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Die neue Palu-Richtlinie setzt Anreize zur Wiedervernässung entwässerter Böden

Lang erwartet und heute veröffentlicht bringt die „Palu-Richtlinie" des Bundesumweltministeriums jetzt Klarheit zu Förderung von Wiedervernässung und nachhaltiger Moorbewirtschaftung. Als Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz soll sie in den kommenden Jahren bundesweit Moorschutz-Maßnahmen in landwirtschaftlich genutzten Mooren fördern. Insgesamt stehen 1,3 Milliarden Euro dafür bereit. Damit bietet das Programm nach Einschätzungen des Greifswald Moor Centrum erstmals eine echte Chance zu einem Durchbruch für skalierten Moorklimaschutz in Deutschland.

© Marisa04, pixabay.comHohe Erwartungen sind mit der Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden (Palu)" des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) verbunden. Viele Menschen haben darauf hingearbeitet: Wissenschaftler*innen haben die Klimawirkung nasser Moore belegt, Umweltverbände und Stiftungen sich politisch dafür engagiert. Landwirt*innen haben die nachhaltige nasse Landwirtschaft (Paludikultur) ausprobiert, Unternehmen erste Produkte aus Biomasse von Moorpflanzen entwickelt. Und engagierte Menschen in der Verwaltung haben letztlich einer komplexen Förderrichtlinie den Weg geebnet.

„Wir freuen uns sehr, dass diese weltweit einzigartige Richtlinie nun nach intensiver Vorbereitung und Abstimmung mit der EU-Kommission fertiggestellt wurde. Die Voraussetzungen für einen Durchbruch beim Moorklimaschutz sind nun so gut wie lange nicht!", kommentiert Dr. Franziska Tanneberger, Greifswald Moor Centrum.

Die Palu-Richtlinie setzt Anreize zur Wiedervernässung entwässerter Böden. Sie unterstützt insbesondere Landeigentümer*innen und -nutzende, aber auch Verbände und Kommunen bei Planung und Umsetzung. Landwirt*innen erleichtert sie den Umstieg zur Bewirtschaftung von Pflanzen wie Torfmoosen, Seggen, Schilf oder Rohrkolben auf solchen Flächen. Die Förderung kann Kosten für vorbereitende Beratungsdienste, Investitionen in der Durchführungsphase, Ausgleichszahlungen für wirtschaftliche Schäden infolge der Wiedervernässung und Beihilfen für die Schaffung von Paludikulturen abdecken.

„Die neue Förderrichtlinie zur Paludikultur ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt. Jetzt kommt es darauf an, dass Landwirt*innen durch Beratung begleitet werden, damit das Geld zügig in Maßnahmen fließen und eine Wirkung in der Fläche erzielen kann. Gleichzeitig muss klar sein, dass die Richtlinie nur einen Baustein darstellt: Für die Betriebe ist es ebenso entscheidend, tragfähige Vermarktungswege für die entstehende Biomasse zu haben. Hier braucht es zum Beispiel gezielte Marktanreizprogramme, damit Paludikultur auch wirtschaftlich eine echte Perspektive bietet.", sagt Sophie Hirschelmann, Michael Succow Stiftung/Greifswald Moor Centrum

Wirtschaftliche Perspektiven von Paludikultur werden schon heute von vielen Unternehmen gesehen. Dazu gehört die Produktion von Bau- und Dämmstoffen, Papier und Verpackungen, Substraten und Bodenverbesserern, aber auch Ausgangsstoffen für die energetische Nutzung oder für Design- und Alltagsprodukten. Die Nutzung von Photovoltaikanlagen auf vernässten Flächen ist ebenso möglich.

„Die Abkehr von der entwässerungsbasierten Moornutzung – welche ja über Jahrhunderte gesellschaftlich gewünscht und gefördert wurde – stellt in mehrfacher Hinsicht einen Paradigmenwechsel dar. Zahlreiche Forschungsprojekte zeigen zwar bereits, wie Paludikultur funktioniert und wie vielfältig die Biomasse verwendet werden kann, doch die Skalierung fehlt bisher. Die Palu-Richtlinie bietet nun erstmals gezielte Unterstützung, damit die Erfahrungen von Pilotflächen von der Praxis aufgegriffen werden können.", so Dr. Sabine Wichmann, Universität Greifswald/Greifswald Moor Centrum.

Nun wird entscheidend sein, wie schnell Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse tatsächlich greifen und wie schnell und lernfähig die Förderung abgewickelt wird. Die Umsetzung der Richtlinie sollte praxisfreundlich passieren, damit schnell Vorbilder und Beispiele zum Nachahmen gesehen werden können. Ein Nachsteuern und Verbessern, nachdem sich zeigen könnte, wie die Richtlinie angenommen wird und welche Erfahrungen die Praktiker*innen damit machen, sollte von Anfang an mitgedacht werden.

Hintergrund
In Deutschland sind über 90 Prozent der Moorflächen trockengelegt, auf einem Großteil der Fläche wird Landwirtschaft betrieben. Entwässerte Moorböden setzen den normalerweise unter Wasser gebundenen Kohlenstoff in ihren Torfen als klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. So machen trockengelegte Moorböden zwar nur sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus, sind aber für rund ein Drittel der Emissionen aus Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Bodennutzung verantwortlich. Durch Wiedervernässungen lassen sich die CO2-Emissionen effektiv schnell stoppen. 

Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) empfiehlt, bis 2045 rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen wiederzuvernässen, was etwa einer Million Hektar entspricht. Jährlich müssten dafür rund 50.000 Hektar zusätzlich umgestellt werden. Aufbauend auf den Vorschlägen für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz 2.0 enthält das kürzlich vom Kabinett beschlossene Klimaschutzprogramm 2026 erstmals konkrete Einsparungsziele für Treibhausgas-Emissionen aus entwässerten Mooren. Demnach sollen durch Wiedervernässung entwässerter Moorböden bis zum Jahr 2045 28 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

Mehr Information:
Kontakt: Greifswald Moor Centrum | coordination@greifswaldmoor.de | www.greifswaldmoor.de

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