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Deutsche Umwelthilfe mahnt Danone ab

Danone führt Verbraucher mit Werbung für Joghurtbecher aus Biokunststoff in die Irre

Deutsche Umwelthilfe mahnt Danone wegen irreführender Werbung für neue Activia-Joghurtbecher aus Bioplastik ab - IFEU-Studie belegt: Joghurtbecher aus so genanntem Biokunststoff haben keine gesamtökologischen Vorteile gegenüber herkömmlichen Plastikbechern - DUH-Bundesgeschäftsführer Resch fordert Stopp der Verbrauchertäuschung und kündigt Klage gegen Danone an.

Nicht alles was grün ist, ist Bio!
Foto: © siepmannH/pixeliio.de
Mit der Einführung von Joghurtbechern aus dem so genannten Biokunststoff Polymilchsäure (PLA), auf Basis von Maisstärke, will sich die Danone GmbH ein vermeintlich grünes Image verschaffen. Eine zentrale Rolle in der aktuellen Werbekampagne von Danone für seine Biokunststoffbecher spielt eine Ökobilanz, die im Auftrag des Unternehmens vom renommierten IFEU-Institut erstellt wurde. Der Umwelt- und klageberechtigte Verbraucherschutzverband Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) hat allerdings erhebliche Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen der Ökobilanz und der von Danone kommunizierten vermeintlichen Umweltvorteile des neuen Activia-Joghurtbechers festgestellt.

"Der vermeintlich grüne Schein vom neuen Activia-Becher verblasst beim Lesen der Ökobilanz sehr schnell", erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Statt auf tatsächlich umweltfreundliche Verpackungen umzustellen, täuscht Danone seine Kunden und versucht mit sprachlichen Tricks den neuen Activia-Becher als besonders umweltfreundlich darzustellen". Die gezielt verzerrende Kommunikationsstrategie von Danone sei ein "Musterbeispiel für Greenwashing" und eine "ungewöhnlich dreiste Art der Verbrauchertäuschung". Die DUH fordert die Danone GmbH zum sofortigen Stopp der irreführenden Verbraucherinformation zu den Activia-Bechern aus PLA sowie zur Prüfung des Einsatzes von Verpackungsmaterialien mit wirklichen Umweltvorteilen auf.

Die DUH hat die Danone GmbH in drei Punkten wegen irreführender Werbung abgemahnt. Abgemahnt wurden Aussagen zur angeblichen Umweltfreundlichkeit und Verwertung des PLA-Joghurtbechers sowie zum angeblich nachhaltigen Anbau der für die Becher verwendeten Maispflanzen. Nachdem der Lebensmittelkonzern die Unterzeichnung einer entsprechenden Unterlassungserklärung verweigerte, wird die DUH nunmehr auf dem Klageweg die rechtliche Klärung vor Gericht herbeiführen.

Sowohl auf den Activia-Bechern als auch auf den Internetseiten von Danone wird der Biokunststoffbecher als umweltfreundlicher als sein Vorgänger aus Polystyrol beworben. Doch solche Aussagen gibt die Ökobilanz nicht her. Das IFEU-Institut stellt unter Betrachtung aller zwölf untersuchten Wirkungskategorien fest, dass sich "kein ökobilanzieller Vor-oder Nachteil für eines der beiden Systeme ableiten" lässt. Ein vermeintlicher Vorteil für den Biokunststoffbecher lässt sich nur dann errechnen, wenn einzelne Wirkungskategorien aus der Gesamtbetrachtung herausgerissen werden. Danone hat sich entsprechend die beiden Kategorien "Klimawandel" und "Fossiler Ressourcenverbrauch" ausgesucht. Andere Wirkungskategorien, bei denen der Kunststoff PLA deutlich schlechter abschneidet, werden hingegen verschwiegen. Dabei weist das IFEU-Institut in der Ökobilanz explizit darauf hin, dass derartige Teilbewertungen nicht für gesamtökologische Aussagen herangezogen werden können. Ebenso empfiehlt das IFEU-Institut ausdrücklich, bei der Gestaltung von Informationen an Endverbraucher neben den Vorteilen von Activia-Bechern aus PLA deren Nachteile nicht zu verschweigen. "Eine ehrliche Kommunikation der Ökobilanzergebnisse passt offensichtlich nicht in das Werbekonzept von Danone: Während einzelne Vorteile des neuen Activia-Bechers aus dem Zusammenhang gerissen und aufgeblasen werden, werden die Nachteile konsequent verschwiegen", so Resch.

