Fritz Lietsch
Gesellschaft | Bildung, 01.06.2025
It's the money, stupid
Eine neue Beziehung zu Geld kann Transformation voranbringen
Grüne Finanzprodukte? „Können sinnvoll sein – reichen aber nicht! Jede Geldverwendung sollte Teil der Transformation sein, denn nur so gelingt ein fundamentaler Wandel", sagen Friedhelm Boschert und Raffaela Hofmann. Dafür entwickelten die Ex-Banker*innen eine neue, ganzheitliche und impactorientierte „GeldBildung".
Das Wahlkampfmantra Bill Clintons aus dem Jahre 1992 brachte es auf den Punkt – „It’s the economy, stupid!". Es hat in der gegenwärtigen Zeit ökonomischer Unsicherheiten und der Herausbildung von neuen Rohstoff- und Warenallianzen nichts von seiner Dringlichkeit eingebüßt. Es sind und bleiben die ökonomischen Rahmenbedingungen, die einen Großteil des politischen Handlungsspektrums abstecken.Dies unterstreichen allgegenwärtige Aussagen wie „Dahinter stecken doch immer handfeste ökonomische Interessen", „Es geht doch sowieso immer nur ums Geld" oder „Nicht verwunderlich, Geld regiert die Welt". Sie zeigen, dass Geld omnipräsent und in seiner Mächtigkeit ohnegleichen ist. Deshalb setzt das Konzept der GeldBildung genau hier an.
Positives Geld für eine regenerative Welt
POGEBIX – Positives Geld Bilden – heißen der Verein und die Methode, mit der Friedhelm Boschert und Raffaela Hofmann die etablierte Finanzbildung positiv herausfordern wollen. Sie sind an Schulen, Universitäten und in der Erwachsenenbildung unterwegs, um zu zeigen, wie man „mit einer neuen Geldbeziehung den Wandel stärken kann".
Zwei Dinge treiben sie an: erstens das Unbehagen an den schleppenden Fortschritten im Transformationsprozess. „Da haben wir nun schon sechs von neun planetaren Grenzen überschritten. Und was passiert? Nichts! Und wo sind die grundsätzlichen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft?" Ihre Erkenntnis: „It’s the money, stupid!" Das Geld spielt eine Schlüsselrolle im Transformationsprozess.
Zweitens: Die Finanzbildung liegt zwar im Trend – doch oft wird nur altes Wissen weitergegeben, ohne Bezug zu den Herausforderungen unserer Zeit. Es geht meist um den technischen Umgang mit Sparplänen, Zinsen, Wertpapieren und Börsen, mit dem Ziel, den eigenen Wohlstand zu sichern. Das mag kurzfristig nützlich sein, bleibt aber oberflächlich. Fragen nach der psychologischen Wirkung von Geld, dem wahren Ursprung von Lebensfreude oder der gesellschaftlichen Wirkung finanzieller Entscheidungen werden kaum gestellt.
Die Zauberformel der GeldBildung
Genau diese Fragen werden im Rahmen der neuen GeldBildung gestellt. Hier geht es vor allem darum, wie Geld als Werkzeug genutzt werden kann, um wirkliche Veränderungen zu bewirken – sowohl im eigenen Leben als auch in der Welt. Die Ansatzpunkte dazu bringen die beiden POGEBIX-Gründer auf die einfache Formel:

Achtsamkeit macht den Unterschied
„Achtsamkeit schafft Raum, die eigene Beziehung zu Geld ehrlich zu untersuchen", betont Friedhelm Boschert. „Warum will ich Geld anlegen? Was bedeutet es mir? Was ist „genug"? Und warum glaube ich, dass mehr Geld glücklicher macht? Solche Reflexionen helfen, eingefahrene Glaubensmuster – sogenannte money scripts – zu erkennen und zu verändern. So entsteht ein neues, achtsames Verständnis von Wohlstand, das auf Suffizienz, innerem Reichtum und echter Verbundenheit beruht – und nicht auf ständigem Mehr.
