Franz Alt

Klimawandel schadet auch der Gesundheit

Extreme Hitze, frühere Pollensaison, mehr tropische Infektionskrankheiten: In vielen Ländern Europas steigt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle.

Von 52 Toten im Jahr 2015 pro einer Million Einwohner auf mehr als 122 Toten pro einer Million Menschen in Spanien, Italien, Griechenland, Deutschland und Bulgarien. Die Studie dazu vom Uniklinikum Heidelberg ist jetzt im Fachmagazin „The Lancet" (Lancet Countdown Europe Report 2026) erschienen.

Die Zahl der Hitzetoten hat sich in ganz Europa innerhalb der letzten zehn Jahre etwa verdreifacht.
© geralt, pixabay.comDoch es gibt auch positive Entwicklungen: In derselben Zeit hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch in der EU auch verdreifacht. Und jetzt kurbelt die aktuelle Energiekrise um die Straße von Hormus den globalen Klimaschutz weiter an.

Beim Klimadialog in Berlin fordern fast alle Teilnehmer, auch der deutsche Umweltminister Carsten Schneider, die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Schneider sagte in Berlin: „Wer von fossiler Energie abhängig ist, sehe sich unübersehbaren Risiken gegenüber."  Und: „Den Umbau zu verzögern, bringt enorme Kosten mit sich." Das ist allerdings auch eine Mahnung an die eigene Regierung in Berlin, in der vor allem die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den Ausbau der Erneuerbaren verzögert und verdrängt.

Warum hat diese Bundesregierung aus der Ölpreiskrise der Siebziger nichts gelernt?
Damals gab es ein Sonntagsfahrverbot für PKWs, ein Tempolimit sogar in Deutschland und dann eine schnell wachsende Umweltbewegung und die Gründung grüner Parteien fast in der ganzen Welt. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter ließ sich eine Solaranlage ans Weiße Haus schrauben, die freilich sein Nachfolger Ronald Reagan ebenso symbolisch wieder entfernen ließ, wie mir Jimmy Carter mal erzählte.

Der Germanwatch-Vorsitzende Christoph Bals jetzt in Berlin: Die Ölpreiskrise in den Siebzigern hat dafür gesorgt, dass in der EU die CO2-Emissionen stark sanken. „Wir müssen auch in der jetzigen Krise das Momentum nutzen."

Hätten wir das Tempo der Siebziger Jahre bis heute beibehalten, dann wären wir längst bei einhundert Prozent erneuerbarer Energie. Wir hätten weniger Probleme, mehr Sicherheit und Freiheit, preiswertere Energie, weniger Zorn an den Tankstellen, eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkel und für alle eine bessere Gesundheit. Doch noch ist es für alle diese Vorteile nicht zu spät. Wir können auch in der heutigen Krise die Chance erkennen und ergreifen. Dazu braucht es nicht einmal die Straße von Hormus.
Franz Alt ist forum-Kurator sowie promovierter Politikwissenschaftler, langjähriger Fernsehjournalist (u. a. ARD/3sat) und Bestsellerautor mit über drei Millionen verkauften Büchern. Als einer der am meisten ausgezeichneten Journalisten Deutschlands engagiert er sich seit Jahrzehnten für Energiewende, Menschenrechte und spirituelle Fragen.

Kontakt: Franz Alt, Sonnenseite | franzalt@sonnenseite.com | www.sonnenseite.com/de/

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