Fritz Lietsch
Technik | Energie, 25.03.2026
Aus Freude am Fahren ...
Der aktuelle Kommentar von Fritz Lietsch zum Thema Mobilität & Energie
Gestern fuhr ich mit dem Auto zur Aufsichtsratssitzung der Stiftung SOFIs Finance. Da die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu umständlich war, musste ich das Auto nutzen…

Was für ein Genuss: Unser bewusst kleines, aber extrem effizientes E-Auto, ein VW e-Up, verbrauchte auf der Strecke – trotz zügiger Fahrweise im Voralpenland – gerade einmal 11,3 kWh pro 100 Kilometer. Das sind bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh nur etwa 3,40 € pro 100 Kilometer. Ein Benziner gleicher Größe dürfte im Moment eher das 3–4-fache an Energie verbrauchen und entsprechende Kosten verursachen…
Aber es geht noch besser: Der Strom kommt bei uns nicht aus dem Kraftwerk, sondern von der PV-Anlage auf Dach und Balkon. Hier liegen die Kosten bei rund 12 Cent pro kWh – also noch deutlich niedriger. Ein wunderbares Gefühl also, dass für meine Fahrt kein Benzin verbrannt werden musste und die Energie von der Sonne statt von Ölpotentaten geliefert wurde. Wie schade, dass VW genau dieses kleine und sparsame Modell eingestellt hat…
Aber da geht noch viel mehr: E-Autos können nicht nur effizient fahren, sondern auch als rollende Stromspeicher dienen. Zur Mittagszeit geladen, können E-Autos ihre Energie abends oder bei Bedarfsspitzen wieder in ein Gebäude oder sogar ins Netz einspeisen. Dieses sogenannte bidirektionale Laden (Vehicle-to-Grid bzw. Vehicle-to-Home) wird derzeit endlich ausgebaut. Studien gehen davon aus, dass allein in Europa bis 2030 mehrere Millionen Fahrzeuge technisch dazu in der Lage sein werden und so einen relevanten Beitrag zur Netzstabilität leisten können. Hier sollte investiert werden und nicht in Kraftwerke, die Fracking-Öl und -Gas verbrennen.
Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, die Vorteile erneuerbarer Energien besser zu nutzen. Besonders sinnvoll sind Ost-West-ausgerichtete PV-Anlagen, die morgens und abends mehr Ertrag liefern und dafür mittags weniger. Das reduziert Tagesspitzen und verringert die Notwendigkeit, Anlagen bei Stromüberschuss abzuregeln.
Aus meiner Sicht noch empfehlenswerter sind sogenannte Fassadenanlagen. Durch ihre vertikale Ausrichtung erhöhen sie die Stromproduktion im Winter erheblich – genau dann, wenn Strom am dringendsten benötigt wird. Fassaden- und Balkonanlagen sind deshalb oft wertvoller als perfekt nach Süden ausgerichtete „Sommeranlagen", die zunehmend zu Erzeugungsspitzen und damit zu Abschaltungen führen.
So produziert beispielsweise an sonnigen Tagen allein die Photovoltaik in unserem Landkreis zur Mittagszeit bereits mehr Strom, als insgesamt verbraucht wird.
Deshalb: Jetzt Ost-West- und vor allem vertikale Fassadenanlagen bauen, statt ausschließlich auf kurzfristig optimierte „Sommeranlagen" zu setzen, die primär Fördermechanismen ausnutzen, aber wenig Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf nehmen.
Ebenso spannende Erkenntnisse liefert eine Musteranlage, die wir für einen mittelständischen Gewerbebetrieb finanziert und realisiert haben: Allein durch eine bessere Anpassung der Produktionszyklen an die Verfügbarkeit von PV-Strom konnten seit letztem Jahr erhebliche Mengen an zugekauftem (fossilem) Strom durch Eigenverbrauch ersetzt werden. Das Unternehmen spart damit nicht nur CO2, sondern vor allem auch Energiekosten.
Die Kraft von Wind und Sonne speichernDoch was ist mit den Zeiten ohne Sonne? Hier kommen Speicher ins Spiel – und die Entwicklung ist rasant. Neben Heimspeichern und Fahrzeugbatterien gewinnen insbesondere Großspeicher zunehmend an Bedeutung: Allein in Deutschland hat sich die installierte Kapazität von Batteriespeichern in den letzten wenigen Jahren vervielfacht, und zahlreiche Projekte im Gigawattstundenbereich sind in Planung oder bereits im Bau.
Diese Großspeicher können innerhalb von Sekunden Energie aufnehmen oder abgeben und tragen so entscheidend zur Stabilisierung der Stromnetze bei. Ergänzt werden sie durch weitere Technologien wie thermische Speicher, Pumpspeicher oder innovative Konzepte wie Schwungradspeicher.
All diese Lösungen präsentieren wir in unserer nächsten forum future economy, Ausgabe 3/26. In einer Sonderstrecke zeigen wir, wie eine sichere, regenerative Energieversorgung im Sommer wie im Winter gelingen kann – und dabei die Resilienz Deutschlands und Europas stärkt.
Wenn auch Sie bahnbrechende Lösungen zur stabilen Energieversorgung vorstellen möchten, kontaktieren Sie mich gerne.
Das verhindert Krisen und Kriege
Hand aufs Herz: Viele Konflikte entstehen weniger aus religiösen oder ethnischen Gründen, sondern aus dem Kampf um Ressourcen und wirtschaftliche Vorteile. Venezuela, Iran, Irak – klassische Ölstaaten. Auch andere Regionen geraten aufgrund ihrer Rohstoffe zunehmend in den Fokus geopolitischer Spannungen.
Deshalb sollten wir nicht wehmütig auf Zeiten scheinbar unbegrenzter Öl- und Gasverfügbarkeit zurückblicken, sondern konsequent nach vorne schauen – auf die Potenziale von Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und intelligenten Geschäftsmodellen.
Auch unser geschätzter Kollege Dr. Elmar Lenzen von Umweltdialog bringt es pointiert auf den Punkt:
„Der Persische Golf brennt, die Ölpreise tanzen, und Europa entdeckt mal wieder seine Verwundbarkeit. Perfektes Timing also für die EU, ausgerechnet jetzt die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu entschlacken…"
Aus unserer Sicht ist das keineswegs „geschenkt". Denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Deshalb mein klarer Rat an alle Leserinnen und Leser: Beschäftigen Sie sich aktiv mit Resilienz und werden Sie Schritt für Schritt unabhängiger. Nutzen Sie vorhandene Lösungen, machen Sie Ihr Unternehmen zukunftsfähig – und aktivieren Sie die Kreativität Ihrer Mitarbeitenden und Ihres Netzwerks: Kompromisslos zu kooperieren ist am Ende ein besserer Weg als Konkurrenzkampf und Konflikte.
Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen und Lösungsvorschläge!
Ihr Fritz Lietsch
Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.
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