Franz Alt
Technik | Energie, 18.10.2025
Licht und Schatten bei der globalen Energiewende
Positive Nachrichten zum selben Thema werden leicht verdrängt und vergessen. Ein Kommentar von Franz Alt
Die Medien sind in diesen Tagen wieder voll von schlechten Nachrichten über den Klimawandel. So wird überall der "Global Tipping Points Report 2025" zitiert, der vor sterbenden Korallenriffen warnt: "Die Meere hätten sich bereits so stark erwärmt, dass sie vermutlich nur noch mit enormen Anstrengungen zu retten sind – falls überhaupt".
Selbst wenn es gelingen sollte, die Erwärmung auf 1.5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu stabilisieren, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Riffe absterben, weil ihre Wohlfühl-Temperatur bei zusätzlichen 1.5 Grad endet. „Das hätte katastrophale Folgen für die Vielfalt des Lebens in den Meeren, für die Nahrungssicherheit von Hunderten Millionen Menschen sowie für den Küstenschutz, da gesunde Riffe natürliche Wellenbrecher sind," befürchtet der „SPIEGEL".Neben diesen wichtigen und notwendigen Meldungen werden allerdings die positiven Nachrichten zum selben Thema leicht verdrängt und vergessen. Dafür zwei aktuelle Beispiele der letzten Tage, die in den Medien zu wenig beachtet wurden:
Erstens: In Hamburg haben die Wählerinnen und Wähler den Politikern in einem Volksentscheid einen klaren Auftrag für mehr und schnelleren Klimaschutz erteilt. Eine Bürgerbewegung hat dort nicht nur genügend Menschen dazu gebracht, für ein Volksbegehren zum Klimaschutz abzustimmen, sondern auch noch gewonnen. Die Initiative Hamburger Zukunftsentscheid hat über 300.000 Hamburgerinnen und Hamburger von ihrem Plan für verbindlichen und sozialen Klimaschutz überzeugt.
Der Senat muss nun dafür sorgen, dass die Hansestadt nicht erst 2045, sondern bereits 2040 klimaneutral wird. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Die Klimabewegung ist kein toter Riese, wie auch die meisten Hamburger Politiker vermuteten, sondern „Der Riese schläft nur", kommentierte Die ZEIT. Zumindest in Hamburg ist das lange vernachlässigte Thema Klimaschutz wieder ganz vorne. Das Beispiel zeigt, dass die Klimabewegung jederzeit wieder aufwachen kann, wie 2019 durch die „Fridays for Future"-Bewegung schon einmal.
Die Strategie der schwarz-roten Koalition und vieler Medien, das Thema einfach totzuschweigen, muss nicht aufgehen. Hamburg kann überall in Deutschland werden. Wenn die Politik das Überlebensthema der Menschheit verschläft und verdrängt, dann müssen die Wählerinnen und Wähler eben selbst die Segel setzen.
Auch in anderen Regionen gibt es Ansätze wie in Hamburg: die zahlreichen Baumentscheid-Initiativen für mehr Stadtgrün, den Volksentscheid Berlin Autofrei oder die Initiativen für eine solare Wärmewende in vielen Städten. Auf Borkum und im bayerischen Reichling wehren sich Bürgerinitiativen gegen neue Gasbohrungen.
Zweitens: Nicht nur in China, auch in Indien erreichen die erneuerbaren Energien überraschend rasche Fortschritte. Beide Milliardenvölker gehören global zur Spitzengruppe beim Umstieg von fossiler Energie zu Öko-Energien. Der Ausbau erneuerbarer Energien verläuft viel schneller als geplant.
Indien treibt – wie China – den Ausbau erneuerbarer Energien voran, um seine Klimaziele zu erreichen und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Das Land liegt weltweit auf Rang 4 bei der installierten Kapazität erneuerbarer Energien und verzeichnet besonders bei der Solarenergie, aber auch bei der Windkraft, ein starkes Wachstum. Bis 2030 strebt Indien an, eine Kapazität von 500 Gigawatt zu erreichen, was zu erheblichen Investitionen im Sektor und zur Entwicklung von Großprojekten wie dem weltgrößten Hybridkraftwerk in Khavda geführt hat. Allein in den letzten neun Monaten wurden in Indien 34 Gigawatt neue Solar- und Windleistung errichtet. Das sind 34.000 Megawatt.
Die USA unter Präsident Trump versagen bei der Energiewende. Aber die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt sind inzwischen bei der Energiewende Vorbild für die meisten Entwicklungsländer. Das lässt auch hoffen für die nächste Weltklimakonferenz in Brasilien.
Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an kommentar@forum-csr.net.
Kontakt: Dr. Franz Alt | bigialt@sonnenseite.com | www.sonnenseite.com
Weitere Artikel von Franz Alt:
Europa ist die Lösung, nicht das Problem
Die demokratische und friedliche EU ist zum Sehnsuchtsort für Millionen Menschen auf der ganzen Welt geworden
Donald Trump ließ eine Mauer zu Mexiko bauen, AfD-Politiker faselten schon mal vom Schießbefehl an den Grenzen, und Viktor Orban ließ wieder Zäune errichten. Mauer, Schießbefehl und Zäune: das hatten wir alles schon mal.
