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Sebastian Fittko

Deutschland im Innovator's Dilemma: Vom Gestalter zum Verwalter

Ein Kommentar von Sebastian Fittko zum „Aus vom Verbrenner-Aus“

Das revidierte Verbrenner-Aus ist mehr als nur Klientelpolitik für die Autolobby. Es ist ein kultureller Offenbarungseid. Deutschland verabschiedet sich von seiner Rolle als Gestaltungsnation und wird zur Verwalterin des Fossilen. Nicht weil die Technik fehlt – sondern der Mut und die Haltung.

© fredigut, pixabay.comEinst waren wir Pioniere, die Technologien nicht nur erfanden, marktfähig machten, skalierten und exportierten – wir waren ein „Silicon Valley des 20. Jahrhunderts". Heute stecken wir im kollektiven Innovator’s Dilemma: Wir haben Photovoltaik, Windkraft und Elektromobilität mit Milliarden zur Marktreife gebracht. Doch im entscheidenden Moment der globalen Skalierung ziehen wir zurück. Wir haben gesät, aber die Ernte fahren China und die USA ein.

Investitionsverweigerung statt Technologieoffenheit
Statt einer mutigen Industriestrategie für Bioökonomie und neue Materialökonomie liefern wir Symbolpolitik für die Vergangenheit. Wie ich diese Woche bei MIONTEC in Leverkusen erleben durfte, zeigt unser Mittelstand eindrucksvoll, was technologisch möglich ist. Doch die politischen Signale sind fatal: Während Bayern 273 Millionen Euro in Wasserstoff-Verbrenner versenkt – eine Technologie ohne PKW-Marktrelevanz –, bleiben echte Sprunginnovationen oft un- und unterfinanziert.

Das ist keine „Technologieoffenheit", sondern Investitionsverweigerung gegenüber dem Neuen. Die Konsequenz ist bitter: Anlagen deutscher Pioniere wie Carbonauten entstehen nun in China. Nicht, weil es hier ökonomisch nicht funktionieren würde, sondern weil sie dort finanziert, in die Wertschöpfung integriert und skaliert werden. Uns fehlt nicht das Wissen, uns fehlt der Mut und die Haltung – die ist jetzt in China.
 
Das Industriemuseum droht
Wir klammern uns an die alte, fossile S-Kurve, aus Angst um die kurzfristigen Gewinne der „Cash Cow" Verbrenner. Ein Trugschluss: Strukturerhalt ist keine Zukunftssicherung. Hätten wir früher so auf die Hafer-Lobby gehört wie heute auf die Verbrenner-Lobby, gäbe es keine deutsche Autoindustrie. Wer den Verbrenner künstlich beatmet, macht den Standort zum Industriemuseum – einem Ort, an dem die Vergangenheit einen Ehrenplatz hat, aber zukünftig keine Wertschöpfung mehr stattfindet.
 
Re:Industrialisierung durch Re:Growth
Die Antwort ist nicht De-Industrialisierung, sondern Re:Industrialisierung. Wir müssen unsere industrielle Basis neu begründen: regenerativ, zirkulär, resilient. Das Ziel ist Re:Growth – ein qualitatives Wachstum, das nicht auf Extraktion und Verschleiß basiert, sondern auf der Entfaltung neuer Potenziale.
 
Wirtschaft ist kein Archiv, sondern Gestaltung des Neuen. Re:Industrialisierung im 21. Jahrhundert heißt: Wertschöpfung ist Regenerationsarbeit. Wer heute bremst, konserviert keinen Wohlstand – er verspielt ihn.
 
Sebastian Fittko ist im Kuratorium von forum, verbindet unternehmerische Transformation mit regenerativem Wirtschaften und begleitet mit regeneration PARTNERS Unternehmerfamilien auf dem Weg zu regenerativem Unternehmertum. Als Mitgründer der Initiative Regenerative Marktwirtschaft und Vorstand im Bundesverband Impact Investing engagiert er sich für eine regenerative Wirtschaft.

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