BIOFACH 2023 into organic - Paving the path - Nürnberg, 14.-17.02.2023

„Powered by Women“: Wirtschaftliche Teilhabe fördert Wachstum

Zum Weltfrauentag stellt das Import Promotion Desk drei Unternehmerinnen, ihre Frauen-Teams und ihre erfolgreichen Gründungen vor

Oft unterschätzt nehmen Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine zentrale Rolle bei der Versorgung und Einkommenssicherung ihrer Familien ein. Sie arbeiten in der Landwirtschaft, in der Weiterverarbeitung und im Verkauf. Dennoch sind es meist Frauen, die kaum Zugang zu Bildung, Landbesitz und Krediten haben. Das wirtschaftliche Potenzial der Frauen bleibt ungenutzt. Eine gleichberechtigte Teilhabe am wirtschaftlichen Leben würde nicht nur die Frauen in ihren Rechten stärken, sondern auch das Wirtschaftswachstum in den Ländern fördern. Anlässlich des Weltfrauentages stellt das Import Promotion Desk (IPD) drei Unternehmerinnen aus Äthiopien, Sri Lanka und Kolumbien vor, die illustrieren, welche großen Chancen in der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen liegen. Die Initiative der Importförderung ist in 14 Entwicklungs- und Schwellenländern engagiert und unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen beim Export auf den europäischen Markt. 

© Brundo Spice Company
Erfolgreiches Frauenteam
© Brundo Spice Company„Founded by women and powered by women" – darauf ist die „Brundo Spice Company" aus Modjo in Äthiopien stolz. 85 Prozent des 47-köpfigen Teams sind Frauen. Dazu gehört auch Fetlework Tefferi, Gründerin und Geschäftsführerin der „Brundo Spice Company". Sie trägt das Unternehmerinnen-Gen in sich und hat vor rund 30 Jahren ein äthiopisches Restaurant in den Vereinigten Staaten eröffnet. Jedoch bemerkte sie bald, dass es schwierig war, typisch äthiopische Zutaten und Gewürze zu erhalten, auch weil es an stabilen Lieferketten fehlte. Kurzum entschloss sich Tefferi, die Produktion der äthiopischen Gewürze und die Kontrolle über die Lieferkette selbst zu übernehmen. Sie gründete „Brundo Spice" in Modjo und schnell versorgte das Unternehmen nicht nur das Restaurant, sondern weitere Händler:innen mit Kräutern, Gewürzen und Gewürzmischungen aus Äthiopien. Das IPD unterstützt nun dabei, das Gewürz-Portfolio von „Brundo Spice" auch auf den europäischen Markt zu bringen.

Das Team in Modjo baut die Kräuter und Zutaten für seine Gewürzmischungen selbst an und arbeitet darüber hinaus mit Kleinbäuer:innen aus der Region zusammen. Neben Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung verantwortet das Team auch die Produktion der typischen äthiopischen Gewürzmischungen. Das Sortiment umfasst somit nicht nur getrocknete Bockshornkleesamen, weißen und schwarzen Kreuzkümmel, schwarzen Kardamom, äthiopisches Basilikum u.v.m., sondern auch verschiedene Chili-Pfeffer Mischungen wie Berbere und Mitmita.

Spezialistinnen mit guter Bezahlung
© Savour Route„Savour Route" ist ein Unternehmen aus Sri Lanka, das sich auf die Produktion von hochwertigem Ceylon-Zimt spezialisiert hat. Seit 2021 ist es im IPD-Programm und die IPD-Expert:innen konnten bereits erste Kontakte zu europäischen Importunternehmen knüpfen. Senuri Gamage, die Gründerin von „Savour Route", ist sich sicher, dass sie und ihr Team mit dem feinen und aromatischen Ceylon-Zimt ein besonderes Produkt auf den internationalen Markt bringen. Denn wenige wissen, dass für die Herstellung von Ceylon-Zimt viel Erfahrung und handwerkliche Fähigkeiten benötigt werden. Die Ceylon-Zimtstangen bestehen aus mehreren, ganz fein geschnittenen, ineinandergeschobenen Innenrinden des Zimtbaumes.

