Technik | Energie, 27.04.2026

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

In Santa Marta erklären die Städte Ihre Bereitschaft, eine Vorreiterrolle einzunehmen

C40-Städte heben erneuerbare Energien als den effektivsten Weg hervor, um eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung zu sichern, und bekräftigen ihr gemeinsames Engagement, den Einsatz fossiler Brennstoffe bis 2030 zu halbieren.

Bei der ersten Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen in Santa Marta erklären die Städte Ihre Bereitschaft, eine Vorreiterrolle einzunehmen. © Steve Buissinne, pixabay.comWährend sich Stadtvertreter:innen und nationale Regierungen zur ersten Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen treffen, die gemeinsam von Kolumbien und den Niederlanden ausgerichtet wird, ist die Botschaft klar: Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist der effektivste Weg, um Energiesicherheit zu gewährleisten.
 
Die aktuelle globale Volatilität hat gezeigt, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen eine direkte Bedrohung für Haushaltsbudgets, nationale Finanzstabilität und die globale Sicherheit darstellt. Durch die Abkehr von Preisschocks und Lieferunterbrechungen, die mit fossilen Brennstoffen verbunden sind, können wir das liefern, was Gemeinschaften wirklich brauchen: Energie, die bezahlbar, zuverlässig und widerstandsfähig gegenüber globalen Krisen ist.
 
Diese Konferenz stellt eines der vielversprechendsten Ergebnisse der COP30 dar und signalisiert einen konkreten Übergang von globalen Zusagen zur lokalen Umsetzung. Anfang dieses Monats nahmen über 25 Städte weltweit gemeinsam mit den Regierungen Kolumbiens und der Niederlande an einem virtuellen Dialog teil, der von C40 und ICLEI gemeinsam organisiert wurde, um sicherzustellen, dass die Konferenz eine wirklich globale subnationale Perspektive widerspiegelt und die Umsetzung auf lokaler Ebene sichtbar macht.
 
Da die Energiepreise weiterhin mit den globalen Märkten für fossile Brennstoffe schwanken, zeigen Städte, dass erneuerbare Energien eine stabilere und kostengünstigere Alternative darstellen. Jeder Anstieg der Öl- und Gaspreise wirkt sich unmittelbar auf Haushalte, Unternehmen und öffentliche Haushalte aus und verdeutlicht die Risiken einer fortgesetzten Abhängigkeit von volatilen globalen Märkten.
 
Erneuerbarer Strom ist inzwischen deutlich günstiger als Strom aus fossilen Quellen: Neue Solar- und Windenergieanlagen kosten mindestens 50 % weniger als neue fossile Energieerzeugung. Gleichzeitig verfügen 92 % der Länder über ein Potenzial an erneuerbaren Energien, das mehr als das Zehnfache ihres derzeitigen Energiebedarfs übersteigt.
 
Städte stehen im Zentrum dieses Wandels. Urbane Räume sind für 75 % der energiebedingten globalen Emissionen verantwortlich, wodurch lokales Handeln entscheidend für den globalen Fortschritt ist. Gleichzeitig sind Städte die Orte, an denen die Auswirkungen der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen am deutlichsten sichtbar werden – von steigenden Lebenshaltungskosten bis hin zu zunehmender Luftverschmutzung und klimabedingten Störungen.
 
In den C40-Städten sind die Pro-Kopf-Emissionen bereits unter das Niveau vor der Pandemie gesunken – ein Rückgang über vier aufeinanderfolgende Jahre hinweg, der zeigt, dass nachhaltiger Fortschritt möglich ist.
 
Lokale Regierungen setzen bereits Lösungen im großen Maßstab um. Von der größten Umweltzone der Welt in London bis hin zu Melbournes gemeinsamer Beschaffung erneuerbarer Energien, die mittlerweile 100 % der kommunalen Aktivitäten versorgt, beschleunigen Städte die Transformation und senken gleichzeitig Kosten.
 
