Technik | Energie, 23.07.2026
„Fossile Konzerne machen Milliardenprofite während Menschen weltweit den Preis dafür zahlen".
Die sechs größten Ölkonzerne werden ihre Gewinne vom ersten auf das zweite Quartal 2026 verdoppeln
Während Hitzewellen in Europa, Nordamerika und Südasien Zehntausenden Menschen das Leben kosten, erwarten die größten Öl- und Gasunternehmen vom ersten auf das zweite Quartal 2026 eine Verdopplung ihrer Gewinne. Berechnungen zeigen zudem, dass ihre historischen Emissionen die Häufigkeit und Schwere von Hitzewellen in diesem Jahrhundert erheblich angefacht haben. Eine gerechte Besteuerung der Gewinne fossiler Energie-Konzerne könnte bis zu 400 Milliarden US-Dollar bringen, womit dringend notwendige Anpassungen an die Klimakrise finanziert werden könnten.
Die sechs größten fossilen Energie-Konzerne – BP, Chevron, Eni, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies – werden ihren Nettogewinn im zweiten im Vergleich zum ersten Quartal 2026 voraussichtlich fast verdoppeln: von 23 Milliarden US-Dollar auf 45 Milliarden US-Dollar. Aller Vorrausicht nach wird Chevron seine Gewinne im Zeitraum April bis Juni auf 1.200 US-Dollar pro Sekunde vervierfacht haben. Die Gewinne von ExxonMobil verdreifachten sich in dieser Zeit voraussichtlich auf 1.800 US-Dollar pro Sekunde. Die prognostizierten Gesamtgewinne der sechs Öl- und Gasunternehmen im Jahr 2026 summieren sich auf 147 Milliarden US-Dollar, was mehr als den Gewinnen der vorangegangenen 21 Monate entspricht (von April 2024 bis Dezember 2025).Klimakiller zur Kasse
Öl- und Gaskonzerne tragen eine überproportionale Verantwortung für die Klimakrise. Eine neue Oxfam-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die historischen Emissionen von BP, Chevron, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies ausgereicht haben, um jede vierte Hitzewelle zwischen 2000 und 2023 zu verursachen. Allein im vergangenen Jahr waren die großen Ölkonzerne für Umweltschäden in Höhe von schätzungsweise 60 Milliarden US-Dollar verantwortlich. Die Aussichten verheißen nichts Gutes: Die sechs größten fossilen Konzerne planen ihre Öl- und Gasproduktion bis 2030 im Vergleich zum Niveau von 2024 um 14 Prozent zu steigern, was einer zusätzlichen Fördermenge von 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag entspräche.
„Fossile Konzerne machen Milliardenprofite während Menschen weltweit den Preis dafür zahlen: Explodierende Energiepreise und steigende Lebenshaltungskosten belasten viele Haushalte und extreme Wetterereignisse wie die letzten Hitzewellen fordern Tausende Tote”, sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam. „Es liegt auf der Hand: Regierungen müssen fossile Energie-Konzerne endlich zur Kasse bitten, um die notwendige Transformation hin zu einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen zu finanzieren. Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Bevölkerungsschichten müssen bei der Bewältigung der Klimakrise angemessen unterstützt werden.”
Oxfam schätzt, dass eine gerechte Steuer auf die Gewinne von 585 fossilen Konzernen im ersten Jahr weltweit bis zu 400 Milliarden US-Dollar einbringen könnte, womit die jährlichen Kosten für die Klimaanpassung im Globalen Süden gedeckt werden könnten. Mit den Einnahmen einer solchen Steuer könnte die Bundesregierung auch ihre Zusage halten, jährlich sechs Milliarden Euro für die Unterstützung ärmerer Länder bereitzustellen. Derzeit droht die Regierung wegen der Kürzungen im Bundeshaushalt ihr Versprechen zu brechen.
Die Regierungen von Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Österreich haben die EU-Kommission vor einigen Monaten aufgefordert, eine europaweite Steuer auf Übergewinne zu prüfen. Die Europäische Kommission lehnt dies bislang ab und verweist an die Mitgliedsstaaten. Die Bundesregierung muss sowohl ihre Bemühungen für eine EU-weite Lösung intensivieren als auch die Umsetzung einer Übergewinnsteuer in Deutschland vorantreiben. Die Einnahmen sollten gezielt für die Stärkung eines sozial gerechten Klimaschutzes und der Energiewende in Deutschland und weltweit eingesetzt werden, statt entsprechende Förderprogramme zu kürzen.
Redaktionelle Hinweise
- Die Untersuchung von Oxfam basiert auf den Schätzungen von S&P Capital IQ. Die sechs größten Öl- und Gasunternehmen werden in der kommenden Woche ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 veröffentlichen.
- Hier finden Sie Oxfams Untersuchung „Big Oil profits expected to double as the world burns".
- Oxfams Analyse nutzt Daten einer Studie bei "Nature”, die den Zusammenhang zwischen 213 registrierten Hitzewellen zwischen 2000 und 2023 und den historischen Emissionen von 180 fossilen Unternehmen zwischen 1854 und 2023 untersucht. Oxfam kommt zu dem Schluss, dass die historischen Emissionen von Chevron, BP, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies (Daten für Eni liegen nicht vor) ausreichten, um etwa jede vierte Hitzewelle zu verursachen.
- Für Konzerne aus allen Wirtschaftssektoren sollte eine allgemeine und dauerhafte Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent auf diejenigen Gewinne eingeführt werden, die über einer Rendite von 10 Prozent liegen – im fossilen Sektor schon ab 3 Prozent. Oxfam schätzt, dass eine solche Steuer auf die Gewinne von 585 fossilen Konzernen weltweit bis zu 400 Milliarden US-Dollar einbringen könnte. Im Blogbeitrag finden Sie Oxfams Modell für eine „Gewinnsteuer für reiche Umweltverschmutzer" sowie die zugehörigen Berechnungen.
- Laut dem UNEP-Bericht zur Anpassungslücke 2025 beläuft sich der geschätzte Finanzierungsbedarf für Anpassungsmaßnahmen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bis zum Jahr 2035 auf 310 bis 365 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
- Im Brief der EU-Wirtschafts- und Finanzminister von April 2026 wird eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen gefordert.
Als internationale gemeinnützige Organisation setzt sich Oxfam gemeinsam mit Menschen in aller Welt gegen Armut, Unterdrückung und soziale Ungleichheit ein. Seite an Seite mit fast 2.250 lokalen Partnerorganisationen in 77 Ländern arbeiten wir für eine gerechte und nachhaltige Welt.
Kontakt: Oxfam Deutschland e.V., Lena Enders | lenders@oxfam.de | www.oxfam.de
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