Neumarkter Unternehmen liefert Kühlenergie zum Fast-Null-Tarif

Mittels Geothermie wird industrielle Kühlung umweltfreundlich betrieben

NEUMARKT - Stellen Sie sich vor, Sie sind Inhaber eines Produktionsbetriebs und daran gewöhnt, im Jahr mehr als 30.000 Euro allein nur für die Kühlung von Maschinen- oder Gebäuden aufzubringen. Olaf Mundt, dem Inhaber und Geschäftsführer der "OM-Klebetechnik GmbH" im oberpfälzerischen Seligenporten, ging es genauso. Als er allerdings auf Albert Vögerl, den Inhaber und Geschäftsführer der Viatherm GmbH in Neumarkt, und den Europoles Projektleiter Diplom-Ingenieur Michael Biederer traf, sollte sich seine Gewohnheit von Grund auf ändern.

Mit einem Durchmesser von 1,10 m wird in ca. 3 Stunden über 20 Meter tief durch alle Bodenklassen hindurch gebohrt!
Foto: © Europoles
Mit einer geothermischen Lösung und dem von Europoles hergestellten Hochleistungs-Energie-Pfahl, (HEP), reduzierten sich nun die für die Kühlung notwendigen Energiekosten auf weniger als 180 Euro im Jahr. Eine Lösung die bald Schule machen könnte.

Vor einem Jahr, wurden in einem Feldversuch auf dem Gelände der Seligenportener Firma sechs dieser 20 m hohen HEP direkt unter dem Firmenparkplatz eingelassen. Ein solcher HEP hat einen Durchmesser von 1,10 m und wird komplett mit Wärmetauscher und optionaler Messtechnik in über 20 m tiefe Bohrlöcher versenkt. Olaf Mundt war von Anfang an von der Idee der HEP begeistert und hat sich auf zirka 95% Energiekosteneinsparung gefreut. Dass es sich nun aber um über 99% Einsparung handelt daran hatte anfangs keiner zu träumen gewagt, außer dem Erfinder des Terracool-Systems Albert Vögerl selbst. "Und selbst die verbleibenden 1%, die für die Umwälzpumpen benötigt werden, könnten wir noch mit Solarenergie abdecken," meint Vögerl und strahlt über seinen Erfolg.

Für Olaf Mundt ist diese Einsparung ein, wie er sagt, "wunderbares Rechenmodell. Bei den jetzigen und weiter ansteigenden Energiepreisen gehen wir davon aus, dass sich die Investitionskosten durch die eingesparten Energiekosten der nächsten vier oder fünf Jahre schon amortisiert haben werden.

Und danach haben wir jedes Jahr 30.000 Euro mehr, die wir in dank des HEP-Systems investieren könnten. Aber das ist nicht alles. Wir sparen nicht nur die halbjährlichen Wartungskosten der alten Kaltwasseranlage oder die gesetzlich vorgeschriebene Dichtigkeitsprüfung verbunden mit den Stillstandzeiten während eben dieser Wartung, sondern tragen auch unserer Verantwortung Sorge mit noch weniger Umweltbelastung zu produzieren!"

Vorbereitungen, der Hochleistungsenergiepfahl wird mittels schweren Geräts in das vorbereitete Bohrloch eingelassen.
Foto: © Europoles
Die Umweltbelastung die durch die Herstellung und dem Einsatz von Kältemitteln entsteht ist mit eine der größten in der weltweiten Industrie. Unternehmen sind mehr und mehr gezwungen kältemittel-neutral in Hinsicht auf Umwelt und Energieaufnahme zu produzieren. Bei bestehenden Anlagen mit speziellen Kältemitteln darf in Deutschland per Gesetz nur noch recyceltes Kältemittel eingesetzt werden, welches in der Zukunft seltener und somit auch teurer sein wird. Gesetzliche Grundlagen für Neuanlagen sind die "FCKW-Halon-Verbots-Verordnung", die EG-Verordnung 2037/2000 über "Stoffe, die zum Abbau der Ozonschicht führen" und die Verordnung über "Stoffe, die die Ozonschicht schädigen" vom 13. November 2006. Bei bestehenden Anlagen die mit H-FCKW betrieben werden darf nach dem 01. Januar 2015 kein Kältemittel mehr nachgefüllt werden. In Ländern wie Australien, Norwegen und Dänemark wird bereits eine zusätzliche Steuer auf Kältemittel erhoben.

