Neues Afrika-Konzept des Bundeslandwirtschaftsministeriums

Organisationen fordern Abkehr von synthetischem Stickstoffdünger

Der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, Cem Özdemir, hat heute gemeinsam mit der Landwirtschaftskommissarin der Afrikanischen Union, Josefa Sacko, im Rahmen der Grünen Woche das neue "Konzept für unsere Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern und Regionen" seines Ministeriums vorgestellt. Vertreterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen ordnen die Ergebnisse ein.
 
© billy cedeno; Pixabay.comZiel des Konzepts sind laut Bundeslandwirtschaftsministerium Partnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent, um eine produktive, nachhaltige und standortangepasste Landwirtschaft zu fördern. Das Konzept soll Prioritäten, Ziele und Instrumente aufzeigen und herausstellen, mit welcher Expertise sich das BMEL als Partner anbietet. Übergeordnetes Ziel ist die Verwirklichung des Rechts auf angemessene Nahrung.

Dazu äußern sich Vertreterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen:

Emma Beelen von Aktion gegen den Hunger erläutert: "Weltweite Ernährungsunsicherheit ist vor allem ein Verteilungsproblem. Um dies zu beseitigen, braucht es einen nachhaltigen und gerechten Umbau der Ernährungssysteme, bei dem die Bedürfnisse von vulnerablen Gruppen wie Frauen und Kindern im Mittelpunkt stehen. Es ist daher begrüßenswert, dass das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung im neuen Konzept für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten einen transformativen Ansatz sowie das Menschenrecht auf angemessene Ernährung besonders betont. In der Umsetzung muss vor allem das Recht auf Nahrung als Messlatte und Kriterium für öffentliche Förderungen umgesetzt werden. Hunger ist ein komplexes Problem, das mehr als einfache technologische Lösungsansätze erfordert - dies muss kohärent verfolgt werden, beispielsweise im Einklang mit den Kriterien der internationalen Agrarökologie-Koalition, der sich das BMEL angeschlossen hat."

Dr. Silke Bollmohr vom INKOTA-netzwerk betont: "Gesunde Böden sind die Grundlage, um Hunger weltweit zu bekämpfen. Synthetische Stickstoffdünger stoßen hier an ihre Grenzen, da sie in ausgelaugten Böden oft ineffizient wirken, die Umwelt und das Klima belasten und für viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika unerschwinglich sind. Auch Stickstoffdünger aus grünem Wasserstoff lösen die sozial-ökologischen Probleme nicht. Es ist erfreulich, dass das Afrika-Konzept den Fokus auf agrarökologische Ansätze setzt und als wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit nennt. Allerdings wird die entscheidende Rolle dieser Ansätze für die langfristige Verbesserung der Bodengesundheit nicht ausreichend betont. Durch ressourcenschonende Methoden und Kreislaufwirtschaft können agrarökologische Praktiken die natürliche Fruchtbarkeit der Böden fördern und langfristig die Grundlage für eine produktive Landwirtschaft sichern, synthetische Düngemittel sind dabei allerdings nicht Teil der Lösung."

Stig Tanzmann von Brot für die Welt fasst abschließend zusammen: "Für unsere Partnerorganisationen in Afrika ist es ein wichtiges positives Signal, dass Agrarökologie und die Beteiligung von Produzent*innen und von Betroffenengruppen an politischen Entscheidungsprozessen stark im Afrika-Konzept des BMEL verankert sind. Dies gerade auch, da sie sich in für sie wichtigen Prozessen, wie der Erarbeitung der agrarpolitischen Agenda der Afrikanischen Union (AU), noch nicht ausreichend beteiligt sehen. In diesem Sinne werden unsere Partnerorganisation das Afrika-Konzept sicher nutzen, ihren agrarökologischen Anliegen mehr Gehör zu verschaffen."

Über Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 56 Ländern und Regionen aktiv ist und über 21 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.987 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Über INKOTA
INKOTA setzt sich für eine gerechte Welt ohne Hunger und Armut ein. Wir machen uns stark für Menschen im Globalen Süden, die unter Ungerechtigkeit leiden. Wir stärken Menschen im Globalen Süden, damit sie sich selbstbestimmt von Hunger und Armut befreien. Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement in Deutschland und den Herausforderungen in Ländern des Globalen Südens.

Mehr Informationen zu 'grünem' Stickstoffdünger auf Wasserstoffbasis finden Sie in diesem Positionspapier

Kontakt: Aktion gegen den Hunger, Vassilios Saroglou | presse@aktiongegendenhunger.de | www.aktiongegendenhunger.de



     
        
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