66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen
Christoph Quarch

Der deutschen Maskenbranche droht das Aus

Christoph Quarch warnt davor, sich wieder von China abhängig zu machen

Es ist noch gar nicht lange her, da waren wir alle maskiert: Egal ob FFP-2 oder medizinisch: Masken waren nicht nur gefragt, sondern notwendig. Grund genug, mit großer Geschwindigkeit in Deutschland eine heimische Produktion aufzubauen. Vor allem, weil Covid uns deutlich vor Augen geführt hatte, wie gefährlich es ist, bei medizinischen – aber auch anderen sensiblen Produkten – von Ländern wie der VR-China abhängig zu sein. Doch nun droht der Branche das Aus. Spätestens im Jahr 2025 werde alles wieder so sein wie vor Corona, erklärt Verbandssprecher Stefan Bergmann. Trotz staatlicher Förderung seien die Schulden der Unternehmen zu hoch. Also müsse man wieder in China einkaufen. Sind die Lehren der Covid-Zeit schon vergessen? Darüber sprechen wir mit dem Philosophen Dr. Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, haben wir nichts aus der Krise gelernt?
© Alexandra Koch, pixabay.comSo sieht es aus. Und das ist nicht gut. Zumal man befürchten muss, dass der Niedergang der heimischen Maskenproduktion symptomatisch ist für einen Trend, der auch sonst in der Geschäftswelt zu beobachten ist: Back to normal. Dabei heißt „normal": Hauptsache Profit bzw. Hauptsache Kosten sparen. Gekauft wird, wo es am billigsten ist. Und wenn die Masken aus China trotz steigender Transportkosten billiger sind, dann zwingt die ökonomische Rationalität, sie dort zu kaufen. Solange sich diese Denkweise nicht ändert, werden wir munter damit weitermachen, die Feinde der Demokratie stark zu machen, bis wir uns – siehe Russland – eines Tages verdutzt die Augen reiben und uns fragen, ob wir vielleicht naiv waren. 

Vielen steht es aber gar nicht frei, einzukaufen wo sie wollen. Krankenhäuser und Behörden etwa unterliegen einem Ausschreibungsverfahren, das sie zu kostengünstigen Käufen zwingt.
Da liegt der eigentliche Skandal. Denn es wäre ein Leichtes, diese Verordnungen auszusetzen oder zu ändern. Es mag ja vernünftig sein, öffentliche Einrichtungen dazu zu verpflichten, sparsam zu wirtschaften – aber wenn das dazu führt, dass gefährliche politische Abhängigkeiten entstehen, dann müssen die wirtschaftlichen Kriterien zurücktreten; genauso, wenn es dazu führt, dass Kliniken oder andere Organisationen unterversorgt bzw. kaputtgespart werden; oder dass sie mit minderwertigem Material ausgestattet werden. Gerade was China angeht, hat sich schon oft die schwäbische Weisheit bestätigt: Wer billig kauft, kauft zweimal. 

Eine FFP2-Maske aus deutscher Produktion kostet etwa 10 Cent mehr als eine chinesische. Wollen Sie heimische Einkäufer wirklich dazu zwingen, so viel mehr Geld auszugeben?
Ja. Und warum sollte das nicht möglich sein? Frankreich macht es vor. Dort wurden vor Covid 97 Prozent der Masken aus China importiert. Daraufhin erlies das Gesundheitsministerium eine Verordnung, die allen öffentlichen Einrichtungen vorschreibt, nur noch Masken aus Frankreich oder der EU zu kaufen. Und was noch wichtiger ist. Es wurde festgelegt, dass der Preis beim Vergabeverfahren nicht mehr ausschlaggebend sein darf. Dadurch werden soziale, ökologische und – vor allem – sicherheitspolitische Aspekte aufgewertet. Und das ist an der Zeit. Denn wir können es uns heute einfach nicht mehr leisten können, bei sensiblen Gütern auf den freien Markt zu setzen. Zumal der freie Markt eine Farce ist. Alle Welt weiß, das chinesische Produkte staatlich gesponsert werden und es von daher ohnehin keinen fairen Wettbewerb gibt.