Das Team von „Savour Route" – 90 Prozent davon Frauen – sind Expertinnen bei der Bearbeitung der Baumstämme und des feinen Abhobelns der Innenrinde. Viele der Mitarbeiterinnen arbeiten bereits seit vielen Jahren in der Zimtindustrie und haben ihre Technik mit den Jahren verfeinert. Als Spezialistinnen für die Ceylon-Zimtherstellung werden sie sehr gut bezahlt. Die meisten, so Gamage, seien die Ernährerinnen ihrer Familien und würden auch für die Ausbildung ihrer Kinder aufkommen. Andere finden bei „Savour Route" einen Arbeitsplatz, um das Handwerk zu erlernen und sich weiter zu qualifizieren. Für die Gründerin Gamage war es wichtig, Arbeitsmöglichkeiten für Frauen zu schaffen und sie damit auch finanziell unabhängiger zu machen. 

Weitere Qualifikation und Aufstiegschancen
© Montana FruitsNatalia Moranth gründete 2018 „Montana Fruits". Ihre Hauptmotivation war es, nach Stationen im Ausland ihr Heimatland Kolumbien in der Welt bekannt zu machen und die kolumbianische Landwirtschaft zu fördern. Dabei wird sie seit 2019 auch vom IPD unterstützt, die das Unternehmen u.a. auf die internationale Fachmesse Fruit Logistica begleitet hat. Gemeinsam mit Gleichgesinnten entstand das Unternehmen „Montana Fruits", das sich auf die Produktion von frischen Avocados und Passionsfrüchten spezialisiert hat. Es setzt sich hohe Qualitätsmaßstäbe und arbeitet eng mit Kleinbäuer:innen in der Region zusammen, um sie in den landwirtschaftlichen Prozessen zu unterstützen und Standards zu sichern.

Heute arbeiten fast 100 Mitarbeiter:innen bei „Montana-Fruits". 65 Prozent des Montana-Teams sind Frauen. Wichtig für Moranth ist es, Frauen nicht nur eine Beschäftigung und eine Verdienstmöglichkeit zu geben, sondern Frauen zu fördern, weiterzubilden und mit ihnen gemeinsam das berufliche Fortkommen zu planen. Viele Führungspositionen in der Produktion und in der Verwaltung werden bei „Montana Fruits" bereits von Frauen besetzt.

Import Promotion Desk (IPD) 
Das Import Promotion Desk (IPD) ist eine Initiative zur Importförderung in Deutschland. 
Das IPD bildet ein Scharnier zwischen kleinen und mittleren Unternehmen in ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern und europäischen Importeuren. 
Ziel ist es, die Partnerländer in den globalen Handel zu integrieren und damit einen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Ländern zu leisten. 
Das IPD eröffnet Exporteuren aus den Partnerländern den Zugang zum EU-Markt und unterstützt sie beim Aufbau von Handelsbeziehungen. Europäischen Importeuren erschließt das IPD neue Bezugsquellen in den Partnerländern und unterstützt sie beim Beschaffungsprozess bestimmter Produkte. 
Aktuell ist das IPD in 14 Ländern tätig: Ägypten, Äthiopien, Côte d’Ivoire, Ecuador, Ghana, Indonesien, Kolumbien, Marokko, Nepal, Peru, Sri Lanka, Tunesien, Ukraine und Usbekistan. Das IPD fokussiert sich dabei auf bestimmte Branchen: frisches Obst und Gemüse, natürliche Zutaten für Lebensmittel, Pharmazie und Kosmetik, nachhaltige Holzprodukte, Schnittblumen und nachhaltiger Tourismus.
Aufbau und Durchführung des IPD verantwortet die weltweit tätige Entwicklungsorganisation sequa gGmbH in enger Kooperation mit dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA). Gefördert wird das IPD vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Weitere Informationen unter www.importpromotiondesk.de.

Kontakt: Import Promotion Desk (IPD), Sandra Freiberg | freiberg@importpromotiondesk.de

Wirtschaft | Gründung & Finanzierung, 08.03.2022
     
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