wurde festgelegt, dass der Preis beim Vergabeverfahren nicht mehr ausschlaggebend sein darf. Dadurch werden soziale, ökologische und – vor allem – sicherheitspolitische Aspekte aufgewertet. Und das ist an der Zeit. Denn wir können es uns heute einfach nicht mehr leisten können, bei sensiblen Gütern auf den freien Markt zu setzen. Zumal der freie Markt eine Farce ist. Alle Welt weiß, das chinesische Produkte staatlich gesponsert werden und es von daher ohnehin keinen fairen Wettbewerb gibt.
China ist nach der EU Deutschlands wichtigster Handelspartner. Können wir es uns wirklich leisten, diesem Land gegenüber forscher aufzutreten?
Wir haben keine andere Wahl, wenn wir nicht Freiheit und Demokratie aufs Spiel setzen wollen. Es ist ja gut und schön, wenn staatliche Verordnungen vorschreiben, dass es beim Einkauf von Produkten aus dem Ausland keine Diskriminierung geben darf. Aber es kann nicht sein, dass das der Deckmantel dafür wird, politische Dummheiten zu begehen. Muss China erst Raketen auf Taiwan feuern, bevor wir aufhören, das Land mit unserem Geld zu fluten? China macht aus seinen imperialistischen Ambitionen kein Geheimnis. Deshalb muss die Bundesregierung hier reingrätschen und ein Zeichen setzen. Schluss mit dem Einkauf von Masken aus China. Zumal, wenn man hierzulande eine leistungsfähige Industrie aufgebaut hat. Und auch das kann nur der erste Schritt auf dem Weg sein, in allen – wirklich allen – Branchen, von China unabhängig zu werden. Jetzt ist die Zeit dafür, damit anzufangen.
Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.
Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel".
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