Die demokratische und friedliche EU ist zum Sehnsuchtsort für Millionen Menschen auf der ganzen Welt geworden
Donald Trump ließ eine Mauer zu Mexiko bauen, AfD-Politiker faselten schon mal vom Schießbefehl an den Grenzen, und Viktor Orban ließ wieder Zäune errichten. Mauer, Schießbefehl und Zäune: das hatten wir alles schon mal.
Hilft Trump den Erneuerbaren?
Donald Trump hilft ganz unbewusst den Erneuerbaren zum Sieg
Wir seien ja sehr, sehr bescheiden geworden, schreibt die TAZ (11.4. 2026), wenn es schon eine „frohe Botschaft“ (Außenminister Wadephul) ist, dass Präsident Trump auf seine Ankündigung, die 4.000 Jahre alte iranische Zivilisation in wenigen Stunden auszulöschen „vorläufig verzichtet“. Dabei kann diese „frohe Botschaft“ schon in wenigen Tagen erneut eine Katastrophe werden.
Donald Trump hilft ganz unbewusst den Erneuerbaren zum Sieg
Wir seien ja sehr, sehr bescheiden geworden, schreibt die TAZ (11.4. 2026), wenn es schon eine „frohe Botschaft“ (Außenminister Wadephul) ist, dass Präsident Trump auf seine Ankündigung, die 4.000 Jahre alte iranische Zivilisation in wenigen Stunden auszulöschen „vorläufig verzichtet“. Dabei kann diese „frohe Botschaft“ schon in wenigen Tagen erneut eine Katastrophe werden.
Die Chance der Krise
Preisschock als Wendepunkt: Warum die Energiekrise den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt. Der aktuelle Kommentar von Franz Alt
Steigende Öl- und Gaspreise treffen Wirtschaft und Gesellschaft – und treiben zugleich den globalen Boom von Solar- und Windenergie voran. Analysen zeigen: Die Energiewende gewinnt an Tempo, doch ob sie nachhaltig wirkt, hängt jetzt von klugen politischen Entscheidungen ab. Aktueller Kommentar von Franz Alt.
Preisschock als Wendepunkt: Warum die Energiekrise den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt. Der aktuelle Kommentar von Franz Alt
Steigende Öl- und Gaspreise treffen Wirtschaft und Gesellschaft – und treiben zugleich den globalen Boom von Solar- und Windenergie voran. Analysen zeigen: Die Energiewende gewinnt an Tempo, doch ob sie nachhaltig wirkt, hängt jetzt von klugen politischen Entscheidungen ab. Aktueller Kommentar von Franz Alt.
Und wieder schießt Trump ein Eigentor
Der US-Präsident ist vergangenheitsbesessen und zukunftsvergessen
Nicht nur mit seiner Zollpolitik, sondern erst recht mit seiner Klimapolitik schießt US-Präsident Trump ein Eigentor nach dem anderen.
Der US-Präsident ist vergangenheitsbesessen und zukunftsvergessen
Nicht nur mit seiner Zollpolitik, sondern erst recht mit seiner Klimapolitik schießt US-Präsident Trump ein Eigentor nach dem anderen.
Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist
Zurzeit findet real und global das größte militärische Aufrüsten der Menschheitsgeschichte statt. Ein Kommentar von Franz Alt
Wir geben über drei Billionen Dollar, das sind über 3.000 Milliarden, für Kriegsvorbereitung aus und zur gleichen Zeit verhungern jedes Jahr Millionen Menschen. Das heißt konkret: Wir ermorden sie. Noch immer gilt die altrömische Formel: "Si vis pacem, para bellum – Wer Frieden will, muss den Krieg vorbereiten."
Zurzeit findet real und global das größte militärische Aufrüsten der Menschheitsgeschichte statt. Ein Kommentar von Franz Alt
Wir geben über drei Billionen Dollar, das sind über 3.000 Milliarden, für Kriegsvorbereitung aus und zur gleichen Zeit verhungern jedes Jahr Millionen Menschen. Das heißt konkret: Wir ermorden sie. Noch immer gilt die altrömische Formel: "Si vis pacem, para bellum – Wer Frieden will, muss den Krieg vorbereiten."
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Militär & Märkte
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
APR
2026
21
MAI
2026
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
JUN
2026
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Wissenschaft & Forschung
Artemis und OrionChristoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Jetzt auf forum:
Circular Economy stärkt Wettbewerbsfähigkeit
Engagement gegen Desinformation
Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol
Selbstwirksamkeit statt Geldtabu
The Virgin Islands Climate Change Trust Fund Launched with Global Audience at GSIS 2026
Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"
Tipps zur Installation einer Balkon-Solaranlage für Anfänger



