Der HEP ist, wie alle geothermischen Geräte bei den Landrats- und Wasserwirtschaftsämtern genehmigungspflichtig. Während die in der Industrie herkömmlichen Kaltwassermaschinen immer noch mit umweltschädlichen oder umweltbelastenden Kühlmitteln betrieben werden dienen hier als Kühlmedium einfach nur Regen-, Trink- oder Salzwasser. Je nach Anwendung enthält der HEP einen Wärmetauscher zum Kühlen und/oder einen Wärmetauscher zum Heizen. Zusätzlich kann sogar ein Wärmetauscher für eine Solaranlage betrieben werden. Aufgrund seines Dichtegefüges ist der HEP auch resistent gegen aggressives Grund- oder Salzwasser und wird somit auch für Ferienhotels mit Strandlage besonders interessant. Durch sein geschlossenes System kommt es bei Überschwemmungen wie erst kürzlich an der Donau oder Elbe nicht zu einem sogenannten Aus- oder Eintrag. Das Erdreich liefert dem HEP kostenlos die Temperaturen zum Kühlen oder Heizen. Bietet der Untergrund auch noch fließendes Grundwasser so erhöht sich die Leistung des HEP um ein Vielfaches. Dabei ist nicht nur die bewiesene Wirtschaftlichkeit des HEP exzellent. "Es sind auch die industriellen Standardwerte, die erwähnenswert sind," ergänzt Albert Vögerl. "So zum Beispiel die Jahresarbeitszahl, die selbst Werte über 100 jederzeit ermöglichen könnte. Für den Laien sagt dies wenig aus, der Fachmann liest darin, dass lediglich 1 KW elektrische Energie benötigt wird um bis zu 100 KW Nutzenergie (z.B. Kälte) zu erzeugen. Der ODP-Wert ist gleich Null, denn Wasser erzeugt kein CO2." (Anm. d. Red. ODP = Ozon Depletion [Ausleerungs] Potenzial).

Befahrbare Revisionsdeckel schließen nach Fertigstellung mit der Bodenfläche ebenerdig ab.
Foto: © Europoles
"Der Markt für unser HEP-System ist ein Markt mit großem Wachstumspotenzial. Nicht nur Großunternehmen, sondern auch der Mittelstand ist auf Kühlung seiner Anlagen angewiesen," so Roland Kastner, Europoles Bereichsleiter Energie. "Unsere Kunden sind in der Gebäudeklimatisierung, in der IT, und hier besonders in den Rechenzentren, aber auch in der Verkehrstechnik, in Flughäfen, Krankenhäusern, in der Hotel- und Braubranche und im Kunststoffproduzierenden Gewerbe zu finden. "Einen besonderen Bedarf und Markt sieht Roland Kastner neben Deutschland auch in Frankreich und Russland. Für ihn ist es jetzt wichtig das marktreife HEP-System in den unterschiedlichsten Branchen zu etablieren. Doch es scheint gar nicht einfach zu sein einen Unternehmer von einem gängigen und bewährten System ab- und zu einem neuen, erforschten und dazu noch absolut wirtschaftlichen System hinzubringen. "Ein Unternehmer achtet immer darauf, was sein Marktbegleiter tut. Und wenn bei diesem keine Innovation erfolgt warum sollte er dann etwas tun?" betont Albert Vögerl, der aus der Erfindungsphase heraus weiß wie schwer es war jemanden von 95% Energieeinsparungspotenzial zu überzeugen. Einen Vorteil in der nun folgenden "Überzeugungsarbeit" sieht er allerdings darin, dass das System an bereits vorhandene Systeme ganz einfach anzuschließen sei und, dass die Industrie- und Handelskammern Programme zur Förderung solcher Anlagen erkannt haben und unterstützen.

Europoles unterstützt Unternehmen weltweit dabei, Infrastruktur- und Bauaufgaben mit einem Mehr an Sicherheit und Qualität zu lösen. Als europäischer Marktführer bietet Europoles Standard- und Sonderlösungen für Masten, Stützen, Türme und Trägersysteme aus Stahl, Beton und glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Ausgehend vom Hauptsitz in Neumarkt / Bayern engagiert sich eine Vielzahl von Mitarbeitern in Projektbüros in Deutschland, an Produktionsstandorten in Algerien, Deutschland, Oman, Polen und in der Schweiz, in Niederlassungen in England, Frankreich, Marokko, Spanien und der Türkei sowie 16 Vertriebspartnerschaften. Mehr als 130 Jahre Erfahrung fließen dabei in Produkte und Dienstleistungen für die Bereiche Licht & Leben, Energie, Kommunikation, Oberflächen & Design, Mobilität sowie Bauwerke & Sicherheit ein. Die Europoles GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen der VTC Industrieholding GmbH.

Quelle:
Technik | Energie, 23.09.2013

     
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