Wirtschaft | CSR & Strategie, 21.10.2013
Japan hat die Nase vorn
Deutsche Firmen sind international keine Nachhaltigkeits-Leuchten
Was deutsche Unternehmen von ihren internationalen Wettbewerbern lernen können.
Im Sommer hat das Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität das "International Corporate Sustainability Barometer" veröffentlicht. forum stellte dazu drei Fragen an den Institutsleiter Prof. Dr. Stefan Schaltegger.
In Ihrer Studie wird das Nachhaltigkeitsmanagement von fast 500 der größten Unternehmen aus elf Ländern analysiert. Welche Ergebnisse haben Sie am meisten überrascht?
Prof. Schaltegger: Die großen Ähnlichkeiten des Nachhaltigkeitsmanagements in den untersuchten Ländern. So ist die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz in fast allen Ländern einer der wichtigsten Gründe, warum sich Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Überraschend ist sicherlich auch das sehr gute Abschneiden Japans. Dort ist die Anwendung konkreter Methoden des Nachhaltigkeitsmanagements deutlich stärker verbreitet als z.B. in Europa.
Wie schneiden denn die deutschen Großunternehmen in Ihrer Analyse ab?
Oft wird davon ausgegangen, dass deutsche Unternehmen in Fragen der Nachhaltigkeit Vorreiter sind. In unserer Befragung treten sie insgesamt jedoch weder positiv noch negativ in Erscheinung. Sie "verstecken" sich bei den meisten Aspekten im internationalen Durchschnitt. In manchen Bereichen existieren sogar deutliche Defizite. So geben überdurchschnittlich viele deutsche Unternehmen mangelnde personelle Kapazitäten als größtes Hemmnis für ein stärkeres Nachhaltigkeitsengagement an.
Durch welche Maßnahmen könnten diese Defizite behoben werden?
Zur Qualifizierung ihres Personals setzen die meisten Unternehmen vor allem auf interne Maßnahmen wie Workshops oder die Bereitstellung von Informationen. Es ist jedoch fraglich, ob dieser Mangel allein durch internes Know-how behoben werden kann oder ob nicht verstärkt externe Angebote wie Workshops durch Dritte oder Weiterbildungsstudiengänge genutzt werden sollten. Außerdem sehen die meisten Unternehmen Persönlichkeitskompetenzen wie Motivationsfähigkeit als wichtigste Voraussetzung der Belegschaft an, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu realisieren. Für nur circa ein Viertel der Unternehmen steht die Fachkompetenz zu Nachhaltigkeitsthemen im Vordergrund. Persönlichkeitskompetenzen allein sind jedoch für eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensausrichtung auf Dauer nicht ausreichend. Nur wenn Persönlichkeiten in der Lage sind, Fachwissen umzusetzen, kann Nachhaltigkeitsmanagement erfolgreich sein.
Zum Weiterlesen
Die Studien "International Corporate Sustainability Barometer" und "Corporate Sustainability Barometer 2012" (deutsch) stehen unter www.leuphana.de/csm zum Download bereit.
Fachkräftemangel: Nachhaltige Unternehmen ziehen Talente an
Nachhaltigkeit - Bislang kein Wettbewerbsfaktor?

In Ihrer Studie wird das Nachhaltigkeitsmanagement von fast 500 der größten Unternehmen aus elf Ländern analysiert. Welche Ergebnisse haben Sie am meisten überrascht?
Prof. Schaltegger: Die großen Ähnlichkeiten des Nachhaltigkeitsmanagements in den untersuchten Ländern. So ist die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz in fast allen Ländern einer der wichtigsten Gründe, warum sich Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Überraschend ist sicherlich auch das sehr gute Abschneiden Japans. Dort ist die Anwendung konkreter Methoden des Nachhaltigkeitsmanagements deutlich stärker verbreitet als z.B. in Europa.
Wie schneiden denn die deutschen Großunternehmen in Ihrer Analyse ab?
Oft wird davon ausgegangen, dass deutsche Unternehmen in Fragen der Nachhaltigkeit Vorreiter sind. In unserer Befragung treten sie insgesamt jedoch weder positiv noch negativ in Erscheinung. Sie "verstecken" sich bei den meisten Aspekten im internationalen Durchschnitt. In manchen Bereichen existieren sogar deutliche Defizite. So geben überdurchschnittlich viele deutsche Unternehmen mangelnde personelle Kapazitäten als größtes Hemmnis für ein stärkeres Nachhaltigkeitsengagement an.
Durch welche Maßnahmen könnten diese Defizite behoben werden?
Zur Qualifizierung ihres Personals setzen die meisten Unternehmen vor allem auf interne Maßnahmen wie Workshops oder die Bereitstellung von Informationen. Es ist jedoch fraglich, ob dieser Mangel allein durch internes Know-how behoben werden kann oder ob nicht verstärkt externe Angebote wie Workshops durch Dritte oder Weiterbildungsstudiengänge genutzt werden sollten. Außerdem sehen die meisten Unternehmen Persönlichkeitskompetenzen wie Motivationsfähigkeit als wichtigste Voraussetzung der Belegschaft an, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu realisieren. Für nur circa ein Viertel der Unternehmen steht die Fachkompetenz zu Nachhaltigkeitsthemen im Vordergrund. Persönlichkeitskompetenzen allein sind jedoch für eine nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensausrichtung auf Dauer nicht ausreichend. Nur wenn Persönlichkeiten in der Lage sind, Fachwissen umzusetzen, kann Nachhaltigkeitsmanagement erfolgreich sein.
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Die Studien "International Corporate Sustainability Barometer" und "Corporate Sustainability Barometer 2012" (deutsch) stehen unter www.leuphana.de/csm zum Download bereit.
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Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2013 - Hallo Klimawandel erschienen.
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