Die Geheimnisse der Papierindustrie
Bäume retten am laufenden Band: Wo liegen die Pain Points beim Papierrecycling – und wie werden aus bunten Werbeprospekten überhaupt weiße Hygienepapiere?
Jede Tonne recyceltes Altpapier bewahrt durchschnittlich 21 Bäume vor der Abholzung [1]. Denn jede einzelne Faser kann etwa acht bis zehn Mal wiederverwertet werden. Mit der Aufbereitung des Rohstoffs Altpapier leisten Unternehmen also einen echten Beitrag zum Umweltschutz. Der Weg vom Altpapier zur Rohfaser für neue Papierprodukte birgt allerdings einige Herausforderungen und ist sehr energieintensiv. Zum einen unterliegt der Rohstoff hohen Preisschwankungen. Zum andern finden sich allerlei Müll und andere Störstoffe darin, die aufwändig herausgefiltert und ihrerseits teuer entsorgt werden müssen. Zudem werden beispielsweise grafische Papiere mit Füllstoffen zugesetzt, die den Fasergehalt reduzieren und in vielen Produktarten wie Hygienepapieren nicht vorkommen dürfen. Geraten überdies Kleb- und Farbstoffe beispielsweise aus Werbeprospekten in die Aufbereitungsanlage, kann dies zu Problemen führen und die Qualität der Endprodukte beeinträchtigen. Was macht Kimberly-Clark Professional™ also mit unserem Altpapier, um diese Hürden zu überwinden und daraus hochwertige Hygieneartikel wie Papierhandtücher und Toilettenpapier herzustellen?
Wie gelangen Bowlingkugeln, Perserteppiche und Ottomotoren nach Koblenz ins Kimberly-Clark-Werk? Ganz einfach: über das Altpapier. Größere Gegenstände und Kuriositäten wie diese sind nicht die einzigen Störstoffe, die dort in zahlreichen, energieintensiven Arbeitsschritten aus dem Rohstoff herausgetrennt und ihrer rechtmäßigen Entsorgung zugeführt werden müssen, bevor aus den übrig gebliebenen und gereinigten Rohfasern neue Papierprodukte hergestellt werden können. Auch die Art des Altpapiers macht es den Recyclingexperten oftmals nicht einfach. So werden etwa grafische Papiere mit einer Beschichtung bzw. bis zu 30 Prozent Füllstoffanteil versehen, damit sie besser bedruckbar sind. Diese können in Hygienepapieren, die Kimberly-Clark Professional™ selbst herstellt, allerdings nicht genutzt werden und reduzieren den wiederverwertbaren Faseranteil drastisch. Auch Klebstoffe lassen sich im Altpapier nur schwer entfernen und drohen, Maschinenteile zu blockieren, während ein zu hoher Anteil meist roter oder grüner Farbe in der Anlage Gefahr läuft, sich als sogenannter Einfärber festzusetzen und mehrere Stunden Produktion zunichte zu machen. Hinzu kommen schließlich hohe Preisschwankungen des Rohstoffs selbst, welche die Aufbereitung von Altpapier zeitweise unrentabel machen.
Pro Stunde werden bei Kimberly-Clark in Koblenz etwa zehn Tonnen Altpapier aufbereitet. Hierzu wird das Rohmaterial zunächst in einem Hochkonsistenz-Pulper mit warmem Wasser bis zu einer Faserdichte von zwölf bis 16 Prozent aufgefüllt und anschließend in mehreren Schritten mithilfe von mechanischer Energie getrennt sowie sortiert. Angetrieben durch einen Rotor reiben die Fasern dabei aneinander, um nach und nach Schmutz sowie Druckerfarbe zu lösen. Über zwei Lochplatten mit einem Durchmesser von 24 mm und 8 mm wird in einem ersten Schritt klassischer Restmüll aussortiert, was etwa drei bis sechs Prozent der Masse entspricht. Darunter fallen größere Gegenstände und Plastikfolien, die einen erheblichen Anteil im Hausmüll ausmachen, aber auch Steine und Drähte, die häufig zum Fixieren der gepressten Altpapierballen verwendet werden und so in der Anlage landen. Sogenannter Schwerschmutz wie Sand und Büroklammern wiederum werden in einem Hochkonsistenz-Stichstoffreiniger mithilfe des Zyklonprinzips abgeschieden. Anschließend wird das Fasergemisch durch weitere Siebe mit Lochgrößen zwischen 2,5 mm und 0,15 mm sowie einer weiteren Cleaner-Stufe mit mehreren, parallel geschalteten Zyklon-Reinigungsstufen auch von feinster Verschmutzung wie winzigen Sandteilen und Aschen befreit.
Aus herkömmlichem Altpapier kann die Aufbereitungsanlage von Kimberly-Clark Professional™ auf diese Weise bis zu 65 Prozent der Fasern recyceln. Verloren gehen aufgrund der Aschen durch zugesetzte Füllprodukte und Reststoffe lediglich rund 30 Prozent; bei den übrigen fünf Prozent handelt es sich um Fasern, die den Zyklus bereits mehrfach durchlaufen haben und dadurch mit der Zeit zu kurz geworden sind. Im Fall von Handtuchpapier, das Kimberly-Clark Professional™ im Rahmen des RightCycle™ Service bei ihren Kunden separat sammelt und auf einer ähnlichen Anlage aufbereitet, beträgt die Recyclingeffizienz sogar 90 bis 95 Prozent, denn hier müssen weder Plastikmüll noch Aschen abgeschieden werden. Da jede Faser in Deutschland rund acht bis zehn Mal wiederverwertet werden kann, handelt es sich dabei um echte Wertschöpfung – und zugleich einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz. Immerhin verhindern die Altpapieraufbereitungsanlagen die Abholzung ganzer Wälder: Jede Tonne recyceltes Altpapier rettet durchschnittlich 21 Bäume [1]. Pro Tag bereitet Kimberly-Clark in Koblenz rund 220 Tonnen davon auf.[1] Die Schätzungen der Auswirkungen von Bäumen wurden mit dem Environmental Paper Network Paper Calculator Version 4.0 vorgenommen. Weitere Informationen: www.papercalculator.org
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