China ist nach der EU Deutschlands wichtigster Handelspartner. Können wir es uns wirklich leisten, diesem Land gegenüber forscher aufzutreten?
Wir haben keine andere Wahl, wenn wir nicht Freiheit und Demokratie aufs Spiel setzen wollen. Es ist ja gut und schön, wenn staatliche Verordnungen vorschreiben, dass es beim Einkauf von Produkten aus dem Ausland keine Diskriminierung geben darf. Aber es kann nicht sein, dass das der Deckmantel dafür wird, politische Dummheiten zu begehen. Muss China erst Raketen auf Taiwan feuern, bevor wir aufhören, das Land mit unserem Geld zu fluten? China macht aus seinen imperialistischen Ambitionen kein Geheimnis. Deshalb muss die Bundesregierung hier reingrätschen und ein Zeichen setzen. Schluss mit dem Einkauf von Masken aus China. Zumal, wenn man hierzulande eine leistungsfähige Industrie aufgebaut hat. Und auch das kann nur der erste Schritt auf dem Weg sein, in allen – wirklich allen – Branchen, von China unabhängig zu werden. Jetzt ist die Zeit dafür, damit anzufangen.  

Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch
Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de

Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 

Weitere Artikel von Christoph Quarch:

Krankheit und Gesundheit
Christoph Quarch sieht die Stärkung der Resilienz als Weg zur Reduzierung der Krankenstände
Wenn der Winter seinen Höhepunkt erreicht, herrscht in den Arztpraxen Hochbetrieb: Grippe, Erkältung & Co füllen die Wartezimmer und treiben die Krankenstände in die Höhe. Die Politik reagiert besorgt. Nicht so sehr, weil so viele Menschen krank sind, sondern weil so viele von der Arbeit fernbleiben.


Hinterzimmer in Davos
Christoph Quarchs Plädoyer für das persönliche Gespräch ohne Zuschauer als Königsdisziplin der Diplomatie
Alle Welt schaut dieser Tag nach Davos. Staatschefs, Wirtschaftskapitäne, Aktivisten - alle pilgern sie in die verschneiten Schweizer Berge, um beim Weltwirtschaftsforum über die Geschicke der Welt zu beraten. Was dort auf der großen Bühne geschieht, erfährt die Welt in Echtzeit. Die eigentliche Musik aber spielt, wenn man den Auskünften der Teilnehmer folgt, jenseits der Kameras: in den Hinterzimmern und bei den Kamingesprächen.


Mut und Zuversicht im neuen Jahr
Christoph Quarch identifiziert Wohlwollen und Freundlichkeit als Voraussetzung für Beherztheit und Courage
Und wieder liegt ein neues Jahr vor uns. Und wieder fragen wir uns: Was wird das Jahr bringen? Wird es wieder ein Jahr der Krisen, Kriege und Katastrophen? Und wird es ein Jahr der Aufbrüche, Anfänge, Veränderungen? Oder beides? Irgendwie liegt das immer auch an uns - an der Haltung, mit der wir dieses neue Jahr beginnen.


Eine Zeit der "Sinnfinsternis"
Ein Blick auf die neuen Zahlen zur Kindswohlgefährdung macht auch den Philosophen Christoph Quarch sprachlos
Es sind verstörende Zahlen, die das Statistische Bundesamt in dieser Woche vorgelegt hat: Noch nie sind von den Jugendämtern so viele Fälle von Kindswohlgefährdung registriert worden, wie im vergangenen Jahr. Insgesamt 73.000 Meldungen seien eingegangen, 30 Prozent mehr als noch vor 5 Jahren.


Zeit - Ressource oder Kostenfaktor
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf Reformstau und notwendige Investitionen in Infrastruktur und Innovationen
Diese Woche wird nach fünfzehn Wochen Vollsperrung der Mont-Blanc-Tunnel wieder freigegeben. Damit ist rechtzeitig zum Winterbeginn eine der wichtigsten Alpenverbindungen wieder passierbar. Aber das wird sich bald schon wieder ändern, denn die Sanierungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
30
JAN
2026
Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern
Impulse, Herausforderungen und Lösungswege
86159 Augsburg
04
FEB
2026
Solarenergie, Großspeicher und Netzausbau – aber keine Gaskraftwerke!
Im Rahmen unserer Serie "Klima-Strategien"
80336 München und online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Selbstgewählte Einsamkeit
Christoph Quarch analysiert den Trend und empfiehlt, Komfortzonen zu verlassen
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Krankheit und Gesundheit

Aufrüsten für den Frieden?

Tu Du's auf 17 Ziele.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung neu berufen

Sperrmüll vs. Entrümpelungsfirma: Wann lohnt sich professionelle Hilfe?

BAUExpo 2026 vom 20. bis 22. Februar in Gießen

CO2-Preis: Bundesregierung sollte zu Koalitionsvertrag stehen

Start-up Your Dream

  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • Global Nature Fund (GNF)
  • circulee GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • toom Baumarkt GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • WWF Deutschland
  • NOW Partners Foundation