BEE_Sommerfest_2024

Wertvolles vom ehrbaren Kaufmann

Von Schwarzwälder Schinken und anderem "Regionalwashing"

Immer mehr Verbraucher interessieren sich für die Herkunft ihrer Produkte. Durch falsche Bio-Eier, Schimmel-Mais im Kuhstall und Pferdefleisch im Rindergulasch wird der "Bauer von nebenan" zur neuen Vertrauensperson.

Die regionale Herkunft, so eine aktuelle Umfrage des Verbraucherministeriums, ist für 67 Prozent der Deutschen eines der entscheidenden Kriterien beim Einkauf. Damit liegt sie sogar vor dem Preis (66 Prozent) und der Herkunft aus biologischem Anbau (61 Prozent). Inwiefern hinter diesen Aussagen lediglich hehre Absichtsbekundungen stecken, lässt sich nicht genau feststellen, da es aufgrund der schwammigen Definition von "Regionalität" keine zuverlässigen Aussagen zum Umsatzwachstum gibt. Doch sowohl das Ernährungsministerium wie diverse Bauern- und Handelsverbände bestätigen den Regio-Boom.

Regional = Fair und klimaschonend?

Die regionalen Überzeugungstäter wollen nicht nur die eigene Gesundheit, sondern ebenso das gesellschaftliche und ökologische Umfeld fördern. Regionale Produkte verbinden Verbraucher mit fairen Löhnen, die den heimischen Produzenten zugutekommen und dort Einkommen und Arbeitsplätze sichern. Ebenso reist der Apfel vom heimischen Baum nicht aus Neuseeland an und weist so scheinbar eine bessere Klimabilanz auf.

Aber Vorsicht! Regional ist nicht immer automatisch nachhaltig. So fand die Uni Gießen unlängst heraus, dass bei der monatelangen Lagerung von Äpfeln aus der Region ähnlich viel CO2 ausgestoßen wird, wie beim Schiffstransport frischer Äpfel von der Südhalbkugel. In diesem Falle ist regional also nur dann optimal, wenn gleichzeitig saisonal gekauft wird. In diese Gleichung muss man auch noch die CO2-Ausstöße des Einkaufsweges und der Zubereitung einbeziehen, denn das Garen einer handelsüblichen Kartoffel verbraucht mehr Energie, als alle vorgelagerten Bearbeitungs- und Transportschritte zusammen. Hilfestellung in dieser hochkomplexen Angelegenheit gibt zum Beispiel das vom Bundesumweltministerium geförderte Portal "Klima sucht Schutz."

Das Schwarzwälder Schinken-Dilemma

Weitere Fallstricke lauern in der bereits erwähnten Definition von Regionalität - das Schwarzwälder Schinken-Dilemma dient dabei als klassisches Beispiel. Die Delikatesse muss nämlich nur im Schwarzwald geräuchert werden, um ihren Namen tragen zu dürfen. Das Fleisch kommt häufig aus Dänemark oder Russland. Und wer sich beim skandalgebeutelten Discounter Lidl "Ein gutes Stück Heimat" gönnt, kann selbst in Norddeutschland auf Saft vom Bodensee und Möhren vom Niederrhein zurückgreifen. Einheitliche Standards und Kontrollen sind dagegen Mangelware.

Wer mit der Neigung zum Regionalen nicht nur dem eigenen Gewissen, sondern auch der nachhaltigen Entwicklung einen Gefallen tun und eine Milchmädchenrechnung vermeiden will, muss also einen kritischen Blick hinter die idyllische Heimat-Kulisse werfen.
 
 
Von Dr. Dennis Lotter und Jerome Braun

Zum Weiterlesen:


Warum Werbung einen Bogen um Nachhaltigkeit macht

"Renaissance der Regionen"

Quelle:
Lifestyle | Essen & Trinken, 22.10.2013
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2013 - Hallo Klimawandel erschienen.
     
Cover des aktuellen Hefts

Positiver Wandel der Wirtschaft? – So kann's gehen

forum 03/2024 mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft im Wandel – Lieferkettengesetz, CSRD und regionale Wertschöpfung"

  • KI
  • Sustainable Finance
  • #freiraumfürmacher
  • Stromnetze
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
17
JUN
2024
„Das ÖPNV-Sofortprogramm für die Verkehrswende bis 2025“
In der Reihe "Mein Klima - auf der Straße, im Garten, ..."
80336 München und online
30
JUN
2024
Constellations Week 2024
Inspiration, Klarheit und Empowerment
I-39040 Tramin, Südtirol
03
JUL
2024
BEE Sommerfest 2024
Das Gipfeltreffen der Erneuerbaren
10997 Berlin
Alle Veranstaltungen...
The VinylPlus Sustainability Forum 2024. Together towards higher ambitions

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Energie

Ökologisch vorbildlich warm baden
Die Moseltherme Traben-Trarbach spart nach umfassender Sanierung mehrere 10.000 Liter Heizöl ein
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Engagement Report 2023:

CWS Workwear eröffnet Innovation Lab für nachhaltige Textilien

Von Emmendingen bis Neumünster:

Nachhaltige Arbeitsplatzkonzepte

Adapteo-Großprojekt Gymnasium Mainz-Mombach

Tax the Rich – was steckt dahinter?

Feinde der Demokratie, Feinde des Rechts

Das waren die zweiten BIO Tage im Wiener Palmenhaus

  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Kärnten Standortmarketing
  • circulee GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG