Umwelt | Wasser & Boden, 26.08.2025
Wirtschaft auf dem Boden der Tatsachen
Wie Unternehmen mit Biodiversität Wert schaffen
Ob Nahrungsmittelproduktion, Wasserfilterung oder Klimaschutz – ohne gesunde Böden kein stabiles Ökosystem. Ohne stabiles Ökosystem keine stabile Wirtschaft. Doch die Biodiversität der Böden ist akut gefährdet. Unternehmen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, können im Globalen Süden über gezielte Förderpartnerschaften mit NGOs einen Unterschied machen. Ein Überblick über Herausforderungen, Chancen – und konkrete Projekte, die bereits heute wirken.
Was haben steigende Lebensmittelpreise, zunehmende Dürren, unberechenbare Unwetter und fragile Lieferketten gemeinsam? Eine der unterschätzten Ursachen liegt im Verborgenen: Die Biodiversität unserer Böden schwindet rapide – mit gravierenden Folgen für das gesamte Ökosystem. Und für die Wirtschaft.|
Steckbriefe der NGOs
arche nova e.V.
Borneo Orangutan Survival Deutschland e.V. (BOS)
Solidaritätsdienst International e.V. (SODI)
Weltfriedensdienst e.V. (WFD)
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Die Botschaft ist eindeutig: Ohne gesunde Böden keine nachhaltige Zukunft – weder ökologisch noch ökonomisch.
Böden speichern Wasser, filtern Schadstoffe, binden CO2, regulieren das Klima – und vor allem: Sie sind Heimat für Milliarden Kleinst-Lebewesen, die diese Funktionen erst ermöglichen.
In einer Handvoll gesunder Erde tummeln sich mehr Organismen als Menschen auf dem Planeten. Regenwürmer, Milben, Pilze, Mikroorganismen – sie bilden ein komplexes System, das Pflanzen ernährt, Wasser reinigt, CO2 speichert und extreme Wetterereignisse abpuffert.
Doch diese stille Lebensgrundlage ist weltweit bedroht – durch Monokulturen, Abholzung, Überweidung, chemische Düngung, Bodenversiegelung, Rohstoffabbau und den Klimawandel. Ohne Bodenorganismen stirbt der Boden – und mit ihm die Grundlage für Ernährung und Wohlstand. Besonders dramatisch sind die Folgen im Globalen Süden.
Dort bedroht die Degradierung fruchtbarer Böden nicht nur Ökosysteme, sondern auch Ernährungssicherheit, soziale Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven.
Wirtschaftliche Risiken – und Verantwortung
Für Unternehmen birgt diese Entwicklung erhebliche Risiken: Lieferketten, die auf landwirtschaftliche Rohstoffe angewiesen sind, geraten unter Druck. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche und regulatorische Anspruch an unternehmerische Verantwortung. Bodenbiodiversität mag unsichtbar sein – aber sie entscheidet mit über die Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen.
Gerade Unternehmen mit globaler Ausrichtung können und sollten sich daher strategisch engagieren – etwa durch Kooperationen mit NGOs, die sich im Globalen Süden gemeinsam mit lokalen Gemeinden, indigenen Gruppen und Behörden für den Schutz von Bodenökosystemen einsetzen.
Vier Organisationen, vier Ansätze – eine gemeinsame Wirkung
Beispielhaft werden hier vier konkrete Beispiele aufgezeigt, wie Unternehmen Boden-Biodiversität global fördern können.
- arche nova – Ernährung sichern durch Bodenschutz in Kenia
Die NGO arche nova engagiert sich in Kenia für klimaangepasste Landwirtschaft, die Biodiversität schützt und Ernährung sichert. In der Region Laikipia, stark von Trockenheit und Bodenerosion betroffen, setzen sie auf Agroforstsysteme, natürliche Düngemethoden und Schulungen für Kleinbäuerinnen und -bauern.
Die Einbindung traditioneller Praktiken wie Agroforstwirtschaft, Permakultur oder Sanddämme zur Wasserspeicherung spielt eine zentrale Rolle. Die Resultate: gesündere Böden, bessere Ernten – und ein gestärktes ökologisches Bewusstsein in der Region. Für Unternehmen bietet dieses Projekt eine Möglichkeit, direkt zur Resilienz von Agrarsystemen beizutragen, auf die viele globale Lieferketten angewiesen sind.
Lesen Sie dazu weitere Infos und ein ausführliches Interview mit arche Nova.
- BOS – Wiederaufforstung in ehemaligen Kohlegruben in Indonesien
Der Verein Borneo Orangutan Survival (BOS) beweist, wie Arten-, Klima- und Bodenschutz zusammenspielen. In Kalimantan verwandeln sie zerstörte Torfmoore durch Wiedervernässung und Aufforstung mit heimischen Baumarten in lebendige Ökosysteme.
In Sabah werden degradierte Böden auf Ölpalmenplantagen durch Bio-Dünger, Mikroorganismen und Biokohle-Einbringung wiederbelebt.
In beiden Projekten fördert BOS die regenerative, kleinbäuerliche Landwirtschaft, um nachhaltige Lebensgrundlagen zu schaffen. Die Projekte sind auch wirtschaftlich relevant: Fruchtbare Böden sichern langfristig die Produktivität und senken den Druck auf verbleibende Primärwälder – ein klarer Hebel für unternehmerische Klimaziele und biodiversitätsfreundliche Lieferketten.
Lesen Sie dazu weitere Infos und ein ausführliches Interview mit BOS.
- SODI – Ökologischer Landbau gegen Auslaugung
SODI setzt auf Agrarökologie als Weg zu Ernährungssouveränität und Bodenschutz. In ländlichen Gemeinden u.a. in Mosambik, Südafrika, DR Kongo, Indien, Laos, Nepal und Vietnam wird mit traditionellen Methoden gearbeitet: Fruchtwechsel, Gründüngung, natürliche Schädlingskontrolle.
Die Bäuerinnen und Bauern stellen selbst Biodünger her und regenerieren ausgelaugte Böden. In den Trainingszentren wird Wissen weitergegeben, das gleichzeitig die soziale Struktur und Selbstbestimmung stärkt. Unternehmen, die sich hier engagieren, unterstützen nicht nur Biodiversität, sondern fördern auch langfristige Ernährungssicherheit – eine zentrale Voraussetzung für politische Stabilität und lokale Märkte.
Lesen Sie dazu weitere Infos und ein ausführliches Interview mit SODI.
- Weltfriedensdienst – Politischer Wandel für Biodünger im Senegal
Der Weltfriedensdienst zeigt, wie zivilgesellschaftliche Arbeit politisch wirksam wird. Im Senegal hat er mit lokalen Akteuren eine Multi-Akteurs-Partnerschaft aufgebaut, in der Behörden, Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft gemeinsam Lösungen für die Bodenkrise entwickeln. Dank politischer Lobbyarbeit ist Biodünger nun subventioniert, und agrarökologische Prinzipien halten Einzug in staatliche Förderprogramme.
Für Unternehmen eröffnet sich hier ein Hebel, systemischen Wandel zu unterstützen – und so nicht nur einzelne Flächen, sondern ganze Regionen langfristig fruchtbar zu machen.
Lesen Sie dazu weitere Infos und ein ausführliches Interview mit dem Weltfriedensdienst.
Wie Unternehmen aktiv werden können
Diese genannten Projekte und viele mehr werden durch das Förderprogramm bengo von Engagement Global (EG) unterstützt – einem Angebot des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Unternehmen können sich über Spenden, Projektpartnerschaften oder durch das Tragen des Eigenanteils an Förderprojekten engagieren.
Hier unterstützt zudem bei EG die Servicestelle für Stiftungen und Philanthropie (SSP): Sie berät Unternehmen kostenfrei und individuell zu Engagementmöglichkeiten, Vernetzung mit NGOs, Förderoptionen, Informationen zu Projektformaten bis zur Corporate Social Responsibility (CSR)-Integration. Ob CSR-Strategie oder philanthropische Initiative – die SSP begleitet die Planung und Umsetzung wirkungsvoller Partnerschaften. So entsteht aus unternehmerischer Verantwortung konkrete Wirkung.
Perspektive: Verantwortung zeigt Wirkung
Bodenbiodiversität entscheidet mit über die Zukunft unserer Ernährung, unserer Gesundheit – und unserer wirtschaftlichen Stabilität. Unternehmen, die Verantwortung ernst nehmen, können konkret und strategisch sinnvoll zum Schutz beitragen. Nicht allein, sondern im Schulterschluss mit NGOs, Förderprogrammen wie bengo und der strategischen Unterstützung der SSP. So entsteht ein Engagement, das wirkt – ökologisch, sozial und wirtschaftlich.
Mehr erfahren und beraten lassen:
Servicestelle für Stiftungen und Philanthropie (SSP)
Beratung zu CSR, Förderung & Projektpartnerschaften
Johanna Schwarz ist Redaktionsmitglied des CSR-Magazins forum Nachhaltig Wirtschaften. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Bodenschutz, Gesellschaft & Politik sowie zukunftsorientierte Lösungsansätze.
Quelle: Engagement Global gGmbH
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