Garten-PV - Grüner Strom aus eigenem Anbau.
Christoph Quarch

Arbeitspflicht für Migranten

Christoph Quarch sieht viele Vorteile darin, Flüchtlingen die Chance auf Arbeit zu geben.

Kein Thema beschäftigt die Deutschen derzeit so sehr wie der Zuzug von Migranten und Flüchtlingen. Und die Politik reagiert. Ein von Bundeskanzler Olaf Scholz eilends einberufener Migrationsgipfel, zu dem auch die oppositionelle CDU geladen wurde, sollte Lösungen finden. Einer der Vorschläge, die dabei auf dem Tisch liegen, kommt vom Landeskreistag. Darin fordern die Kommunalpolitiker eine Arbeitspflicht für Migranten – ein Vorschlag, der von Arbeitsminister Hubertus Heil positiv aufgegriffen wurde. Kritik hingegen kommt von der Linken, die bemängelt, eine Arbeitspflicht sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Pragmatismus oder Moral – was ist hier gefordert? Darüber reden wir mit unserem Philosophen Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, ist es ethisch vertretbar, Flüchtlinge und Asylbewerber darauf zu verpflichten, in Deutschland eine Arbeit anzunehmen?
© geralt, pixabay.comIch halte den Vorschlag des Landeskreistag für moralisch unbedenklich. Menschen, die nach Deutschland kommen und hier Hilfeleistungen in Anspruch nehmen, können vom Staat durchaus dazu verpflichtet werden, in Gestalt von Arbeit etwas an die aufnehmende Gesellschaft zurückzugeben. Dafür ist noch nicht einmal eine Gesetzesänderung nötig, denn soweit ich das übersehen kann, erlaubt es die aktuelle Rechtslage schon jetzt, Asylbewerber für gemeinnützige Arbeiten heranzuziehen. In einem ersten Schritt ginge es also nur darum, das bestehende Recht zur Anwendung zu bringen. 

Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, leiden häufig unter traumatischen Erfahrungen, die zu verarbeiten viel Zeit kostet. Andere sind aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen oder der Sprachbarriere nicht arbeitsfähig.
Dass nur solche Menschen zur Arbeit verpflichtet werden können, die physisch und psychisch dazu in der Lage sind, versteht sich von selbst. Allerdings lehrt die Erfahrung, dass gerade bei psychischer Belastung eine regelmäßige Arbeit eine therapeutische Wirkung entfalten kann. Es ist gut, wenn Menschen nicht zur Tatenlosigkeit verdammt sind. Es steigert ihr Selbstwertgefühl, wenn sie etwas schaffen können. Es fördert ihre Integration, wenn sie mit anderen zusammenarbeiten können. Und die Sprachbarriere spielt bei vielen Berufen keine große Rolle. Im Gegenteil: durch gemeinsames Tun wird der Spracherwerb beschleunigt.

Das setzt voraus, dass es in den Betrieben und öffentlichen Einrichtungen genügend Kapazitäten gibt, um Migranten die erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln – die Kapazitäten und die Bereitschaft.
Da steckt sicher ein Problem, denn die aktuellen Erfolge der AfD zeigen ja, wie viel Fremdenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft wabert. Umgekehrt gibt es aber leuchtende Beispiele, die zeigen, dass man mit wenig Aufwand Migranten in Arbeit bringen und genau auf diese Weise die Fremdenfeindlichkeit bekämpfen kann. Ich denke da an die Gemeinde Hebertshausen in Bayern, die fünfmal mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als vorgesehen. Warum? Weil sich dort einige Bürger zusammengetan haben, um die Neuankömmlinge schnell in Arbeit zu bringen. Und es funktioniert. Die Handwerksbetriebe haben Azubis, der Bäcker hat wieder Angestellte, die Sozialkassen werden entlastet, die Menschen sind zufrieden und die AfD liegt weit unter dem Landesdurchschnitt.

Aber lässt sich dieses Beispiel auf andere Kommunen übertragen? Nicht überall gibt es genügend Jobs – und nicht überall findet man couragierte Bürger.
Das ist richtig, aber es bringt uns in der Migrationsdebatte nicht weiter, wenn wir immer nur auf die Ängste der Bürgerinnen und Bürger starren – zumal diese weitgehend irrational sind und sich mehr einer rechtspopulistischen Propaganda verdanken als eigenen Erfahrungen. Hier ist ein gesunder Pragmatismus gefragt – zumal in einer Zeit, in der überall Arbeitskräfte gesucht werden. In einer solchen Lage ist es nicht unmoralisch, Menschen die Chance auf Arbeit zu geben, sondern sie ihnen aufgrund diffuser Ängste oder Stimmungsmache zu verweigern. Deshalb wünsche ich mir vom Migrationsgipfel, dass hier rasch konstruktive Schritte zur Einführung einer Arbeitspflicht verabredet werden – und der Oppositionsführer endlich seine fremdenfeindliche Stimmungsmache einstellt.
 
Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch
Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de

Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 

Weitere Artikel von Christoph Quarch:

Teamgeist und Zusammenhalt
Christoph Quarchs Überlegungen zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft
„Elf Freunde sollt ihr sein!" „Das Team ist der Star." Wenn ein großes Fußballturnier bevor steht, werden von Spielern, Trainern und Funktionären gerne Teamgeist und Zusammenhalt beschworen. Und wenn Themen wie diese erst einmal öffentlich benannt werden, dann dauert es zumeist nicht lange, bis sich Politiker und Wirtschaftskapitäne finden, die diese Stichworte bereitwillig aufgreifen und die Gesellschaft im Ganzen oder auf Betriebe und Unternehmen anwenden.


Magnifica Humanitas - Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Christoph Quarch begrüßt die Enzyklika von Papst Leo XIV. als wertvollen Debatten-Beitrag
Am Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika mit dem Titel "Magnificat Humanitas" veröffentlicht. Worum es darin geht, verrät der Untertitel dieses Lehrschreibens: "Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz". Erstmals befasst sich darin das Oberhaupt der katholischen Kirche mit ethischen Fragen der Informationstechnologie; und er bezieht eine klare Position.


Keine Zeit für Kinder und Zukunft
Christoph Quarch analysiert die Vergleichsstudie der UNICEF zur Kinderarmut
Selbst in Rumänien oder der Slowakei wachsen Kinder unter besseren Bedingungen auf als hierzulande. Zu diesem Ergebnis kommt eine unlängst vom Kinderhilfswerk UNICEF veröffentlichte internationale Vergleichsstudie, bei der Deutschland nur den 25. Platz von 37 bewerteten Ländern belegt. So ist die Kinderarmut in Deutschland mit 15 Prozent überdurchschnittlich hoch.


Väterliche Güte - Liebe, Wohlwollen, Vertrauen
Zum Vatertag überlegt Christoph Quarch, was einen guten Vater ausmacht
Der Tag, an dem Gläubige seit Jahrhunderten das Fest der Himmelfahrt Christi begehen, ist den meisten nur noch unter dem Namen "Vatertag" geläufig. Die Überlappung beider Feste hat ihren Ursprung im späten 19. Jahrhundert, als unter Männern vor allem in Berlin und Umgebung das Brauchtum entstand, den Festtag für eine damals sogenannte "Herrentagspartie" zu nutzen.


Artemis und Orion
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Wenn alles nach Plan verläuft, kehrt am Samstag die vierköpfige Crew der Mondmission Artemis 2 zur Erde zurück. Zehn Tage werden dann die drei Astronauten und eine Astronautin in ihrer Orion-Kapsel unterwegs gewesen sein, um Erkenntnisse und Informationen zu der für 2028 geplanten Mondlandung der Artemis 3 zu sammeln. Und das alles mit dem Fernziel einer Marsmission.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
30
JUN
2026
Circular Tech Hub
Europe’s Largest Tech, Startup & Digital Investment Event
14055 Berlin
28
SEP
2026
Zertifikatskurs „Sustainability Management“
Wir verbinden Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit!
95447 Bayreuth
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Bildung

Keine Zeit für Kinder und Zukunft
Christoph Quarch analysiert die Vergleichsstudie der UNICEF zur Kinderarmut
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Garten-PV - Den besten Stromtarif gibt es im Garten.

Jetzt auf forum:

Teamgeist und Zusammenhalt

VerpackDG: Über §26 mehr europäisches Recycling fördern

Jean Ziegler: Unermüdlicher Kämpfer für das Recht auf Nahrung

Alles beginnt jetzt. Auf der Straße. Im Kopf. Im Herzen.

Neuer Marktplatz für Kreislaufwirtschaft in Planung

Lebensmitteltaugliche Rezyklate aus dem Gelben Sack – Interzero leistet Pionierarbeit

DGNB entwickelt neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere

CBD im Alltag: Fünf Anwendungsformen und ihre Eigenheiten

  • ZamWirken e.V.
  • NOW Partners Foundation
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • SUSTAYNR GmbH
  • circulee GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • 66 seconds for the future
  • WWF Deutschland
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG