Fritz Lietsch

Bidirektionales Laden spart Milliarden

Elektroautos können viel mehr, als „nur" leise und ohne Abgase zu fahren

Mit bidirektionaler Ladetechnologie können sie Strom speichern und ins Netz zurückspeisen. Die jüngste Studie von Transport & Environment (T&E) zeigt, dass dies Europas Energieversorgern und Autofahrenden riesige Einsparungen ermöglichen könnte. 

© Menno de Jong, Pixabay.comDie Einsparungen in Milliardenhöhe resultieren vor allem aus einer effizienteren Nutzung der Erzeugungskapazitäten, der Reduzierung von Abregelungen und einem geringeren Kraftstoffverbrauch. Das Einsparpotenzial für Energieversorger und Verbraucher in der EU schätzt eine Studie der Fraunhofer-Institute auf bis zu 22 Milliarden Euro jährlich. Das könnte für bidirektionales Laden (kurz: Bidi-Laden) in europäischen Märkten einen technologischen und wirtschaftlichen Durchbruch bedeuten. Entscheidend dafür sind jedoch regulatorische Rahmenbedingungen, die den Einsatz dieser Technologie fördern. Ohne sie bleibt das Potenzial ungenutzt.

Dabei könnte die netzwirksame Bidi-Technik laut den Forschern von 2030 bis 2040 EU-weit bis zu 200 Milliarden Euro einsparen. Allein in Deutschland ist nach den Studienergebnissen bis 2040 eine jährliche Entlastung von rund 8,4 Milliarden Euro möglich. Durch den Einsatz der Fahrzeugakkus kann der Bedarf an teuren, stationären Speichern in der EU um bis zu 92 Prozent sinken. Zusätzlich könnte die installierte PV-Leistung im gleichen Zeitraum um bis zu 40 Prozent steigen ohne zusätzliche Abschaltungen zu riskieren.

Prosumer profitieren und Frankreich fährt umsonst
Halter von batterieelektrischen Fahrzeugen profitieren unmittelbar vom Bidi-Laden. Die Studie prognostiziert für solche „Prosumer" in der EU erheblich geringere Stromkosten. Und ein überraschender Nebeneffekt: Die Lebensdauer der Fahrzeug-Akkus dürfte durch smartes Bidi-Laden zunehmen, da der Ladestatus der Batterien optimiert wird.

Bislang wurde das Bidi-Laden nur in verschiedenen Pilotprojekten erprobt. Doch das Münchner Unternehmen The Mobility House und der Fahrzeughersteller Renault haben in Frankreich das erste Vehicle-to-Grid (V2G) -Angebot auf den Markt gebracht: Besitzer eines V2G-fähigen Renault 5 können mit einer dafür konzipierten Wallbox und einem besonderen Zeit-Tarif kostenfrei ihr Auto laden und stellen im Gegenzug ihren Fahrzeugakku in den Dienst des gesamten Energiesystems. Schon in diesem Jahr soll das neue Angebot auch in Deutschland und dem Vereinigten Königreich auf den Markt gehen.

Nächster Schritt: Regulatorik anpassen
Doch gerade im absatzstarken Automarkt Deutschlands sind noch einige Hürden zu überwinden: Der Roll-out von Smart Metern, ohne die V2G für die Prosumer nicht funktioniert, verläuft weiterhin schleppend, und auch der notwendige rechtliche Rahmen muss noch geschaffen werden. Die Ergebnisse des vom Bundeswirtschaftsministerium veranstalteten zweiten Europäischen Gipfels für Bidi-Laden zeigen klare Handlungsempfehlungen auf – nun kommt es auf die Umsetzung an.

Wichtige Punkte könnten dabei sein, die Mehrfachbelastung von zwischengespeichertem Strom durch Netzentgelte, Abgaben und Umlagen abzuschaffen sowie sicherzustellen, dass „grüner" Strom seine Eigenschaften und Förderansprüche nach dem EEG auch bei einer Zwischenspeicherung im Akku eines Elektroautos behalten könnte.

Tillmann Laux zeigt in „Vehicle to Home", wie das Elektroauto als Heimspeicher genutzt werden kann – kompakt und praxisnah. Eigenverlag, 68 Seiten, 19,99 Euro

Dieser Artikel ist in forum 04/2025 - Zukunft gestalten erschienen.

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