Fritz Lietsch
Technik | Green Building, 01.12.2025
Ein Haus für Innovationen
Interview mit Lone Feifer, die in Østbirk, Dänemark, das LKR Innovation House entwickelt hat
Ein neues, altes Gebäude möchte Symbol für nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft, Kreativität und Zusammenarbeit sein. Nach dem Willen der Entwickler soll es ein Ort der Inspiration und Innovation werden. Fritz Lietsch fragte für forum nach den Hintergründen.
Frau Feifer, das Innovation House hat den Anspruch, ein Experimentalhaus zu sein, das dem modernsten Stand nachhaltigen Bauens und der Verwendung von Holz entspricht. Auf welche Innovationselemente sind Sie besonders stolz?Die alte Lagerhalle, aus der das LKR Innovation House entstand, nennen wir bei Velux „Experiment aus Holz". Errichtet wurde sie 1995 auf Initiative von Lars Kann-Rasmussen, dem Namensgeber des heutigen Gebäudes, und bestand komplett aus unbehandeltem Holz. Ziel war es damals, die Haltbarkeit und Nachhaltigkeit von Holz als primärerem Baustoff zu testen. Heute wissen wir: Das Experiment hat sich bewährt. Beim Bau des LKR Innovation House konnten wir nicht nur den Charakter des alten Gebäudes bewahren, sondern auch viele der alten Materialen – insbesondere das Holz – weiterverwenden. Wir sind besonders stolz, dass wir so zeigen konnten, welches Potenzial Holz in industriellem Maßstab hat.
Natürlich haben wir auch beim Design auf die unsere Firmen-Prinzipien gesetzt: Tageslicht und frische Luft sorgen für ein angenehmes Raumklima und machen das LKR Innovation House zu einem Ort, der Wohlbefinden und Gesundheit unserer Mitarbeitenden fördert. Auch darauf bin ich stolz!
Was können andere Architekten und Bauherren von diesem Objekt lernen?
Das Projekt zeigt vor allem drei Dinge: wie sich bestehende Strukturen durch nachhaltiges Design neu erfinden lassen, die Verbindung von Tradition und Innovation und – ganz konkret für Bürogebäude – wie Modularität und Transparenz Zusammenarbeit, Kreativität und Wohlbefinden fördern.
Inwiefern transportiert und inspiriert das Gebäude die Idee der betrieblichen Innovation im Unternehmen?
„Innovation" ist natürlich das Kernthema des Gebäudes. Nicht nur aufgrund seines Namens, sondern auch wegen seiner Geschichte. Das „Experiment", von dem ich eingangs sprach, war seinerzeit eine echte Pionierleistung und hat unseren heutigen Fokus auf Wiederverwendung entscheidend geprägt. Der CO2-Fußabdruck des heutigen Gebäudes beträgt 4,6 kg CO2e/m2/Jahr und liegt damit weit unter dänischen Vorschriften für Bürogebäude, die im Juli 2025 bei 7,5 kg CO2e/m2/Jahr lagen.
Auch im Inneren prägt der Innovationsgedanke jedes Detail. Die Räume sind so gestaltet, dass sie Kreativität und Zusammenarbeit fördern – durch sorgfältig gewählte Materialien, flexible Nutzungskonzepte und ein optimales Raumklima, das inspiriert.
In dieser Verbindung liegt unser Verständnis von Innovation: Nachhaltiges Bauen bedeutet für uns nicht nur, die negativen Umweltauswirkungen von Gebäuden zu reduzieren, sondern auch zu verstehen, wie Menschen in diesen Gebäuden leben und arbeiten – und wie Planung, Gestaltung und Bauweise die Verbindung zwischen Menschen und Planet stärkt. Das ist unser Antrieb für Innovation bei Velux, und innerhalb der Branche.
Ich war am Projekt Design City Kolding beteiligt – hier sollten verschiedenste Firmen und Organisationen ihre Innovationsabteilungen platzieren. Ist es geplant, dass auch andere Firmen oder Organisationen das Innovation House nutzen können?
Das LKR Innovation House ist bewusst als kollaboratives Ökosystem konzipiert. Wir suchen aktiv Partnerschaften mit externen Organisationen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Innovationsvorhaben voranzubringen. Die Architektur des Gebäudes ist so gestaltet, dass sie den Dialog sichtbar und spürbar macht, und damit den Austausch und die Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure fördert.Ist Co-Creation ein Teil zukünftiger Pläne?
Auf jeden Fall! Co-Creation ist zentraler Bestandteil unserer Innovationsstrategie. Das LKR Innovation House bietet bewusst gestaltete Räume für Workshops, Dialogforen und sogenannte „Sandboxes", also Experimentierlabore. Damit wollten wir ein Umfeld schaffen, das funktions- und branchenübergreifende Zusammenarbeit nicht nur ermöglicht, sondern aktiv fördert.
