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Sebastian Fittko

future economy: Regeneration als neue Fortschrittserzählung

Kommentar des forum-Kurators Sebastian Fittko zum Rebranding von forum

Die Zukunft der Wirtschaft beginnt mit einer Begriffsverschiebung. Das Magazin heißt heute forum future economy – ein Schritt, der mehr ist als kosmetisch. Namen sind Programme, und der neue Claim markiert die Richtung, in die eine ganze Epoche aufbricht: Weg vom Verwalten des Status quo, hin zu einer Ökonomie, die Lebendigkeit erzeugt, statt sie zu verbrauchen, und damit Zukunft gestaltet.
 
Das neue forum-Magazin, welches am 01.12.2025 erschienen ist, steht unter einem neuen Namen: forum future economy.Das industrialisierte Zeitalter folgte einer linearen Erzählung: Fortschritt sei die Kunst, Natur in Ressourcen und menschliche Zeit in Geld zu verwandeln. Doch diese Fortschrittserzählung ist „entwicklungsgeschichtlich unreif". Er führt uns an eine zivilisatorische Klippe, weil er auf einer Illusion beruht: der Trennung von Ökonomie und Biosphäre.

Die Future Economy schreibt daher eine neue Geschichte. Sie fordert Reife. Sie markiert den Übergang von der alten S-Kurve der Extraktion zur neuen S-Kurve der Regeneration. Dabei ist Regeneration weder ein neuer Begriff noch eine neue Methode noch Mode. Regeneration ist Leben, Gedeihen und Potenzialentfaltung. Sie ist schon immer dagewesen und immer im Werden. Die Verwendung des Begriffs im Kontext des Wirtschaftens zeigt nicht nur das Einssein mit der lebendigen Mitwelt, sondern auch den Anspruch, mit unserem Wirtschaften das Gedeihende zu gestalten und dessen Potenzial zu entfalten. Wachstum drückt sich hier nicht abstrakt im BIP aus, sondern als Wachstum des Lebens, um Fortschritt für ein gutes Leben für uns alle zu ermöglichen. Es ist der Schritt vom Denken der Trennung hin zum Denken der Verbundenheit.
 
Warum Regeneration?
Weil wir das Leben brauchen, das wir verbrauchen!
Daniel Dahm formuliert in seinen bio-ökonomischen Analysen die Wurzel der Krise: Eine Wirtschaft, die glaubt, sich aus der Ökologie herauslösen zu können, verliert ihre Legitimation. Die Folge ist eine sinkende Resilienz unserer Lebensgrundlagen. Regeneration ist deshalb keine Nische. Sie ist die neue Voraussetzung für wirtschaftliche Rationalität. Sie ersetzt die Logik der Ausbeutung durch die Logik der Potenzialentfaltung durch regeneratives Unternehmertum.

