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Christoph Quarch

Väterliche Güte - Liebe, Wohlwollen, Vertrauen

Zum Vatertag überlegt Christoph Quarch, was einen guten Vater ausmacht

Der Tag, an dem Gläubige seit Jahrhunderten das Fest der Himmelfahrt Christi begehen, ist den meisten nur noch unter dem Namen "Vatertag" geläufig. Die Überlappung beider Feste hat ihren Ursprung im späten 19. Jahrhundert, als unter Männern vor allem in Berlin und Umgebung das Brauchtum entstand, den Festtag für eine damals sogenannte "Herrentagspartie" zu nutzen: einen Ausflug ins Grüne mit reichlichem Alkoholkonsum. Mit Vätern und Vaterschaft hatte das alles noch nie viel zu tun. Wir wollen es deshalb einmal anders halten und den Vatertag nutzen, um uns Gedanken darüber zu machen, was es eigentlich mit dem Vater-Sein auf sich hat. Als Partner dafür eignet sich niemand so gut, wie ein Philosoph, der selbst zwei Kinder hat. Christoph Quarch macht sich regelmäßig für uns Gedanken über unsere Gesellschaft.
© ottawagraphics, pixabay.com
Herr Quarch, was fällt einem Philosophen zum Thema Vaterschaft ein?
Nicht viel. Ich wüsste nicht, dass namhafte Philosophen sich mit diesem Thema beschäftigt hätten. Aber das soll mich nicht davon abhalten, einen Versuch zu wagen. Wobei ich allerdings sogleich einige Zweifel am Vatertag anmelden möchte. Ich meine: Vater-Sein an sich ist ja nichts, was eine besondere Würdigung verdiente. Gewürdigt und gefeiert werden sollten meines Erachtens nicht die Väter, sondern diejenigen Tugenden und Eigenschaften, durch die sich gute Väter hervortun - Qualitäten, die in der Gegenwart meist in Vergessenheit geraten sind. Ich denke dabei vor allem an Güte; und das, obwohl - oder gerade weil - ich weiß, dass dieser Begriff kaum noch jemandem geläufig ist. Ich finde das bedenklich, denn es ist die Güte, die dem Wort "Vater" überhaupt erst einen qualitativen Wert verleiht.

Sie sagen es selbst: Das Wort "Güte" ist nicht mehr recht gebräuchlich. Was verstehen Sie darunter?
Güte hat viel mit Großmut, Großzügigkeit und Zuwendung zu tun. Eine gütige Person erkennt man daran, dass sie wohlgesonnen ist: dass sie es gut mit den Menschen meint und ihnen Gutes tun möchte. Und das selbst dann noch, wenn die anderen anderer Meinung sind oder sich nicht immer so verhalten, wie man es gerne hätte. Eben deshalb ist die Güte bei Vätern eine so wichtige Eigenschaft. Väter haben oft bestimmte Vorstellungen davon, wie ihre Töchter und Söhne zu funktionieren haben, welchen Weg sie einschlagen oder welchen Beruf sie ergreifen sollten. Väterliche Güte fängt dann damit an, den Kindern so zu begegnen, dass es wirklich ihnen und nicht einem selbst zum Besten gereicht. Das setzt viel Vertrauen und viel Geduld voraus - beides Teilaspekte der väterlichen Güte.

Man redet ja aber nicht nur von väterlicher Güte, sondern auch von väterlicher Strenge. Strenge galt lange Zeit sogar als viel wichtiger. Nur der strenge Vater galt als guter Vater. Sind Sie mit Ihrer Wertschätzung der Güte nicht ein wenig einseitig?
Strenge ist keine väterliche Tugend. Wer so etwas behauptet, sitzt überkommenen, oft religiös verbrämten Vorstellungen auf, die unendlich viel Leid über die Welt gebracht haben. Natürlich ist es nicht verkehrt, wenn Väter gegenüber ihren Kindern eine klare Sprache sprechen und gelegentlich eine klare Ansage machen. Aber das hat wenig mit dem Archetypus des strengen Vaters zu tun, der droht und straft - und dabei in vielen Kinderseelen bleibende Schäden hinterlässt. Die irrtümlich gerühmte Strenge ist oft nichts anderes als die schlechte Tarnung einer völligen Unkenntnis in Sachen Pädagogik oder eines vollkommenen Mangels an dem, was Kinder wirklich brauchen: Liebe, Wohlwollen, Vertrauen - also alles, was Güte ausmacht. Umso erschütternder, das von alledem, was an Vätern lobenswert wäre, ausgerechnet am Vatertag gar nichts zu erkennen ist. Im Gegenteil: da wird irgendwelchen atavistischen Männerbildern gehuldigt, die viel mit Barbarei aber nichts mit Vaterschaft zu tun haben.

Daraus schließe ich, dass Sie dem Vatertag bzw. dem Vatertagsbrauchtum nicht viel abgewinnen können. Wie würden Sie den Vatertag feiern wollen?
Gar nicht, ich würde ihn abschaffen und diesem Etikettenschwindel ein Ende bereiten. Wenn das, was am Vatertag geschieht, in keiner Weise diejenigen würdigt, die sich tapfer und ehrenvoll darum bemühen, ein guter und gütiger Vater zu sein, dann hat dieser Festtag seinen Sinn eingebüßt. Wieso sollen wir denen, die nichts anderes im Sinn haben, als sich einen hinter die Binde zu schütten, einen gesetzlichen Feiertag dafür bescheren? Klar, es gibt auch andere Männer, die den Himmelfahrtstag für die Familie nutzen. Man könnte den Tag ja auch zum Elterntag umdeklarieren. Aber diese Orgie toxischer Männlichkeit, die da allzu oft inszeniert wird, sollten wir als Gesellschaft nicht länger unterstützen. Besser wäre es, darüber zu reden, wie ein zeitgemäßes Männer- und Väterbild aussehen würde - anstatt diesbezüglich den dunklen Aufklärern und neuen Rechten das Feld zu überlassen.

Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch

Der Philosoph, Speaker und Bestseller-Autor Christoph Quarch begleitet Unternehmen, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und veranstaltet philosophische Reisen. In seinen Vorträgen und Büchern greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophie zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen. Gemeinsam mit seiner Frau Christine Teufel gründete er die Neue Platonische Akademie für eine geistige Erneuerung der Gesellschaft.
 
 
Mehr zu ihm unter christophquarch.de und akademie-3.org


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