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Ecosia

Der Stoff, aus dem Bäume sind

Einen Suchanfrage im Internet starten und damit das Klima retten? Das geht! Und zwar so gut, dass Christian Krolls grüne Internet-Suchmaschine Ecosia und deren Vorläuferin Forestle einen Preis nach dem anderen abräumen. Im September erhält er den B.A.U.M.-Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis 2019 in der Kategorie „Digitalisierung". Doch nicht nur hierfür gebührt ihm Bewunderung. Noch mehr jedoch dafür, dass er sich sein Unternehmen selber wegnimmt...

Christian Kroll ist ein Held. Als neuer Unternehmer-Typus maximiert er nicht den Gewinn, sondern den Sinn seines Unternehmens. © Shane Thomas McMillanIm Oktober 2018 treffe ich Christian Kroll beim Bäume-Pflanzen in Spanien. Spontan hatte er sich bereit erklärt, unser RE-generation Festival zu besuchen und nicht nur zu tanzen und zu feiern, sondern auch gemeinsam mit uns Bäume zu pflanzen und über Ecosia zu erzählen. Was könnte es Schöneres geben, als sich im Schatten nach getaner Arbeit von Christian die Geschichte seines Unternehmens erzählen zu lassen.
 
Ein stolzes Team: Ecosia kann nicht mehr meistbietend verkauft werden, sondern ist per Satzung einzig und allein der Zielsetzung gewidmet, eine bäumepflanzende Suchmaschine zu sein. Das gibt Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter und hält Spekulanten fern.
 
„Mein Hauptziel heißt Klimaschutz"
Die Idee einer Suchmaschine, die Gutes tut, kam dem studierten Betriebswirt auf Reisen durch Asien und Lateinamerika. Dort sah Christian Kroll Beispiele für ungerechte Wirtschaftsbeziehungen und für Umweltzerstörung zum Beispiel durch Abholzung von Regenwald zum Sojaanbau. Nach seiner Rückkehr gründete er 2009 in Berlin Ecosia.
 
Ecosia, das mit Microsoft kooperiert und seine Suchergebnisse von Bing übernimmt, finanziert sich, wie andere Suchmaschinen auch, über Werbeanzeigen. Mindestens 80 Prozent seiner Gewinne investiert Ecosia in Baumpflanzprojekte. Hierzu arbeitet das Unternehmen mit Partnern vor Ort in 16 verschiedenen Ländern zusammen. „Für mich ist die Lösung des Klimawandels die wichtigste Aufgabe der Menschheit im 21. Jahrhundert", beschreibt Kroll seine Motivation. „Wir versuchen, so viele Bäume wie möglich zu pflanzen, um CO2 aus der Atmosphäre zu absorbieren. Wir haben bereits über 60 Millionen Bäume gepflanzt!" Den Fortschritt kann jeder User auf der Startseite von Ecosia beobachten: Unaufhaltsam läuft dort ein Zähler mit der Anzahl der von den Nutzern gepflanzten – oder finanzierten – Bäumen.
 
Für die Mitarbeiter von Ecosia gibt es noch eine analoge Möglichkeit, die Früchte ihrer Arbeit zu bestaunen: An der Wand der Fabriketage in Berlin, dem Firmensitz von Ecosia, hängt eine Tafel mit einem gezeichneten Baum. Stück für Stück wird seine Krone ausgemalt. Wenn sie voll ist sind 100 Millionen Bäume gepflanzt. Aber auch dann soll noch längst nicht Schluss sein. Kroll: „Wir wollen in den nächsten Jahren die Milliarde erreichen."
 
Es gibt nichts Wichtigeres als Bäume
Von jedem gepflanzten Baum kennt Ecosia den Standort und überwacht die Entwicklung der Bäume durch Stichproben. Auch sonst setzt das Unternehmen auf Transparenz und veröffentlicht monatlich Finanzberichte und Baumpflanzbelege.
 
Doch Bäume zu pflanzen ist Christian Kroll nicht genug: Den Stromverbrauch der Server gleicht sein Unternehmen mit eigenen Solaranlagen aus. Weitere CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette – z.B. beim Kooperationspartner Microsoft – werden durch Zertifikate kompensiert. Zukünftig möchte Ecosia auch inhaltlich zur „grünen" Suchmaschine werden und nachhaltige Suchergebnisse für die Nutzer gut sichtbar hervorheben.
 
Lieber glücklich als reich!
Dass es ihm um Bäume geht, statt um Profit, hat Christian Kroll 2018 durch einen weiteren Schritt bewiesen: Er hat Ecosia in ein „Purpose-Unternehmen" umgewandelt. Hierzu übertrug er Unternehmensanteile an die Purpose-Stiftung. Mit dieser Schenkung verbunden ist ein Gesellschaftsvertrag, der die Stiftung verpflichtet, ein Vetorecht auszuüben, wenn Ecosia verkauft oder wenn die Gewinne privatwirtschaftlich genutzt werden sollen – unwiderruflich und für immer. Dadurch hat Christian Kroll Ecosia in ein Unternehmen verwandelt, das „sich selbst gehört" – getreu dem Grundsatz des Purpose-Netzwerks „Unternehmen sind keine Spekulationsgüter". Wie viel Geld Christian Kroll durch diesen Schritt verloren hat, kann er nicht beziffern. Die Zahl schwankt zwischen 25 und 100 Millionen Euro. Aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist: Es fühlt sich für ihn einfach richtig an.
 
Ein stolzes Team: Ecosia kann nicht mehr meistbietend verkauft werden, sondern ist per Satzung einzig und allein der Zielsetzung gewidmet, eine bäumepflanzende Suchmaschine zu sein. Das gibt Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter und hält Spekulanten fern. © Shane Thomas McMillan
Purpose-Stiftung – Ein Unternehmen gehört sich selbst 
Die Purpose-Stiftung unterstützt Unternehmen dabei, sich von rein wirtschaftlichen Interessen von Eigentümern und externen Investoren unabhängig zu machen. Purpose definiert Eigentum neu: Die Eigentümer dürfen das Unternehmen weder verkaufen, noch vererben und bleiben nur so lange Eigentümer, wie sie auch Verantwortung für das Unternehmen übernehmen.

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2019 - Social Business beseitigt Plastik-Müll und schafft neue Jobs erschienen.



     
        
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