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Johanna Schwarz

Tax the Rich – was steckt dahinter?

Was Vermögensbesteuerung mit der Bekämpfung der Klimakrise zu tun hat

Aktuell läuft eine EU-weite Petition, in der gefordert wird, dass extrem vermögende Personen stärker besteuert werden. Vor Kurzem erschien auch ein Buch darüber: „Tax the Rich", von Till Kellerhoff und Jorgen Randers. Die forum-RedakteurInnen Julian Schmidt und Johanna Schwarz wollten mehr darüber wissen und besuchten eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Teilnehmer waren einer der Autoren, Till Kellerhoff, außerdem Antonius Schwarz, Millionär und Gründer von „Tax me now", und Martin Hagen, FDP-Bundesvorstand. Es wurde heiß diskutiert, denn es geht um viel. Im Anschluss stellten die forum-RedakteurInnen Till Kellerhoff noch ein paar Fragen dazu.  

Till, du hast viele laufende Projekte. Wieso hast du dich entschieden, zusätzlich noch ein Buch zu schreiben, und wieso gerade über dieses Thema?

Jorgen Randers, Till Kellerhoff 

Tax the Rich

Warum die Reichen zahlen müssen,  wenn wir die Welt retten wollen
 
Herausgegeben von oekom Softcover, 112 Seiten
14,00 € (D)
ISBN: 978-3-98726-067-4 www.oekom.de 

 
Einerseits hat mir der oekom-Verlag vorgeschlagen, anknüpfend an „Earth for all" ein weiteres Buch zu schreiben. Andererseits werden die Themen Umverteilung und finanzielle Gerechtigkeit immer brennender. Die verteilungspolitische Dimension muss in die Klimadebatte einbezogen werden. Das ist deswegen wichtig, weil die Umstellung unserer Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Quellen, nun mal Geld kostet. Die Frage ist, woher das Geld kommen soll. Hier muss bedacht werden, dass wir nicht alle im selben Boot sitzen, wenn es um die Klimakrise geht, sowohl hinsichtlich der Entstehung als auch der Auswirkungen. Es gibt Menschen, die unverhältnismäßig viel zu unseren ökologischen Krisen beigetragen haben, und andere, die kaum etwas bis gar nicht dazu beigetragen haben, aber überproportional betroffen sind. Deswegen ist der Überkonsum von Reichen ein wichtiges und kritisches Thema. Und in der Besteuerung von Überreichtum liegt viel Potenzial zur Lösung unserer ökologischen und gesellschaftlichen Probleme.

Wieso wird für die ökologische Transformation so viel Geld benötigt?
Um eine klimaneutrale Wirtschaft aufzubauen, wird Deutschland zusätzliche Investitionen von rund 70 Milliarden Euro benötigen. Wir wissen zwar, dass wir eine Transformation brauchen, wollen aber gleichzeitig keine Einnahmen besteuern und keine Schulden aufnehmen. Dieser Dreiklang wird nicht aufgehen. In den nächsten Jahren werden wir deshalb staatlich finanzierte Investitionen benötigen, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Steuern können, wenn sie progressiv gestaltet sind und vor allem die Reichen treffen, dafür sorgen, dass diese Investitionen sozial gerecht entstehen und gleichermaßen die Ungleichheit eindämmen.

Wie kann eine Besteuerung konkret aussehen? Sollen die Reichen etwa den Großteil ihres Vermögens für die weniger wohlhabenden Menschen zahlen?
Till Kellerhoff, Co-Autor von ''Tax the Rich'' sowie Mitglied im Club of Rome. © Fotostudio Neukölln Kreuzberg
Es gibt einen Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. In Deutschland wird Einkommen sehr progressiv besteuert, wir sind ein Hochsteuerland bei Einkommen, aber ein Niedrigsteuerland bei Vermögen. Das ist eine politische Entscheidung. Viel Nachholbedarf gibt es in Deutschland bei der Erbschaftssteuer, die sehr löchrig ist und extrem reiche Erben verschont. Es gibt aber auch gute Vorschläge für eine progressive Vermögensbesteuerung, beispielsweise bei fünf Millionen Euro und etwa 2 Prozent angefangen. Momentan gibt es viel Bewegung für eine globale Mindeststeuer für Milliardäre. Es gibt 3.000 Milliardäre auf der Welt, und eine Mindeststeuer von 2 Prozent ist im Gespräch, was über 200 Milliarden Euro einbringen könnte.

Du sprichst in deinem Buch von „Über-Reichtum" – wer entscheidet, was zu viel ist?
Jede Gesellschaft muss das für sich selbst entscheiden. Empirische Studien zeigen, dass ab einem bestimmten Punkt der Ungleichheit in der Bevölkerung die Spannung zwischen den Menschen zunimmt, welche eskalieren kann, wenn nicht rechtzeitig entsprechende Gesetze implementiert werden. Der bekannte französische Ökonom Thomas Piketty sagt, dass  „jede Gesellschaft ihre Ungleichheit rechtfertigen" muss – tut sie das nicht, führt dies zu zunehmenden sozialen Spannungen. Ungleichheit ist eine politische Entscheidung, und die Zivilgesellschaft muss entscheiden, was akzeptabel ist.

Danke für deine Zeit, Till, und viel Erfolg weiterhin bei deinen Projekten!
 
Wenn Sie noch nicht von einer Besteuerung von Überreichen überzeugt sind, sollten Sie das ganze Buch lesen.
Wenn Sie bereits überzeugt sind, sollten Sie diese Petition unterzeichnen und Freunden und Kolleginnen davon erzählen. 

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