Sebastian Fittko

Zukunft gestalten statt Vergangenheit verwalten

Warum regenerative Familienunternehmen keine AfD brauchen. Ein Kommentar von Sebastian Fittko

Die Nachricht, dass der Verband der Familienunternehmer unter Marie-Christine Ostermann für Gespräche mit der AfD öffnet, sorgte in dieser Woche für Fassungslosigkeit. In zahlreichen Gesprächen mit Familienunternehmern und -Unternehmerinnen herrscht purer Ärger. Denn der Vorstoß suggeriert, „die Familienunternehmer" hätten den Schulterschluss mit Rechtsaußen gesucht. Das ist so falsch wie das Tatort-Klischee: Jeder Unternehmer sei ein Mörder.

forum Kurator Sebastian Fittko engagiert sich für eine regenerative Wirtschaft. © Ella KnorzDie Realität ist eine andere: Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die das Fundament dafür legten, dass Deutschland heute die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, benötigten keine AfD. Sie brauchten Mut und Haltung. Sie hatten die Kraft, den Status quo zu hinterfragen und Neues zu wagen. Erfolgreiche Unternehmer haben immer genau dann Geschichte geschrieben, wenn sie eine neue Epoche aktiv gestaltet haben, statt den Zerfall der alten zu verwalten.

Genau daran müssen wir uns heute erinnern. Wer enkelfähig wirtschaften will, darf nicht aus persönlicher Opportunität oder Angst taktieren. Die Antwort auf radikale Unsicherheit ist nicht der Rückzug ins Nationale, sondern eine neue Gestalt des Unternehmertums: das regenerative Unternehmertum.

Sein Kompass ist normative Klarheit. Ihm geht es nicht um die Einengung von Werten, sondern um die Entfaltung neuer Potenziale. Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur „Wie machen wir Gewinn?", sondern: „Wie dient unser Tun der Entfaltung des Lebenden?" In der Initiative Regenerative Marktwirtschaft verstehen wir das nicht als moralisches Add-on, sondern als knallhartes Gestaltungsprinzip, das ökonomischen Erfolg mit gesellschaftlicher Erneuerung verschränkt.

Der Flirt mit der AfD entlarvt sich vor diesem Hintergrund als Ausdruck von Hilflosigkeit. Doch wir brauchen keine Politik, die die „vergangene Vergangenheit" konserviert. Wer Krisen als Auftrag begreift, um echte Lösungen zu schaffen, ist für die eine Partei, die wissenschaftliche Realitäten leugnet und spaltet, schlichtweg irrelevant.

Lassen wir uns nicht in Scheingefechte verwickeln, die Frau Ostermann begonnen hat. Nutzen wir unsere Energie lieber, um zu beweisen, dass eine offene, regenerative Zukunft das überzeugendere Angebot ist. Erinnern wir uns an unsere Stärke und fangen wir wieder an, mit Haltung zu gestalten, statt aus Angst zu verwalten.
 
Sebastian Fittko ist im Kuratorium von forum, verbindet unternehmerische Transformation mit regenerativem Wirtschaften und begleitet mit regeneration PARTNERS Unternehmerfamilien auf dem Weg zu regenerativem Unternehmertum. Als Mitgründer der Initiative Regenerative Marktwirtschaft und Vorstand im Bundesverband Impact Investing engagiert er sich für eine regenerative Wirtschaft.

Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.


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