Von Kindesbeinen an sollten wir lernen, dass jeder Euro mehr ist als nur ein Zahlungsmittel – er hat eine Wirkung. Egal ob wir sparen, ausgeben, spenden oder verleihen, jeder Euro löst ein Ergebnis und eine nachhaltige Wirkung aus." Diese neue Denkweise, die die beiden Geldexperten als Impactorientierung beschreiben, betrifft sowohl den Umgang des Einzelnen mit Geld als auch das Zielsystem von Unternehmen und der Gesellschaft.
„In der Impactökonomie geht es darum, von der Zukunft her zu denken: Welche Wirkung möchte ich erzielen, und was muss ich dafür tun?", erklärt Raffaela Hofmann und ergänzt: „Es gilt zu verstehen, was wir mit unserem Verhalten und Konsum finanzieren – von der Geldanlage über das T-Shirt bis hin zum Joghurt. Was finanziert mein Geld, wo landet mein T-Shirt nach der Nutzung und wo findet sich der eben gekaufte Joghurtbecher in 50 Jahren? Fragen wie diese sollten bereits in den Schulen gestellt werden.
„Es gilt zu verstehen, was wir mit unserem Verhalten und Konsum finanzieren – von der Geldanlage über das T-Shirt bis hin zum Joghurt.”
GeldBildung – erfahrungsbasiert und transformativ.
Was wäre gewesen, wenn wir schon in der Schule verstanden hätten, dass Geld wichtige Werte transportiert und tief in unser Leben eingreift? Wenn uns das Klassenzimmer nicht nur mit Wissen gefüllt hätte, sondern mit echten Erfahrungen, die uns befähigen, sicher mit Finanzen umzugehen und uns nicht mehr von Geld steuern zu lassen? Wenn wir vor jeder Geldentscheidung nicht nur Betrag und Rendite, sondern auch die Wirkung bedacht hätten?
Mit der Bildungsinitiative Positives-Geld-Bilden wollen die beiden POGEBIX-Gründer genau diese Lücke schließen. Sie verbinden Geld-Wissen mit konkreten Erlebnissen, ermöglichen das Erkennen eigener Muster und Glaubenssätze und eröffnen den Weg zu bewussten, überlegten Entscheidungen, die deren Wirkung berücksichtigen.
Ihre Vision: eine Bildungsplattform, die Menschen auf einem kontinuierlichen, erfahrungsbasierten Geld- Lernprozess begleitet. „Unser Ziel ist, zu einem neuen Geldbewusstsein von Kindesbeinen an beizutragen, damit wir zu einer lebensdienlichen Geldbeziehung und damit zu einer besseren Welt kommen."
Positives Geld bilden
Die Bildungsinitiative Pogebix strebt eine nachhaltige Veränderung im Denken und Handeln der Menschen an. Es geht darum, die Wechselwirkungen zwischen Geldentscheidungen und gesellschaftlichen Themen wie Gerechtigkeit, Umweltbewahrung und sozialer Verantwortung zu verstehen. GeldBildung wird dabei nicht als ein isoliertes Fach oder ein abstraktes Thema gesehen, sondern als kontinuierlicher Lern- und Erfahrungsprozess, in dem über eine neue Geldbeziehung eine Brücke zur Persönlichkeitsbildung und Zukunftsgestaltung entsteht.
Hinter der Initiative stehen Raffaela Hofmann, Retailbankerin, Unternehmerin, Expertin für Learning & Development, Achtsamkeitslehrerin und Hochullehrende sowie Friedhelm Boschert– Genossenschaftsbanker, Honorarprofessor für CSR, Experte für Sustainable Finance und Facilitator für Transformation und Unternehmenskultur. Sie sind Preisträger des ESG Transformation Awards 2025 – ausgezeichnet in der Kategorie Sonderpreis Sustainable Financial Literacy. www.pogebix.com
Fritz Lietsch ist Chef-Redakteur von forum Nachhaltig Wirtschaften sowie Autor und Moderator. Seit mehr als 35 Jahren setzt sich der gelernte Betriebswirt für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaft ein.
Dieser Artikel ist in forum 03/2025 - Der Wert der Böden erschienen.
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