Danone empfiehlt Verbrauchern, leere Activia-Becher im gelben Sack zu entsorgen, damit sie "optimal verwertet bzw. recycelt" werden können. Tatsächlich werden Activia-Becher aus PLA nicht recycelt, sondern in der Regel verbrannt. Es existiert weder eine Sortiergruppe für PLA-Kunststoff im Grünen-Punkt-System noch findet ein stoffliches Recycling statt. Dabei schreibt die fünfstufige Abfallhierarchie eindeutig den Vorrang des Recyclings vor. "Die Verbrennung von Joghurtbechern aus PLA - sei es in Müllverbrennungsanlagen oder als Ersatzbrennstoff in Kraftwerken - stellt weder ein Recycling, noch eine optimale Verwertung dar", erklärt Maria Elander, DUH-Bereichsleiterin Kreislaufwirtschaft. "Ankündigungen von Danone, zukünftig PLA-Becher recyceln zu wollen, macht den Activia-Becher von heute nicht umweltfreundlicher".

Biokunststoffe sind gemäß Verpackungsverordnung bis Ende 2012 von der Lizenzierung bei den dualen Systemen befreit. Eine Nicht-Lizenzierung der Activia-Becher würde Danone Millionenbeträge für die Verpackungsentsorgung ersparen. Auch die Lizenzierung von Biokunststoffverpackungen als Naturmaterialien würde die Entsorgungskosten um ein Vielfaches günstiger ausfallen lassen als bei rohölbasierten Kunststoffverpackungen oder Verbundverpackungen. "Die Einführung von Bioplastikverpackungen ohne Kreislaufführung katapultiert Danone in die Steinzeit der Recyclingwirtschaft. Für andere bei Lebensmittelverpackungen eingesetzten Kunststoffen existiert ein stoffliches Recycling. Danone suggeriert nun sogar angebliche Umweltvorteile - ganz offensichtlich um auf Kosten der Gutgläubigkeit der Verbraucher maximalen Profit zu erzielen", so Resch.

Ebenfalls nicht akzeptabel ist für die DUH, dass der Biokunststoff PLA zumindest teilweise aus Genmais besteht. Auch mit dieser Tatsache geht Danone in seinen Werbeaussagen kreativ um: So behauptet Danone auf den Activia-Bechern und in der Werbung, dass die zur Becherherstellung verwendeten Maispflanzen aus "zertifiziert nachhaltigem Anbau" stammen. Dabei wird in der Anlage, die u.a. das PLA-Granulat für die Activia-Becher herstellt, sowohl Mais aus zertifiziertem als auch aus nicht-zertifiziertem Anbau verwendet. Eine sortenreine Herstellung des PLA-Granulats für die Activia-Becher erfolgt nicht. Es ist somit nicht sichergestellt, dass das PLA-Granulat, das zur Herstellung von Activia-Bechern verwendet wird, nicht aus gentechnisch modifiziertem Mais stammt.

Die Danone GmbH ist sehr bemüht, auch Multiplikatoren bei den Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden von den angeblichen Vorteile ihrer neuen, für sie finanziell attraktiven Verpackungsalternative zu überzeugen. So findet am heutigen Dienstag den 26.7.2011 in Berlin das zweite Danone Verpackungs-Kolloquium zum Thema PLA-Becher von Activia statt. Doch offensichtlich werden die Teilnehmer der Veranstaltung handverlesen. Die Experten der DUH wurden nach anfänglicher Teilnahmebestätigung kurzfristig wieder ausgeladen.


Um das Interview mit Andreas Ostermayr, dem Deutschland-Chef von Danone zu lesen klicken Sie hier.


Für Rückfragen:

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer, Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Mobil.: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de
Maria Elander, Leiterin Kreislaufwirtschaft, Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-41, Mobil: 0160 5337376, E-Mail: elander@duh.de

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V.
Wirtschaft | Marketing & Kommunikation, 26.07.2011
     
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