Schwestern, zur Sonne, zur Freiheit

Die Solar-Revolution ist nicht mehr zu bremsen und Frauen sind vor allem bei Steckersolar ganz vorne dabei

Steigende Strompreise und der Wunsch selbst als Mieter regenerative Energien zu fördern, hat die Nachfrage nach Solaranlagen förmlich explodieren lassen. Zusätzlich ist die Anschaffung für die nächsten sechs Monate von der Mehrwertsteuer befreit und damit sehr preiswert. Klingt einfach, ist einfach, wird aber bisher von zahlreichen Vorschriften behindert. Das ändert sich nun insbesondere für Steckersolaranlagen: höchste Zeit nun Module auf die Barrikaden – äh Balkone zu montieren.
 
Mit sogenannten Balkonkraftwerken und Mini Energieerzeugungs­anlagen (Mini-EEA) können Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Stromkosten reduzieren und einen Beitrag zur Energiewende leisten. © Adobe Stock / Maryana Strom aus Photovoltaik ist mittlerweile so kostengünstig, dass die eigene PV-Anlage als echte Strompreisbremse wirkt. Aber im Umfeld von Ukraine-Krise, Energieknappheit, Handwerkermangel und gestörten Lieferketten ist es schwer, schnell eine große PV-Anlage montiert zu bekommen. Daher ist das Interesse an einfachen Steckersolaranlagen zunehmend auch bei Einfamilienhausbesitzern vorhanden, obwohl diese sogenannten Balkonsolarkraftwerke lange Zeit vor allem als Eigenverbrauchslösung für Mieter im Geschosswohnungsbau galten. Bisher sind aber auch diese kleinen Anlagen mit Vorschriften belegt (600 Watt Grenze, umständliche Anmeldung, spezielle Wieland Energie-Steckdose, Zählerwechsel), die so manchen Bürger von einer Anschaffung abhielten.
 
Weniger Regeln, mehr Freiheit!
Da Material und Elektroinstallateure weiterhin Mangelware sind und eine regenerative Energieerzeugung beschleunigt werden muss, rät der Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) dringend, die gesetzlichen Zügel zu lockern.

Damit sollen sich Mini-Energieerzeugungsanlagen flächendeckend durchsetzen können ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Ein Positionspapier des VDE identifiziert fünf Punkte damit die Revolution gelingen kann:
  1. Die Bagatellgrenze steigt auf 800 W
    Auf europäischer Ebene gilt längst eine Bagatellgrenze von 800 Watt (W). Diese Bagatellgrenze muss schnellstmöglich auch in Deutschland von 600 auf 800 W erhöht werden. Somit wären die Anlagen als nicht mehr als „netzrelevant" anzusehen und unterliegen damit der vereinfachten Inbetriebnahme.

  2. Der Zählerwechsel entfällt
    Der VDE fordert, dass Mini-Energieerzeugungsanlagen mit bis zu 800 W Systemgesamtleistung an jedem Zählertypen verwendet werden dürfen. Damit sollen Zähler im Rahmen der Bagatellgrenze auch rückwärtslaufen dürfen. Verbraucher, die mit Hilfe einer solchen Anlage Stromkosten sparen wollen, müssten so nicht bis zum von der Bundesregierung beschlossenen Wechsel des Stromzählers zum Smart Meter warten oder den Zähler schon jetzt vorzeitig wechseln. Das ist der entscheidende Durchbruch für Geschwindigkeit.

  3. Anmeldung und Inbetriebsetzung wird einfacher
    In Zukunft ist es nur noch nötig, die Mini-Energieerzeugungsanlage bei der Bundesnetzagentur an- bzw. abzumelden oder Änderungen an der Anlage zu melden. Dies ist mit sehr wenig Aufwand möglich.

  4. Der Schuko-Stecker wird siegen
    Um die flächendeckende Verwendung von Mini-Energieerzeugungsanlagen zu ermöglichen, spricht sich der VDE dafür aus, den Schuko-Stecker nun für die Einspeisung bis zu einer Systemgesamtleistungsgrenze von 800 W zu dulden. Damit kann jede Anlage sofort nach Kauf angesteckt werden. Die (R)-Evolution ist damit perfekt.
Bisher legte man der privaten Nutzung von Solarenergie Steine in den Weg. Jetzt wurde sogar die Mehrwertsteuer gestrichen, um den Ausbau zu forcieren.

Damit setzt eine Zeitenwende bei der Bundesnetzagentur (BNA) und dem VDE in Richtung Erneuerbare Energien ein. Die bisher vorgeschobenen und übertriebenen Sicherheitsbedenken der Kritiker von Steckersolargeräten aus den Reihen von Versicherungsbranche, Elektrohandwerk, Energieversorgern und Netzbetreibern wurden durch die Untersuchungen von Miniwechselrichtern und Messungen von gealterter Elektroinstallation durch das Fraunhofer ISE und die Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) ausgeräumt. Der Weg ist frei „zur Freiheit zur Sonne" und Frauen interessieren sichnach unseren Erfahrungen besonders stark für die Balkonkraftwerken und Mini-Energieerzeugungsanlagen. 
 
 
Von Fritz Lietsch

forum fördert Fortschritt und liefert Anlagen sowie Know-how
Seit Jahren engagiert sich forum Nachhaltig Wirtschaften für die vereinfachte Nutzung und Zulassung von Steckersolaranlagen. Und so wurden nach langem Kampf aus Guerilla-Anlagen „brave" Balkonanlagen. Wir sehen deren Einsatz als einen wichtigen Schritt, um VerbraucherInnen ein besseres Verständnis für Photovoltaik, Stromsparen, Energieeffizienz und die Nutzung regenerativer Energien zu ermöglichen. Außerdem macht es jede Menge Spaß, Strom selber zu erzeugen und seinen Verbrauch zu optimieren. Um eine schnelle Verbreitung aktiv zu fördern, informieren wir über Bezugsquellen von Steckersolaranlagen und bieten im Großraum München entsprechende Komplettanlagen, Module, ECOflow und MiniTower (Not-)stromspeicher, Software sowie Workshops an. Besonders Solarinitiativen und Sammelbesteller erhalten entsprechender Produkte zu Sonderkonditionen.
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Technik | Energie, 01.03.2023
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2023 mit dem Schwerpunkt: Zukunft gestalten - Krieg & Klimakatastrophe erschienen.
     
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