Fritz Lietsch
Technik | Energie, 01.09.2024

Wind und Sonne schicken keine Rechnung

Eine Chance für Unternehmen, die Kosten und den CO2-Ausstoß senken wollen

„Energiewende vertreibt Industrieunternehmen aus Deutschland" schreibt das Handelsblatt in einem Beitrag vom 02.08.2024. Aus meiner Sicht ist diese „Panikreaktion" zu kurz gedacht …
 © 3579931 myriams fotos pixabay
Die Energiewende wird zur Belastung für den Standort Deutschland. Insbesondere Unternehmen aus der Industrie nehmen die Transformation hin zu grüner Energie als Investitionshemmnis wahr. Das ist das Ergebnis des Energiewende-Barometers der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), basierend auf einer deutschlandweiten Umfrage unter 3.300 Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Ein Ergebnis, das kurzfristiges Denken und eine mangelnde Langfriststrategie offenbart. Denn: Wer vor Problemen davonläuft, verlagert nur den Zeitpunkt der notwendigen Lösung …

Lieber PV als die trügerische Sicherheit fossiler Brennstoffe
In einer Welt der begrenzten fossilen Energieträger und des zunehmenden Klimawandels sollten Unternehmen nicht dorthin verlagern, wo man sich vor den kommenden Herausforderungen drückt, sondern weitsichtig planen und investieren. Zeigten doch die jüngsten Energiekrisen und deren explodierende Preise, dass es gilt rechtzeitig auf erneuerbare Energien zu setzen. Und statt nun zu lamentieren, sollte man lieber die extrem gesunkenen Preise von PV-Modulen nutzen, um wenigstens jetzt die eigene Versorgung voranzutreiben. Noch immer sieht man jede Menge Fabrikhallen ohne PV auf dem Dach. Noch immer sind viele Logistikhallen „oben ohne" und riesige Parkplatzflächen bleiben ungenutzt. Noch immer ist die Fassaden-Photovoltaik exotisch, obwohl gerade sie die Sonneneinstrahlung im Winter hervorragend nutzt und keine Probleme mit Schneebedeckung hat.

Nicht länger warten!
Auch Hans-Josef Fell, einer der Urheber des EEG, rät eindringlich, die durch Subventionen hervorgerufenen Überkapazitäten – vor allem chinesischer Solarfabriken – zu nutzen, um jetzt die Energieerzeugung in Europa preiswert „aufzurüsten". Die KW/Peak-Preise waren noch nie so günstig wie heute. Natürlich sind auch Investitionen in die Energieinfrastruktur nötig, aber das wird sich langfristig als großer Wettbewerbsvorteil für den Standort herausstellen: Die Zeit arbeitet für die Pioniere der globalen Energiewende.

Wer bisher, verwöhnt von niedrigen Energiepreisen, die Themen Energieeffizienz und regenerative Energieerzeugung „verschlafen" oder zumindest ausgesessen hat, sollte jetzt aktiv werden, alle verfügbaren Flächen prüfen und sich auch mit den Themen Energiespeicherung und Flexibilisierung der Produktion beschäftigen. Wer seinen Verbrauch stärker an die Verfügbarkeit anpassen kann, wird sehr bald von der Volatilität der Stromerzeugung und den daraus entstehenden Niedrigpreisen profitieren. Gibt es doch jetzt schon Stromspitzen die fast zum Nulltarif abgegeben werden. Da immer mehr Solar- und Windkraftanlagen wegen Überproduktion abschalten müssen, können sowohl gewerbliche Nutzer wie auch Privathaushalte in den Genuss von extrem günstigem Strom kommen. Und genau diese Veränderung in Planung, Steuerung und Verhalten wird sich zum Wettbewerbsvorteil ausweiten. Die Prozessoptimierung liegt dann nicht mehr in der Maximierung des Outputs, sondern in der Optimierung der Energiepreisnutzung. Deshalb möchte ich die Besitzer und Betreiber von großen Gebäuden, Hallen, Parkplätzen aber auch die öffentliche Hand und nicht zuletzt Eigenheimbewohner und Mieter dazu ermutigen, die Sonne und die aktuell extrem günstigen PV-Preise zu nutzen. Wer sich jetzt energetisch mit der Sonne verbündet, kann damit den Öl- und Gaslieferanten die lange Nase zeigen und seine Stromkosten dauerhaft senken. Und wer meint, man sollte die Strom-, Wasserstoff- und E-Fuel-Produktion getrost den Ländern im Süden überlassen, vergisst vielleicht, dass genau diese Länder zunehmend unter Hitze leiden und immense Energiemengen für die Klimatisierung benötigen werden …

Ja, aber: Flächenversiegelung vermeiden, Agrarland und Natur erhalten
Bevor aber nun die Landschaft mit Solar- und Windkraftanlagen überzogen wird, sollten erst einmal alle versigelten Flächen genutzt werden. Deshalb möchte ich die Besitzer und Betreiber von großen Gebäuden, Hallen, Parkplätzen aber auch die öffentliche Hand und nicht zuletzt Eigenheimbewohner und Mieter dazu ermutigen, die Sonne und die aktuell extrem günstigen PV-Preise zu nutzen. Wer sich jetzt energetisch mit der Sonne verbündet, kann damit den
Öl- und Gaslieferanten die lange Nase zeigen und seine Stromkosten dauerhaft senken. Und wer meint, man sollte die Strom-, Wasserstoff- und E-Fuel-Produktion getrost den Ländern im Süden überlassen, vergisst vielleicht dabei, dass diese Länder zunehmend unter Hitze leiden, und dort immense Energiemengen für die Klimatisierung benötigen …

Das intelligente Zusammenspiel ist die Lösung
Der immense internationale Besucherandrang bei der diesjährigen The smarter E Europe – Europas größte Messe­allianz für die Energiewirtschaft (forum berichtete) hat gezeigt: Nur im Zusammenspiel von Wind, Sonne, Biomasse ist die Energiewende möglich. Gleichberechtigt dazu gehören der bewusste und sparsame Umgang mit Energie, die Optimierung der Energieeffizienz und die Weiterentwicklung von thermischen, mechanischen und chemischen Speichermöglichkeiten. 

Potenziale: Solar auf Gewerbeflächen

Leitfaden für Photovoltaikanlagen auf Gewerbeflächen im Bestand vorgestellt
Ein neuer, umfassender Leitfaden für die Installation von Photovoltaikanlagen auf Gewerbeimmobilien steht ab sofort zur Verfügung und hilft Unternehmen dabei, ihre Photovoltaikprojekte effizient und erfolgreich umzusetzen. Der Leitfaden bietet wertvolle Informationen zu baulichen Voraussetzungen, Finanzierungsmöglichkeiten und verschiedenen Betreibermodellen.
Bitte senden auch Sie uns Ihre Erfahrungen und Best Practice in Sachen intelligente Energieerzeugung und Nutzung, damit wir weitere Unternehmen inspirieren können.

Dieser Artikel ist in forum 04/2024 - Der Zauber des Wandels erschienen.

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