Fritz Lietsch
Technik | Energie, 01.03.2025
Riesiges Energiepotenzial
Strom vom Parkplatz und Getreide vom Acker
Die öffentliche Akzeptanz von Photovoltaik (PV) und somit der weitere Ausbau der Solarenergie hängt immer stärker davon ab, ob bereits versiegelte Flächen stärker für die PV genutzt werden. Ein effizientes Beispiel dafür ist die Parkplatz-PV, eine jüngst von der Politik geförderte Anwendung der PV, die sich sowohl für die Überdachung von Carports als auch für die flächendeckende Überdachung großer Parkplatzflächen eignet.

Die Vorzüge sind eindeutig: Doppelnutzung von bereits versiegelten Flächen, Schutz vor Sonne und Witterung und im Verbund mit Wallboxen und Ladesäulen kann der Strom direkt dort genutzt werden, wo er erzeugt wird. Mit diesen Argumenten sind wir von forum Nachhaltig Wirtschaften auf die Deutsche Bahn zugegangen, um deren große Anzahl von P+R Parkplätzen für eine Nutzung zu evaluieren. Die ersten Gespräche sind trotz vieler bürokratischer Hürden vielversprechend und wurden von der Nachhaltigkeitsvorständin der Bahn, Katrin Habenschaden, engagiert in die Wege geleitet.
Aber nicht nur die Bahn, auch große Messegesellschaften, Flughäfen, Firmen, Behörden oder auch Sportarenen haben riesige Parkplatzflächen, die für eine Doppelnutzung ideal geeignet sind. Und was spricht dagegen, bei immer größeren Hitzewellen und Starkregenereignissen die Fahrzeuge vor Sonnengluten und Wolkenbrüchen zu schützen?
Imagegewinn und CO2-Einsparung mit Parkplatz-PV
Parkplatz-PV-Anlagen können in der kommerziellen Nutzung einerseits die Eigenversorgung von Unternehmen und Gewerbeimmobilien mit Solarstrom sicherstellen. Andererseits können sie zum Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für E-Mobilität und damit zur Verkehrswende beitragen. Der Imagegewinn ist ein positiver Faktor für die Betreiber, die so auch wirksame CO2-Einsparmaßnahmen umsetzen, ihren Klimaschutzverpflichtungen nachkommen und Wertschöpfung aus Parkplatzflächen generieren. Nebenbei schont die Überdachung den Parkplatzbelag und spart auch hier langfristig Kosten.
Auch Kommunen können mit Parkplatz-PV auf öffentlichen Parkplätzen in Verbindung mit Ladesäulen ihren Beitrag zur Mobilitäts- und Energiewende leisten. Trotzdem muss Parkplatz-PV noch einige Hürden nehmen: Derzeit sind der Planungsaufwand sowie die Anforderungen aufgrund baurechtlicher Vorgaben im Vergleich noch höher als traditionelle Dachanlagen, ebenso die Investitionskosten.
Brachliegendes Potenzial für Parkplatz-PV riesig
Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen haben jüngst in einer geospatialen Flächenanalyse in Einklang mit der bestehenden Gesetzgebung das Potenzial von Parkplatz-PV in Deutschland ermittelt. Sie kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass für bereits bestehende Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen insgesamt ein technisches Potenzial von 24,6 Gigawatt besteht, für Parkplätze mit über 50 Stellplätzen 22,2 Gigawatt und für solche mit mehr als 100 Stellplätzen ein Potenzial von 16,5 Gigawatt. Dabei weist der Bundesstaat Nordrhein-Westfalen mit 5 Gigawatt das größte Potenzial auf.
"Das Potenzial von Parkplatz-PV ist enorm: In Deutschland haben allein die bestehenden Parkplätze über 35 Stellplätzen insgesamt ein technisches Potenzial von 63,3 Gigawatt."
Parkplatz-PV-Pflicht in Deutschland und Frankreich
Das Problem: Die in verschiedenen deutschen Bundesländern verabschiedeten Verpflichtungen zu Parkplatz-PV gelten derzeit nur für Neubauten, nicht für Parkplätze im Bestand. Eine PV-Pflicht bei neuen Parkplätzen gibt es in Deutschland auch nur in den Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Um die Parkplatz-PV weiterhin in Deutschland zu fördern, wurde diese Anwendung mit dem Solarpaket I, das die Bundesregierung im Mai 2024 verabschiedete, in das Untersegment „besondere Solaranlagen" aufgenommen. Diese Anlagen haben nun einen eigenen Höchstwert von 9,5 ct/kWh. Ob Parkplatz-PV förderfähig ist, hängt in Deutschland weiterhin davon ab, ob die Überdachung als bauliche Anlage gewertet wird – falls dies der Fall ist, liegt die Vergütung wie bei normalen Freiflächenanlagen bei 7 ct/kWh. Baden-Württemberg zeigt, wie staatliche Förderung für Parkplatz-PV funktionieren kann: 1,5 Millionen Euro stellt das Land für 10 Projekte zur Verfügung. Die Förderung liegt dem Programm „Parkplatzüberdachung mit Photovoltaik" des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zugrunde.
Lohnt sich Parkplatz-PV?
Im Vergleich zu Dachanlagen fallen bei Parkplatz-PV-Anlagen 50 Prozent höhere Kosten an – dies ist der Unterkonstruktion geschuldet, auf der die Module installiert werden. Bei einer Vergütungshöhe von 7 ct/kWh lohnt sich die Installation nur, wenn von Synergieeffekten profitiert werden kann. Diese können das Laden von Elektrofahrzeugen, aber auch die Verringerung von Netzstrombezug eines Unternehmens sein.
Darüber hinaus sollten auch der Nutzen durch die Parkplatz-Überdachung wie Schonung des Parkplatzbelags, Schutz der Fahrzeuge vor Witterungseinflüssen und der damit verbundene Komfortgewinn in die Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einbezogen werden. Kunden und Mitarbeiter werden sich dafür bedanken und eventuell können dafür sogar Parkplatzgebühren für den überdachten Bereich herangezogen werden.
Hinweis: In unseren Besprechungen unter anderem mit der Bahn, einer Messegesellschaft, einem Flughafen und einem Landratsamt werden wir weitere Erkenntnisse gewinnen und mit unseren Lesern in den nächsten Ausgaben von forum teilen.
von Fritz Lietsch
Dieser Artikel ist in forum 02/2025 - Save the Ocean erschienen.
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