Gemeinschaftsverpflegung, Handel und Deutsche Gesellschaft für Ernährung in der Pflicht

Zehn Organisationen fordern anlässlich des End of Fish Day am 19.03.2026 einen grundlegenden Wandel beim Fischkonsum

Eine zukunftsfähige Ernährungspolitik muss den Schutz der globalen Fischpopulationen und die Ernährungssicherheit im Globalen Süden stärker in den Fokus rücken. Diese Forderung erheben zehn Organisationen anlässlich des deutschen „End of Fish Day" am 19. März. In ihrem gemeinsamen Positionspapier fordern Essen mit Zukunft e.V., BUND, DEEPWAVE, Deutsche Umwelthilfe e.V., Environmental Justice Foundation, Ernährungsrat Hamburg, fair-fish, Physicans Association for Nutrition und WWF Deutschland zum einen wirksamere Maßnahmen gegen Überfischung und für nachhaltige Fischerei. Gleichzeitig müsse der Fischkonsum in Deutschland und anderen Industrieländern grundlegend verändert und reduziert werden. Besonderen Handlungsbedarf sehen die Organisationen darin, die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für den Fischverzehr in Deutschland anzupassen, um einen Beitrag gegen die globale Überfischung zu leisten.

Eine zukunftsfähige Ernährungspolitik muss den Schutz der globalen Fischpopulationen stärker in den Fokus rücken. © foto-rabe, pixabay.comAm 19. März 2026 ist End of Fish-Day in Deutschland
Der End of Fish Day in Deutschland markiert den Tag, an dem rechnerisch die heimisch gefangenen oder gezüchteten Fische verbraucht sind. 80-90 % des eigenen Fischkonsums kann Deutschland nur über Importe decken. Der End of Fish Day macht damit deutlich, wie stark Deutschland von globalen Lieferketten abhängt und wirft wichtige Fragen bezüglich Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung auf. „Damit Fisch langfristig als Ernährungsgrundlage erhalten bleibt und die Versorgung im Globalen Süden nicht gefährdet wird, reichen die bisherigen Ansätze nicht aus" – darin sind sich die zehn Organisationen einig. „Mängel bei Siegeln, intransparente Lieferketten und die begrenzte Verfügbarkeit nachhaltiger Fischprodukte machen eine Fischkonsumwende dringend nötig", erläutert Mireille Remesch von Essen mit Zukunft.

Ernährungsempfehlungen zum Fischkonsum müssen überarbeitet werden
Die Organisationen bewerten die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum Fischkonsum kritisch. Diese empfiehlt ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche à 120 Gramm – deutlich mehr, als derzeit tatsächlich konsumiert wird. Würden alle Menschen in Deutschland zweimal pro Woche Fisch essen, würde der Pro-Kopf-Verbrauch massiv steigen. Das wäre mit dem Ziel, Überfischung zu beenden, nicht vereinbar. Aus Sicht der Organisationen berücksichtigen die bestehenden DGE-Fischkonsumempfehlungen wissenschaftliche Erkenntnisse zur globalen Überfischung bislang unzureichend.

Sie schlagen eine Anpassung der Ernährungsempfehlungen hin zu einem reduzierten Konsum von null bis maximal einmal pro Woche vor. Zudem fordern sie, dass die DGE die Fischkonsumempfehlungen an die Voraussetzung knüpft, dass der Fisch aus nachweislich nachhaltiger Fischerei oder ökologischer Aquakultur bezogen wird. Gleichzeitig betont das Positionspapier, dass eine gesunde Ernährung in Deutschland auch ohne wöchentlichen Fischkonsum möglich ist.

Gemeinschaftsverpflegung als zentraler Hebel
Besonders großen Handlungsbedarf sehen die Organisationen in der Gemeinschaftsverpflegung. Täglich nehmen in Deutschland schätzungsweise 16 Millionen Menschen ihr Mittagessen in Kantinen, Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Betriebsküchen ein. In vielen Einrichtungen wird traditionell mindestens einmal pro Woche Fisch angeboten, während Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.

„Die Gemeinschaftsverpflegung hat einen enormen Hebel für nachhaltigen Fischkonsum", so Julia Sievers von Essen mit Zukunft e.V. „Wenn Caterer und Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung ihre Speisepläne anpassen, nachhaltige Beschaffungskriterien einführen und Fisch seltener anbieten, kann dies einen spürbaren Beitrag für eine Fischkonsumwende leisten."

Einkaufsratgeber als gute Orientierungshilfe
Das Positionspapier kommt zu dem Schluss, dass gängige Siegel wie der Marine Stewardship Council (MSC) und der Aquaculture Stewardship Council (ASC) allein aktuell keinen verlässlichen Nachweis für nachhaltigen Fischkonsum bieten.

Als wichtige zusätzliche Orientierungshilfe empfehlen die Organisationen daher den vom WWF herausgegeben Fischratgeber sowie die „Guter Fisch"-Liste", die von der Verbraucherzentrale Berlin und der Verbraucherzentrale Hamburg gemeinsam mit dem GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, der Deutschen Umwelthilfe, dem NABU und dem WWF erstellt und jährlich aktualisiert wird.

Handlungsbedarf sehen die Organisationen jedoch auch angesichts der mangelnden Transparenz globaler Fischlieferketten. Weder Groß- noch Einzelhandel stellen bislang ausreichende Informationen zu Fanggebieten und Fangmethoden bereit. Nachhaltiger Fischkonsum bedeutet aktuell immer Mehraufwand, z. B. indem in Lebensmittelgeschäften und bei Großhändlern nachgefragt werden muss. Diese Hürde sollte durch Großhändler und Fischgeschäfte abgebaut werden. "Groß- und Einzelhändler sowie Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung sollten ihr Angebot schrittweise anpassen – Ziel sollte sein, langfristig nur noch Fisch aus glaubwürdig nachhaltigen Quellen anzubieten," fordern die Organisationen.

Links

Kontakt: Essen mit Zukunft e.V., Julia Sievers | julia.sievers@essen-mit-zukunft.de | www.essen-mit-zukunft.de



     
        
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