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Walter Link

Eine Dosis Optimismus in Krisenzeiten

Das Buch „Das Ende des billigen Wohlstands“

In seinem neuen Buch zeigt der Journalist und Ökonom Wolfgang Kessler gangbare Wege zu einer enkeltauglichen Wirtschaft.

Kein Zweifel, Wolfgang Kessler ist nicht der erste Buchautor, der mit den gängigen neoliberalen Glaubenssätzen, wonach der freie Markt alles regelt und Wachstum über alles geht, hart ins Gericht geht. Die Stärke seines Buches liegt jedoch darin, dass er sich nicht allzu lange mit detaillierten Analysen der Krisen und Widersprüche aufhält, sondern sich bald zu alternativen Wegen vortastet. Statt sich einseitig für oder gegen Wachstum zu stellen, fordert Kessler zum Beispiel ein neues Gleichgewicht zwischen Wachstum und Schrumpfung. Demnach sollen jene Wirtschaftsbereiche schrumpfen, die dem Klima schaden und Ressourcen verschleudern, und nur noch jene wachsen, die klimaverträglicher sind und Ressourcen sparen helfen. Durch diesen Gleichklang von Wachsen und Schrumpfen könnte die Wirtschaft nachhaltiger und langlebiger werden, „ohne dass sie Zusammenbruch und Arbeitslosigkeit und Massenarmut hinterlässt, was bei radikaler Schrumpfung nicht ausgeschlossen wäre", so Kessler.
 
Beispiele, die zeigen, dass es geht
Sind Alternativen zur gegenwärtigen Wachstumswirtschaft überhaupt durchsetzbar? Kessler beantwortet diese Frage, indem er praktizierte Beispiele vorstellt. Da ist zum Beispiel der Plan der Großstadt Amsterdam, die bis zum Jahre 2030 zu 50 Prozent und bis 2050 zu 100 Prozent auf eine Kreislaufwirtschaft umsteigen will. Es ist ein gewagter Plan, doch es existieren bereits Gebäude, die ausschließlich aus Materialien gebaut wurden, die anderswo in Amsterdam abgerissen wurden. Und da sind die Länder Schweden und Österreich, die Prämien für Reparaturen von Geräten gewähren; in Schweden entfallen darauf sogar niedrigere Steuersätze. Darin sieht Kessler erste Schritte hin von der Verschwendungswirtschaft zu einer Langfristökonomie.
 
Auch die internationale Perspektive fehlt nicht. Statt weltweiter Arbeitsteilung brauche es mehr regionale Förderung von Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft. Handelsabkommen und Zollfreiheit sollten an Sozial- und Klimavorgaben für Unternehmen gebunden werden. Statt klassischer Entwicklungshilfe und industrieller Landwirtschaft sollten einheimische Pflanzen und Tiere gefördert werden, damit gerade die Länder des Südens unabhängig werden von Nahrungsmittelimporten. Das afrikanische Uganda zeigt, wie das gelingen kann.
 
Eine Dosis Optimismus
Last but not least wagt sich Kessler auch auf holpriges Terrain vor: Er sucht Wege, wie unser Konsum nachhaltiger werden kann ohne allzu unpopuläre Eingriffe in das Privatleben. Zum Beispiel stellt er die Klimakreditkarte einer finnischen Bank vor, deren Kontoauszug auch über den ökologischen Fußabdruck informiert, der durch den eigenen Konsum entstanden ist. Und einen Supermarkt, der auf einer zweiten Preistafel auch die Umweltkosten seiner Produkte ausweist. Beides sind Versuche, die Auswirkungen des Konsums auf das Klima bewusster zu machen.
 
Die Botschaft des Buches lautet: Radikale, schnelle Veränderungen sind schwierig. Aber ein stetiger Wandel durch verschiedene Schritte ist möglich, wie viele Praxisbeispiele zeigen. Insofern hat Gerhard Schick, der Vorsitzende der Bürgerbewegung Finanzwende, durchaus recht, wenn er zu Kesslers Buch twitterte: „Dieses Buch eignet sich als Lektüre für Menschen, die angesichts verschiedener Krisen eine Dosis Optimismus brauchen können."

Wolfgang Kessler:

Das Ende des billigen Wohlstands.

Wege zu einer Wirtschaft, die nicht zerstört.
Publik-Forum Verlag, 16 Euro. 
Walter Link


     
        
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