Christoph Quarch
Gesellschaft | Politik, 13.12.2023
Es liegt an uns selbst, ob die Erklärung von Dubai historisch sein wird oder nicht.
Christoph Quarchs Fazit von COP 28
Am Ende überwog die Erleichterung. Zumindest bei Bundesaußenministerin Annlena Baerbock, die das finale Dokument der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai als Signal dafür deutete, dass „die Welt das Ende des fossilen Zeitalters beschlossen hat". Selbstverständlich war das nicht. Keine 48 Stunden vor der Einigung sah es noch ganz danach aus, dass sich die aus knapp 200 Staaten angereisten Delegierten nicht auf ein klares Votum für den Ausstieg aus fossilen Energien verständigen würden. Am Ende gab es dann aber doch eine Einigung; für die einen ein historischer Erfolg, für die anderen eine Mogelpackung. Was soll man davon halten? Darüber sprechen wir mit unserem Philosophen Christoph Quarch.

Herr Quarch, hat mit der COP28-Abschlusserklärung eine neue menschheitsgeschichtliche Epoche begonnen?
Um das zu beurteilen, ist es noch ein bisschen zu früh. Aber eines kann man jetzt schon sagen: Das Schlussdokument weist in die richtige Richtung – und damit ist schon mal viel gewonnen. Ob sich die Weltwirtschaft, die Ölindustrie, die OPEC-Staaten und letztlich wir alle dann auch in diese Richtung bewegen, steht auf einem anderen Blatt. Dafür wird noch sehr viel Arbeit nötig sein. Aber viel mehr als eine solche Wegweisung war von dieser Konferenz nicht zu erwarten. Immerhin saßen in Dubai auch diejenigen mit am Tisch, deren Macht und Reichtum von fossiler Energie abhängt. Da ist ein Kompromiss mit Signalwirkung schon ein echter Erfolg.
UN-Generalsekretär António Guterres beklagt, dass sich die Staatengemeinschaft nur auf eine Abkehr, nicht aber auf einen Ausstieg aus fossiler Energie verständigt habe. Ein kompletter Ausstieg sei aber notwendig, um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken.
Da hat er sicher Recht, aber das sollte nicht den Blick dafür trüben, dass nun zum ersten Mal überhaupt in einer internationalen Erklärung das Ende der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen als Ziel formuliert wird. Nun wird es entscheidend darauf ankommen, diesen Umstand zu würdigen und als die positive und ermutigende Essenz der COP28-Verhandlungen herauszuarbeiten – ganz so, wie Annalena Baerbock es tut, wenn sie das Papier so deutet, als habe damit die Welt das Ende des fossilen Zeitalters beschlossen. Wenn genau das als Botschaft in den Köpfen ankommt, wäre viel gewonnen. Vor allem deshalb, weil damit klar ist, dass es ab jetzt lohnt, politisch und ökonomisch in alternative Energiegewinnung zu investieren. Gerade die Wirtschaft braucht solche klaren Signale.
Umweltverbände werfen der Abschlusserklärung vor, sie lasse zu viele Schlupflöcher, die es den Energiekonzernen am Ende doch erlauben, weiter fossile Rohstoffe zu ihren Gunsten auszubeuten.
Egal, was die Weltgemeinschaft beschließt: Diese Gefahr besteht immer. Es wäre völlig naiv zu glauben, dass Länder wie Russland oder der Iran aus der Nutzung ihrer fossilen Brennstoffe aussteigen; oder dass Energiekonzerne sich wegen eines UN-Papiers von Wölfen in Lämmer verwandeln. Nein, der Hebel liegt woanders: Der Hebel liegt da, wo Geld investiert wird; in der Privatwirtschaft, aber auch in der Politik. Es ist ein schöner Zufall, dass sich zeitgleich zur COP28 die Ampelspitzen auf den Bundeshaushalt für 2024 einigen konnten. Die darin vorgesehenen Anreize für die Energiewende sind der richtige Weg. Hier liegen enorme Chancen für die Wirtschaft, die wir nun tatkräftig nutzen müssen.
Das wird aber nur gelingen, wenn auch die Industrie und die Verbraucher mitziehen – was aber unwahrscheinlich ist, wenn die Energiewende zunächst mal höhere Energiekosten bedeutet.
Es kommt alles darauf an, wie der Prozess moderiert wird. Es ist für mich zunehmend unerträglich, wie schnell wir in Politik und Medien dabei sind, alles schlecht zu reden und jede Veränderung per se abzulehnen. Mit dieser Haltung werden wir den Herausforderungen der Zukunft nicht gewachsen sein. Wir sollten positiv denken, Zuversicht verbreiten, die Chancen sehen: die Chancen zu einem Aufbruch in ein postfossiles Zeitalter mit mehr Lebensqualität. Es liegt an uns selbst, ob die Erklärung von Dubai historisch sein wird oder nicht. Sie wird es sein, wenn wir anfangen, an einem Strang zu ziehen und in einer gemeinsamen Anstrengung unser Land umzubauen – ja mehr noch: Europa zu einem grünen Kontinent zu machen.

Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.
Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel".
Weitere Artikel von Christoph Quarch:
Erfolgreicher Kinostart von "The Odyssee" in USA
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
"Die Odyssee" von Christopher Nolan ist angelaufen - ein Film, der schon vor der Premiere kontrovers diskutiert wurde. Lobeshymnen kommen aus der Gaming-Branche, die sich an der epischen Bildsprache ergötzt, griechische Medien beklagen, dass keine griechischen Akteure gecastet wurden. Und Elon Musk ereifert sich mit rechten US-Influencern darüber, dass die Rolle der schönen Helena von einer Farbigen gespielt wird.
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
"Die Odyssee" von Christopher Nolan ist angelaufen - ein Film, der schon vor der Premiere kontrovers diskutiert wurde. Lobeshymnen kommen aus der Gaming-Branche, die sich an der epischen Bildsprache ergötzt, griechische Medien beklagen, dass keine griechischen Akteure gecastet wurden. Und Elon Musk ereifert sich mit rechten US-Influencern darüber, dass die Rolle der schönen Helena von einer Farbigen gespielt wird.
Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
Sommerzeit ist Volksfestzeit: Ob Kirmes, Schützenfest oder Jahrmarkt - an vielen Orten werden im Juli und August die Festzelte aufgebaut. Nicht nur zur Freude der Besucher, sondern auch einer ganzen Branche: Tatsächlich haben sich Volksfeste hierzulande zu einem erfolgreichen Wirtschaftszweig entwickelt. Mit Stolz vermeldet der Deutsche Schaustellerbund DSB, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 große und kleine Volksfeste von mehr als 200 Millionen Menschen besucht werden.
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
Sommerzeit ist Volksfestzeit: Ob Kirmes, Schützenfest oder Jahrmarkt - an vielen Orten werden im Juli und August die Festzelte aufgebaut. Nicht nur zur Freude der Besucher, sondern auch einer ganzen Branche: Tatsächlich haben sich Volksfeste hierzulande zu einem erfolgreichen Wirtschaftszweig entwickelt. Mit Stolz vermeldet der Deutsche Schaustellerbund DSB, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 große und kleine Volksfeste von mehr als 200 Millionen Menschen besucht werden.
By the dawn's early light
Christoph Quarchs Überlegungen zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Am 4. Juli jährt sich zum 250. Mal die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, mit der sich 13 nordamerikanische Kolonien von der britischen Krone lossagten und damit den Grundstein für die heutige USA legten. Und nicht nur das: Die Autoren - allen voran Thomas Jefferson - begründeten ihren Schritt durch die Berufung auf allgemeine und unveräußerliche Menschenrechte.
Christoph Quarchs Überlegungen zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Am 4. Juli jährt sich zum 250. Mal die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, mit der sich 13 nordamerikanische Kolonien von der britischen Krone lossagten und damit den Grundstein für die heutige USA legten. Und nicht nur das: Die Autoren - allen voran Thomas Jefferson - begründeten ihren Schritt durch die Berufung auf allgemeine und unveräußerliche Menschenrechte.
Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Wenn der Sommer heiß läuft, zieht es die Menschen hinaus in die Natur. Wälder und Seen, Berge und Flüsse verheißen nicht nur eine willkommene Abkühlung, sondern auch einen wohltuenden Tapetenwechsel; der jedoch nicht immer gelingt. Denn Hitze und Trockenheit machen auch der Natur zu schaffen. Kahlschlag im Wald, Quallen im Meer und Blaualgen im Badesee können einem die Urlaubsfreude vergällen.
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Wenn der Sommer heiß läuft, zieht es die Menschen hinaus in die Natur. Wälder und Seen, Berge und Flüsse verheißen nicht nur eine willkommene Abkühlung, sondern auch einen wohltuenden Tapetenwechsel; der jedoch nicht immer gelingt. Denn Hitze und Trockenheit machen auch der Natur zu schaffen. Kahlschlag im Wald, Quallen im Meer und Blaualgen im Badesee können einem die Urlaubsfreude vergällen.
Spielerischer Wettbewerb oder klassischer Wettkampf?
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die Bundesjugendspiele
Wenn es auf die Sommerferien zugeht, stehen in den Schulen die Bundesjugendspiele auf dem Programm. Doch die sind inzwischen zum politischen Zankapfel geworden. Spätestens, seit die Kultusministerkonferenz den Beschluss fasste, die Bundesjugendspielen so umzugestalten, dass es bei ihnen vor allem um die Freude an der Bewegung gehen soll, reißt die Kritik konservativer Bildungspolitiker nicht ab.
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die Bundesjugendspiele
Wenn es auf die Sommerferien zugeht, stehen in den Schulen die Bundesjugendspiele auf dem Programm. Doch die sind inzwischen zum politischen Zankapfel geworden. Spätestens, seit die Kultusministerkonferenz den Beschluss fasste, die Bundesjugendspielen so umzugestalten, dass es bei ihnen vor allem um die Freude an der Bewegung gehen soll, reißt die Kritik konservativer Bildungspolitiker nicht ab.
Frau Reiche – es reicht!
forum 03/2026
- Resilienz
- Klimafinanzierung
- Wald
- Startups
Kaufen...
Abonnieren...
22
JUL
2026
JUL
2026
3-30-300: Mehr Grün in die Stadt
Im Rahmen der Serie "München 'grüner' machen"
80336 München und online
Im Rahmen der Serie "München 'grüner' machen"
80336 München und online
15
SEP
2026
SEP
2026
24
NOV
2026
NOV
2026
Forum Solar Plus - Frühbucherpreis bis 27. Juli
Die erneuerbare Energiewelt im Fokus - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
10178 Berlin
Die erneuerbare Energiewelt im Fokus - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
10178 Berlin
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Wissenschaft & Forschung
Artemis und OrionChristoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Jetzt auf forum:
Sondervermögenstracker: Jeder fünfte Euro aus dem KTF ist nicht klimawirksam
Von der Idee ins Machen: Warum der nächste Schritt leichter ist, wenn man ihn nicht alleine geht
Genuss braucht Qualität und Qualität braucht nachhaltige Landwirtschaft
110,396 cigarette butts collected in one month
Sonae Arauco legt ersten Nachhaltigkeitsbericht vor
Regional die Energiewende mit Hilfe von Wasserstoff voranbringen





















