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Lösungen ohne Utopien?

Ein paar Takte zum Slogan von forum Nachhaltig Wirtschaften


Heike Leitschuh
Heike Leitschuh, Beraterin, Autorin und Moderatorin für nachhaltige Entwicklung, äußert sich konstruktiv-kritisch zum FNW-Slogan "Lösungen jetzt statt Utopien morgen".

"Lösungen jetzt statt Utopien morgen", diesen Satz hat sich das forum Nachhaltig Wirtschaften als Slogan für seinen E-Mail-Newsletter ausgesucht. Klingt erst mal gut, so nach "handeln statt schwätzen" oder "lieber sofort überhaupt was tun als ewig auf den großen Wurf warten." Klingt vernünftig, pragmatisch, bodenständig, so nach fleißigen Machern, denn versponnene Träumer helfen uns nicht weiter.

Und doch: Der Satz ist sehr falsch! Wer kein Bild von der Zukunft hat, findet auch keine Lösungen. Wer sich nicht vorstellen kann, dass die Gesellschaft eines Tages völlig anders aussehen könnte, wird auch wenig Motivation haben, hier und heute die vielen kleinen, oft schwierigen Schritte der Veränderung zu gehen. Immer wieder weiter machen, auch nach Niederlagen, dazu braucht es einen inneren Motor, angetrieben von Zielen, großen Zielen. Wer nicht recht weiß, wohin er oder sie will, wird auch nicht wissen, welchen Weg man als erstes nehmen muss, wird sich vielleicht gar im Kreis drehen.

Was wir heute so dringend brauchen, sind Menschen, die sich (wieder) trauen, eine Utopie zu entwerfen*. Pragmatiker mit ihren oft viel zu schnellen und undurchdachten Schüssen, die als vermeintlich tolle, neue Lösungen daherkommen, gibt es mehr als genug. Sie reden in jedes Mikro, das man ihnen entgegenhält und richten nur zu oft viel Unheil an. Wo aber sind die Visionäre, die die Dinge im Zusammenhang denken und sich trauen, Zukunft ganz neu zu entwerfen? Wo sind die handlungsfähigen Träumer? Darf ich dazu aus alten Zeiten zitieren, ausnahmsweise?

"Vom schöpferischen Träumen ...
Wenn der Mensch die Kraft zum guten Träumen
eingebüßt hätte, wenn er nicht immer wieder
vorauseilen und mit seiner Einbildungskraft
Das Ganze seines Tuns überschauen würde,
das sich mühselig unter seinen Händen
herauszubilden beginnt -
wie könnte er überhaupt das Umfassende
seiner Anstrengungen durchhalten?
Träumen wir also! Aber unter der Bedingung,
ernsthaft an unseren Traum zu glauben,
das wirkliche Leben auf´s genaueste
zu beobachten, unsere Beobachtungen mit unserem Traum
zu verbinden, unsere Phantasie gewissenhaft
zu verwirklichen! Träumen ist notwendig ...".


Dieser wunderbare Text stammt von Wladimir Iljitsch Lenin. Wer von dem nichts hören oder annehmen mag, der/die wird vielleicht bei Mark Twain nachdenklich werden: "Nachdem wir das Ziel aus unseren Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen." Und: "Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben."

*Immerhin: Es gibt das neue "Zukunftsfähige Deutschland in einer globalisierten Welt", herausgegeben von BUND, Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst. Allen, die nach Leitbildern suchen, empfehle ich diese Lektüre.


Heike Leitschuh

www.fairwirtschaften.de

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Gesellschaft | Globalisierung, 18.02.2009
     
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