Welche Innovationen sind bereits im Innovation House entstanden, die sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich erfolgreich sind?
Die Eröffnung fand erst vor ein paar Monaten statt. Insofern ist es für Ergebnisse noch etwas früh, über konkrete Projekte oder Produkte zu sprechen. Wir sehen allerdings schon jetzt, dass sich die Synergien zwischen den Teams in der Produktentwicklung und Produkttestung verbessert haben.
Last but not least: Wie wäre es mit einem einwöchigen Makeathon im Innovation House, an dem verschiedenste Branchen und Player von Politik über Wissenschaft bis Wirtschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten?
Tatsächlich haben wir am 17. September zu „Exchange for Change" eingeladen – eine Veranstaltung, zu der wir Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Architektur, Medien und Think Tanks eingeladen haben, um zentrale Fragen unserer Zeit zu diskutieren: Wie gestalten wir Gebäude für den Planeten, den wir uns wünschen? Wie können wir Europas Gebäude so erneuern, dass sie gesund, bezahlbar und nachhaltig werden? Auch für solche Veranstaltungen haben wir das LKR Innovation House gebaut. Als Ort für Austausch und Lösungsfindung.
Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?
Wir hatten einen sehr erfolgreichen Start, mit durchweg positivem Feedback von den Kolleginnen und Kollegen, die hier arbeiten, aber auch von Gästen aus Architektur, Wissenschaft und anderen Bereichen.
Mein Wunsch ist es, dass wir daran anknüpfen und das Momentum nutzen – intern wie auch für den branchenweiten Erfahrungsaustausch. Projekte wie dieses dienen nicht nur unserem eigenen Erkenntnisgewinn, sondern sollen auchden Wandel der Branche vorantreiben.Frau Feifer, wir danken für das Gespräch und freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen Workshops im Innovation House zu organisieren. Ganz speziell für das Projekt „Sustainable Islands".
Lone Feifer konzentriert sich als Director Sustainability & Architecture der VELUX Gruppe darauf, gesunde Gebäude für Menschen und den Planeten zu schaffen. Zudem ist sie Mitglied des Vorstands der Königlich Dänischen Akademie für Architektur, Design und Denkmalpflege sowie des Copenhagen Architecture Festival.
Ein Experiment aus Holz
Das Innovationszentrum entstand aus einer ehemaligen Lagerhalle aus Holz. Die Idee für die Errichtung des ursprünglichen Gebäudes stammte von Lars Kann-Rasmussen. Dessen Vision war es seinerzeit, aus Rücksicht auf die Umwelt ein Gebäude zu errichten, das vollständig aus Holz besteht. Wo es möglich war, wurden im alten Gebäude Beton und Stahl komplett durch Holz aus dänischen und schwedischen Wäldern ersetzt. Es wurde unbehandelt gelassen, um seine Langlebigkeit zu testen und zu erforschen, wie nachhaltig die Verwendung von Holz als primärer Baustoff ist.
Diesem Ansatz verdankt das Gebäude, das im Mai 1995 erstmals eingeweiht wurde, seinen Namen „Experiment aus Holz". Bis heute hat sich das Experiment bewährt: Das Holz der Fassade ist in gutem Zustand und es ist zu erwarten, dass es auch weiterhin standhalten wird. Bei der Renovierung wurde das ursprüngliche Design des Gebäudes gewahrt. Dabei konnten über 50 Prozent der ursprünglichen Materialien wiederverwendet und – verglichen mit einem Gebäude ähnlicher Größe und Funktion – ungefähr 55 Prozent bzw. 4.476 Tonnen Materialien eingespart werden.
Fakten zum LKR Innovation House
- Verwendung: Innovationszentrum und Büro für Teams aus dem Bereich Produktentwicklung
- Standort: Østbirk, Dänemark
- Eröffnung: Mai 2025
- Fläche: 14.000 m² (Umbau einer 9.500 m² Lagerhalle)
- Mitarbeitende: ca. 500
- Eingesparte Baumaterialien: > 55 % der Baumaterialien im Vergleich zu einem vergleichbaren Neubau
- CO2-Fußabdruck: 4,6 kg CO2e/m²/Jahr (deutlich unter dänischen Vorgaben für Bürogebäude)
- Dachfenster: Über 400 VELUX Dachfenster für Tageslicht und Belüftung
- Architekturpartner: Praksis Arkitekter
- Besonderheiten: Flexible Raumgestaltung, Fokus gesundes Raumklima, Begrünte Innenhöfe und Bezug zur Natur
- Projektpartner: Søren Jensen (Ingenieur), KG Hansen (Bau), DETBLÅ (Landschaft), BRIQ (Gestaltung)
Dieser Artikel ist in forum 01/2026 - forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy erschienen.
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