In Curitiba (Brasilien) senkt die öffentliche Beschaffung von Solarenergie die Energiekosten öffentlicher Gebäude um 30 % und schafft gleichzeitig hochwertige grüne Arbeitsplätze. In Johannesburg wurden durch eine grüne Anleihe im Wert von 140 Millionen US-Dollar Projekte für erneuerbare Energien und Energieeffizienz finanziert. Warschau unterstützt einkommensschwache Haushalte beim Umstieg auf saubere Heizsysteme und reduziert so Energiearmut und Luftverschmutzung.
 
In Kolumbien hat Bogotá die erste ausgewiesene Niedrigemissionszone (ZUMA) in einem der am stärksten belasteten und benachteiligten Stadtteile eingerichtet und verbessert damit die Luftqualität und die öffentliche Gesundheit für fast 40.000 Menschen.
 
Ein entscheidender Faktor ist die Arbeitswelt. Städte reagieren auf Qualifikationslücken durch gezielte Aus- und Weiterbildungsprogramme. Laut C40-Analysen in 25 Städten könnten bis 2040 bis zu 6 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden.
 
Diese Maßnahmen sind Teil eines gemeinsamen Engagements der C40-Bürgermeister:innen: den Einsatz fossiler Brennstoffe in Städten bis 2030 zu halbieren. Dieses Ziel trägt wesentlich zum globalen Vorhaben bei, die Kapazität erneuerbarer Energien bis zum Ende des Jahrzehnts zu verdreifachen, wie es von fast 200 Ländern auf der COP28 vereinbart wurde.
 
Die Vorteile sind eindeutig: Der Übergang könnte bis 2050 mehr als 776.000 vorzeitige Todesfälle verhindern und wirtschaftliche Verluste im Gesundheitsbereich in Billionenhöhe vermeiden. Gleichzeitig entstehen neue wirtschaftliche Chancen: Bereits heute gibt es über 21 Millionen grüne Arbeitsplätze in C40-Städten, und bis 2040 könnten 4 von 10 Arbeitsplätzen im „grünen" Sektor liegen.
 
Dennoch hängt das Tempo und Ausmaß des Wandels von stärkerer Zusammenarbeit ab. Nationale Regierungen müssen städtische Maßnahmen in ihre Klima- und Energiepläne integrieren, Investitionen erhöhen und den Zugang zu Finanzierung erleichtern.
 
Ein gerechter und inklusiver Übergang muss dabei im Mittelpunkt stehen, um sicherzustellen, dass die Vorteile breit verteilt werden.
 

Städte sind bereit

Irene Vélez Torres, Umweltministerin Kolumbiens:
„Kolumbien hat klar gemacht: Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist nicht nur notwendig, sondern eine Chance, eine gerechtere und widerstandsfähigere Zukunft aufzubauen. Doch diese Transformation kann nicht allein von nationalen Regierungen erreicht werden. Städte und Regionen sind ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses. Hier leben die Menschen, hier werden Ungleichheiten am stärksten spürbar, und hier sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits täglich zu sehen. Deshalb müssen wir gemeinsam daran arbeiten, diesen Übergang zu beschleunigen – und zwar so, dass er eine bessere Zukunft für diejenigen schafft, die wirklich zählen: die Menschen. Es geht darum, voranzukommen. Gemeinsam."
 
Stientje van Veldhoven, Niederlande:
„Die Niederlande setzen sich dafür ein, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen als praktischen Weg zu beschleunigen, um saubere, zuverlässige und bezahlbare Energie für unsere Gesellschaften zu sichern. Doch diese Transformation kann nicht allein von nationalen Regierungen geleistet werden. Städte sind unverzichtbare Partner: Hier entstehen Innovationen, hier werden Lösungen umgesetzt, und hier erleben die Menschen die Vorteile dieses Wandels im Alltag. Deshalb müssen wir zusammenarbeiten, um Ambitionen in konkrete Maßnahmen umzusetzen – indem wir Städte unterstützen, Investitionen mobilisieren und bewährte Lösungen skalieren. So bauen wir stärkere, widerstandsfähigere Volkswirtschaften auf und schaffen eine bessere Zukunft für alle."
 