Eine kurze Geschichte des regenerativen Denkens
Diese neue Fortschrittserzählung hat viele Väter und Mütter. Sie ist das Ergebnis einer konvergenten Entwicklung, die seit Jahrzehnten quer zu Disziplinen verläuft:
  • Hans Carl von Carlowitz (1713): Der sächsische Oberberghauptmann, der erkannte, dass man nur so viel Holz schlagen darf, wie der Wald aus eigener Kraft nachwachsen lassen kann. Sein Prinzip war die Sicherung der Regenerationsfähigkeit des Waldes als Basis allen Wirtschaftens.
  • Aldo Leopold (1949): Begründete mit seiner „Land Ethic", dass ökonomisches Handeln moralisch falsch ist, wenn es die Integrität und Stabilität der biotischen Gemeinschaft zerstört. Er sah den Menschen als Teil, nicht als Herrscher der Biosphäre.
  • R. Buckminster Fuller (1960er): Der Visionär des „Raumschiff Erde", der eine Design-Wissenschaft forderte, die sich an den effizienten und regenerativen Prinzipien der Natur orientiert, um das Überleben der Menschheit zu sichern.
  • Nicholas Georgescu-Roegen (1971): Der Vater der Bioökonomie, der bewies, dass Wirtschaftsprozesse den Gesetzen der Thermodynamik unterliegen und ohne die Einbettung in biologische Kreisläufe zwangsläufig zerstörerisch wirken.
  • Herman Daly (1977): Formulierte früh die Ökonomie einer „Full World", in der physikalische Grenzen die Basis allen Wirtschaftens sind.
  • Fritjof Capra (1996): entwickelte die systemische Sicht auf das Leben als Netzwerk dynamischer Beziehungen.
  • Daniel Dahm, Hans-Peter Dürr, Rudolf zur Lippe (2005): Erklärten im Potsdamer Manifest den Übergang zum „geistig-lebendigen Kosmos" als Kern einer neuen Ethik.
  • Robin Wall Kimmerer (2013): Öffnete mit Geflochtenes Süßgras den Blick für indigene Wissenssysteme, in denen Ökonomie schon immer eine „Ökonomie der Dankbarkeit" und Reziprozität war.
  • Carol Sanford († 2023): Die Pionierin, die uns lehrte, dass Regeneration keine Methode ist, sondern eine menschliche Fähigkeit. Sie zeigte, dass Unternehmen nicht Probleme „lösen", sondern die Kapazität von Menschen und Systemen entwickeln müssen, um ihr eigenes Potenzial zu entfalten.
  • Markus Gabriel (ab 2018): Zeigt mit seinem Konzept des „Ethischen Kapitalismus", dass wirtschaftliches Handeln in einer vernetzten Welt immer moralische Folgen hat. Daraus leitet er ab: Nur moralisch verantwortliches Handeln kann langfristig zu unternehmerischem Erfolg und gesellschaftlichem Fortschritt führen, während amoralische Geschäftsmodelle – wie die Beispiele der großen Social-Media-Plattformen zeigen – ihre eigene Legitimation untergraben.
  • Und schließlich: Daniel Dahm (ab 2000er), der diese Stränge verknüpft und die regenerative Ökonomie als lebensdienliches, syntropisches Gegenmodell zur extraktiven Moderne entwickelt. Er zeigt: Wir müssen ordnungsbildende Strukturen aufbauen, um die Kreisläufe der Erde zu stabilisieren.
Re-Growth: Ein neues Verständnis von Wohlstand
In der Future Economy verstehen wir Kapital neu. Es ist nicht länger nur Geld (Finanzkapital) oder Infrastruktur (materielles Kapital). Wie die Initiative Regenerative Marktwirtschaft aufzeigt, basiert echter Wohlstand auf der Balance von insgesamt acht Kapitalformen: Er umfasst ebenso das soziale und kulturelle Kapital, das intellektuelle Vermögen und das Erfahrungswissen bis hin zum Fundament des natürlichen (ökologischen) und der Orientierung des spirituellen Kapitals.

Finanzielles Kapital ist dabei nicht der Zweck, sondern das Mittel – der „Kompost", der zirkulieren muss, um die anderen Kapitalformen zum Blühen zu bringen. Das ist der Kern von Re-Growth: ein Wachstum, das nicht quantitativ die Menge an Gütern erhöht, sondern qualitativ die Lebensfähigkeit und Resilienz von Systemen steigert und damit zur Basis von neuem Wohlstand wird.

Willkommen in der Future Economy.
 
Sebastian Fittko ist im Kuratorium von forum, verbindet unternehmerische Transformation mit regenerativem Wirtschaften und begleitet mit regeneration PARTNERS Unternehmerfamilien auf dem Weg zu regenerativem Unternehmertum. Als Mitgründer der Initiative Regenerative Marktwirtschaft und Vorstand im Bundesverband Impact Investing engagiert er sich für eine regenerative Wirtschaft.

Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.

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