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Alternativlos ist ein Unwort

Sabine Braun zieht Bilanz aus dem Monat Januar

Alternativen erwägen, entwickeln und erproben. Manche dann auch verwerfen.
Aber gleichzeitig neue andenken, ist das was uns Menschen ausmacht. Denn dieses komische Wort Alternative steht für Veränderung, wenn etwas nicht mehr funktioniert, für neue Ideen, wo Altes langweilig ist, und auch für Auswege aus vertrackten Situationen. Die Hoffnung, ja mehr noch die Gewissheit, dass solche zu finden sind, lässt uns tagtäglich wieder neu beginnen.


Sabine Braun
Umso schlimmer, dass just die Politik, die doch eigentlich Gestaltungshoheit bewahren sollte, im vergangen Jahr von
"alternativlosen" Lösungen sprach, ob bei der Griechenland-Hilfe oder bei Stuttgart 21. Das ist sicher falsch.
Denn Alternativen gibt es immer, auch wenn diese weniger erwünscht sein mögen als die "alternativlose" Lösung. Das hoffnungsfrohe Wort "Alternative" mit dem Anhängsel "-los" derart gekillt zu haben, wurde denn auch mit der Wahl zum Unwort des Jahres 2010 stigmatisiert.


Nachhaltigkeits-Alternativen in der Politik
Da stimmt für das neue Jahr schon fast hoffnungsvoll, dass sich eine Enquetekommission auf die Suche nach einem "alternativen" Indikator zum Wirtschaftswachstum begibt. Grundlage für die Bildung der 34-köpfigen Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags Mitte Januar Woche ist die zunehmende Einsicht, dass Wirtschaftswachstum allein die Menschen weder glücklicher macht, noch ökologisch oder sozial ausgewogen ist. Der offizielle Titel der Kommission lautet: "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft".

Vorbild des Vorhabens ist Frankreich, wo der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz 2009 im Auftrag des Präsidenten einen Vorschlag für alternative Messgrößen entwickelte. Mittlerweile arbeitet das Statistikamt an einem Indikator, um das Wohlbefinden der Franzosen zu erfassen. In Großbritannien versprach Premierminister David Cameron, die "grünste Regierung aller Zeiten" zu führen. Der Umsetzung stellte das parteiübergreifende Environmental Audit Committee (EAC) aber nun ein schlechtes Zeugnis aus und kritisierte insbesondere die Entscheidung des britischen Umweltministeriums, die Sustainable Development Commission (SDC) des Königreichs aus Budgetgründen nicht weiter zu finanzieren.

Für Deutschland forderte der ehemalige Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, in der ZEIT einen einflussreichen "Nachhaltigkeitsanwalt" und damit eine prägendere Rolle des Bundespräsidenten. Dieser solle, so Troge, speziell hinsichtlich des Staatsziels "Umweltvorsorge", eine eigene demokratische Legitimation und ein Initiativrecht gegenüber den an der Gesetzgebung beteiligten Verfassungsorganen erhalten.


Weibliche Alternativen in der Wirtschaft
Breit diskutiert in der Wirtschaft und gleichzeitig ein Thema hoher öffentlicher Aufmerksamkeit ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen.
Frauen sind die geborene Alternative zu Männern und könnten durchaus mal getestet werden, wenn es mit diesen nicht mehr richtig funktioniert - sollte man meinen. Betrachtet man aber die Ergebnisse des Managerinnen-Barometers des DIW Berlins, befindet man sich schon wieder auf einem scheinbar
"alternativlosen" Terrain: Nach wie vor sind die Vorstandsposten der größten 200 Unternehmen Deutschlands nahezu ausschließlich mit Männern besetzt.
Frauen nahmen 2010 nur 3,2 Prozent der Vorstandssitze ein. Diesen geringen Anteilswert unterschreiten die größten 100 Unternehmen und die DAX30-Unternehmen mit 2,2 Prozent sogar noch. Dies, obwohl sich die Unternehmen bereits 2001 auf freiwilliger Basis zu einer Stärkung des Anteils von Frauen in Führungspositionen verpflichtet haben.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Aufsichtsräten. Von allen untersuchten Aufsichtsräten waren knapp 30 Prozent ausschließlich von Männern besetzt. Im Durchschnitt nahmen Frauen 10,6 Prozent der Sitze in den Aufsichtsräten der größten 200 Unternehmen ein. Aber die meisten Frauen (über 70 Prozent) gelangten nur als Vertreterinnen der Arbeitnehmerschaft aufgrund von Mitbestimmungsregelungen in die Kontrollgremien. Und das ist der eigentliche "Skandal". Denn gerade in den Aufsichtsräten wären Frauen, die von Arbeitgeberseite benannt wurden, wichtig und letztlich auch leichter durchzusetzen als in den Vorständen. Jede Frau, die - wie aktuell Doris Schröder-Köpf bei Karstadt - in einen Aufsichtsrat berufen würde, wäre ein echtes Zeichen für Umdenken. Und jede intelligente und gut ausgebildete Frau würde mit Sicherheit allemal so viel leisten wie männliche Aufsichtsräte, die ihre Posten bis heute oft als "Seilschaftspfründe" betrachten und handhaben.

Quelle: Sabine Braun
Gesellschaft | Politik, 31.01.2011
     
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