Geordin Hill-Lewis, Bürgermeister von Kapstadt:
„In Kapstadt arbeiten wir daran, eine zuverlässigere und bezahlbare Energiezukunft zu sichern, indem wir unsere Energieversorgung diversifizieren und in erneuerbare Energien investieren. Durch die Ermöglichung unabhängiger Stromerzeugung und die schrittweise Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen stärken wir die Energiesicherheit und schaffen neue wirtschaftliche Chancen. Dieser Übergang ist entscheidend, um eine widerstandsfähigere Stadt aufzubauen, die ihren Bewohnerinnen und Bewohnern besser dient."
 
Pabel Muñoz, Bürgermeister von Quito:
„Quito schreitet entschlossen in Richtung sauberer Energie voran, denn sauberere Luft, niedrigere Kosten und eine gesündere Stadt für unsere Bevölkerung sind unbestreitbare Vorteile, die wir alle anstreben sollten. Durch Investitionen in nachhaltigen Verkehr und moderne Energiesysteme verringern wir nicht nur unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sondern bauen auch eine gerechtere und widerstandsfähigere Zukunft auf. Dieser Übergang ist keine politische Option – er ist eine Notwendigkeit für die Zukunft unserer Gemeinschaften. Und wir müssen jetzt handeln."
 
Sakaja Arthur Johnson, Gouverneur von Nairobi:
„In Nairobi investieren wir in saubereren öffentlichen Verkehr und erweitern den Zugang zu zuverlässiger Energie, um eine wachsende Stadt zu unterstützen. Dieser Übergang schafft Arbeitsplätze, verbessert die Mobilität und bietet unseren Gemeinschaften erschwinglichere Lösungen. Der Übergang zu nachhaltigeren Energiequellen bedeutet, heute eine Stadt zu bauen, die für zukünftige Generationen besser funktioniert."
 
Haris Doukas, Bürgermeister von Athen:
„In Athen beschleunigen wir den Übergang zu sauberer Energie, indem wir in energieeffiziente Gebäude investieren, nachhaltigen Verkehr ausbauen und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in der gesamten Stadt reduzieren. Durch Initiativen wie unser Büro für Energiearmut stellen wir sicher, dass auch besonders gefährdete Haushalte Zugang zu bezahlbaren, sauberen Energielösungen erhalten. Diese Maßnahmen helfen uns, Kosten zu senken, die Luftqualität zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit zu stärken. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist eine globale Herausforderung – deshalb unterstützen wir auch Initiativen wie den Vertrag zur Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe. Dieser Übergang ist nicht nur notwendig, sondern eine Chance, eine lebenswertere, sichere und gerechtere Zukunft für alle zu schaffen."
 
Caterina Sarfatti, C40:
„Überall auf der Welt zeigen Städte, dass der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen nicht nur möglich ist, sondern bereits stattfindet und konkrete Vorteile für die Menschen bringt. In einer Zeit steigender Energiekosten, Versorgungsunsicherheiten und zunehmender Klimafolgen macht uns die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen anfällig für Instabilität und Risiken. Niedrigere Energiekosten, sauberere Luft und widerstandsfähigere Gemeinschaften zeigen: Dieser Wandel verbessert das Leben schon heute und sichert unsere Zukunft. Städte sind der Ort, an dem dieser Wandel Realität wird. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister elektrifizieren den Verkehr, bauen erneuerbare Energien aus, qualifizieren Arbeitskräfte und machen Wohnraum effizienter und bezahlbarer – und beweisen damit, dass wir wirtschaftliches Wachstum mit einer geringeren Abhängigkeit von volatilen fossilen Märkten verbinden können. Das ist eine Chance, gesündere, bezahlbare und sichere Gemeinschaften aufzubauen. Und die Städte sind bereit, voranzugehen."

Kontakt: C40 Cities Climate Leadership Group Inc. | media@c40.org | www.c40.org/news



     
        
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