Franz Alt

Nicht Migranten belasten das Stadtbild, sondern der Klimawandel

Franz Alt empfiehlt dazu den raschen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und weniger Autos

Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Frau Charlotte haben drei Kinder, davon zwei Töchter und sieben Enkelkinder. Der Bundeskanzler hat ein Problem mit Ausländern, die hierzulande ohne Aufenthaltsgenehmigung leben. 

In unseren Städten werden immer mehr Flächen so stark versiegelt und zubetoniert, dass sie bei Starkregen, der wegen des Klimawandels immer häufiger und heftiger vorkommt, vor Hochwasser und Überschwemmungen nicht mehr geschützt sind. © Ricinator, pixabay.comEr sagte: „Fragen Sie Ihre Kinder, fragen Sie Ihre Töchter, fragen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis herum, alle bestätigen, dass das ein Problem ist." Dieses Problem hat für den Kanzler und Vorsitzenden einer sich christlich nennenden Partei etwas mit Integration zu tun. Es gebe ein Problem im „Stadtbild". Bei einer aktuellen Umfrage stimmen ihm 63 Prozent der Deutschen zu, mehr Ältere als Jüngere.

Es gibt freilich für deutsche Lokalpolitiker noch ganz andere Probleme als die, die der Kanzler im „Stadtbild" ausgemacht haben will. Doch diese werden von ihm und seiner gegenwärtigen Regierung weitgehend ignoriert oder verdrängt.

Zum Beispiel sind in unseren Städten immer mehr Flächen so stark versiegelt und zubetoniert, dass sie bei Starkregen, der wegen des Klimawandels immer häufiger und heftiger vorkommt, vor Hochwasser und Überschwemmungen nicht mehr geschützt sind. Die Kosten und die Schäden hierfür steigen Jahr für Jahr, haben die Versicherungen errechnet. In den Städten sterben immer mehr Bäume, die Schatten und Kühlung bieten könnten. Wir bräuchten Pflanzen auf den Häusern, Bäume in den Städten und mehr Grün an unseren Fassaden. Doch damit befasst sich die Bundesregierung immer weniger.

Immer mehr Autoverkehr im deutschen Stadtbild
Tatsächlich prägt der zunehmende Autoverkehr immer mehr das deutsche Stadtbild. 2024 hat allein der Verkehrssektor in Deutschland mehr als 125 Millionen Tonnen CO2 verursacht. Der klimaschädliche Verkehr nimmt in Deutschland immer mehr Raum ein. Das hat auch der Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung errechnet und schreibt: Das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 würde, wenn diese Entwicklung nicht gebremst wird, deutlich verfehlt. Bisher hatte die Bundesregierung festgeschrieben, dass die Emissionen schrittweise sinken müssen, bis 2030 um 65 Prozent und bis 2045 um 88 Prozent – im Vergleich zum Jahr 1990.

Auch der SPIEGEL schreibt: „Im Sinne von Töchtern und Kindern wäre es, ihnen einst eine Erde zu überlassen, auf der es sich gut leben lässt." Doch die Bundesregierung macht zur Zeit das Gegenteil. Der um das Stadtbild so besorgte Bundeskanzler will, dass die EU das Verbrenner-Verbot des Jahres 2035 aufschiebt. Doch damit würde das Stadtbild noch weiter verdüstert und verschlechtert.

Wenn „die Töchter" dem Kanzler so sehr am Herzen liegen, wie er gerade gesagt hat, dann könnte er als Regierungschef eines großen Industrielandes dafür sorgen, dass Töchter und Söhne auch morgen noch ein gutes Klima haben. Dazu gehören der rasche Ausbau des öffentlichen Verkehrs und weniger Autos. Es gibt keine Energiewende ohne Verkehrswende. Andere Großstädte wie Paris, Amsterdam, Stockholm, Oslo oder London haben vorgemacht, dass und wie es besser geht als bisher in Deutschland.

Herr Bundeskanzler, nicht Migranten belasten das Stadtbild, sondern primär die fehlende, klimafreundliche Verkehrspolitk hierzulande. Diese fehlende Verkehrswende ist tatsächlich eine Gefahr für Leib und Leben von sehr vielen Menschen. Gesundheit in unseren Städten meint primär gesunde Luft, sauberes Wasser und nahrhaftes Essen. Das sagen keine Ökospinner, sondern namhafte und schlaue Ökonomen. Was wirklich unsere Gesundheit gefährdet und unseren Wohlstand ruinieren wird, das sind Verlust an Artenvielfalt, Extremwetterereignisse und der Klimawandel.

Wenn es uns nicht gelingt, den Klimawandel zu stoppen, dann werden künftig tatsächlich so viele Millionen Klimaflüchtlinge zu uns kommen, dass wir unser „Stadtbild" wirklich nicht mehr erkennen können.
  • Was die beiden Töchter von Friedrich Merz, Carola (34) und Constanze (37), zu den Stadtbild-Visionen ihres Vaters meinen, ist bisher nicht bekannt.

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