Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Christoph Quarch

Schmutzige Geschäfte, Drogenhandel, Geldwäsche und Steuerhinterziehung im großen Stil

Christoph Quarch fordert mit Blick auf die Geschäfte der Credit Suisse die Abschaffung des Bankgeheimnisses.

Es geht um schmutzige Geschäfte, Drogenhandel, Geldwäsche und Steuerhinterziehung im großen Stil. Und das beim zweitgrößten Bankhaus der Schweiz, der Credit Suisse. Unbekannte Informanten haben die Kontodaten von mehr als 30.000 Kunden des Kreditinstituts an internationale Medien zur Auswertung übermittelt. Das Ergebnis der Recherchen ist verstörend: Credit Suisse hat über Jahre hinweg korrupte Autokraten, mutmaßliche Kriegsverbrecher sowie Menschenhändler, Drogendealer und andere Kriminelle als Kunden akzeptiert. Zwar weist die Bank alle Vorwürfe von sich, doch scheinen die geleakten Daten eine andere Sprache zu sprechen: Allen internationalen Vereinbarungen zum Trotz wird das Schweizer Bankgeheimnis nach wie vor für kriminelle Praktiken genutzt. Was sagt das über das Verhältnis von Ethik und Finanzwirtschaft? Darüber sprechen wir mit unserem Philosophen Christoph Quarch.
 
Herr Quarch, ist das Schweizer Bankgeheimnis moralisch noch vertretbar?
Bereits in 'Asterix bei den Schweizern' war der Banksafe neben dem Fondue und der Uhr etwas Urschweizerisches. Dieses Geschäft betreiben Schweizer Bankinstitute auch noch in der Neuzeit. © klarinette71, pixabay.comNein, und es war es auch nie. Schon als in der Schweiz vor mehr als 80 Jahren den Banken vom Gesetzgeber per Strafandrohung verboten wurde, Informationen über ihre Kunden preiszugeben, war das Bankgeheimnis in erster Linie ein Geschäftsmodell, mit dem man Kapital aus dem Ausland anziehen wollte. Es hatte von Anfang an nichts mit Moral und Ethik, Diskretion oder Achtung der Privatsphäre zu tun, sondern diente immer nur dem einheimischen Finanzstandort. Und das mit großem Erfolg. Knapp die Hälfte des von Schweizer Banken verwalteten Vermögens stammt heute von ausländischen Kunden, die offenkundig die dicken Mauern der Zürcher Bahnhofstraße schätzen.

Das beschuldigte Bankhaus und der Schweizer Bankenverband weisen darauf hin, dass die Schweiz schon 2014 dem OECD-Abkommen zum automatischen Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten beigetreten sei und dass man alle daraus resultierenden Regularien beachtet habe.
Die Frage ist, was das genau bedeutet. Es scheint jedenfalls nicht verhindert zu haben, dass Kriminelle und andere obskure Personen aus dem nicht-europäischen Ausland bei der Credit Suisse ihr Geld parken können. Und es ist auch ein Fall bekannt geworden, wonach ein Deutscher Top-Manager auch noch mehrere Konten bei der Credit Suisse führen konnte, als er längst unter Korruptionsverdacht stand. Was ich an alledem so bedenklich finde, ist der Umstand, dass Finanzkriminalität noch immer so wenig Ernst genommen wird. Ich meine, das ganze steuerhinterzogene Geld, das dort auf den Konten liegt, ist schlicht und einfach den Bürgern der entsprechenden Länder gestohlen worden. Von dem Geld aus Menschen-, Waffen- oder Drogenhandel ganz zu schweigen. Da machen sich die Banken wissentlich zu Hehlern von Großkriminellen und haben keinerlei Unrechtsbewusstsein.

Naja, aber ihr Verhalten ist ja nach Maßgabe des Schweizer Rechtes legal.
Ja, aber die Frage ist doch, ob das Schweizer Recht moralisch vertretbar ist, und genau das bestreite ich. Es verstößt eindeutig gegen elementare Gerechtigkeitsprinzipien, wenn es Banken zu Mithelfern bei Straftaten macht. Und es erstaunt mich sehr, dass der einzige mir bekannte Versuch, per Volksentscheidung das Bankgeheimnis abzuschaffen, mit dreiviertel der Stimmen abgeschmettert wurde. Natürlich war da viel Propaganda im Spiel und natürlich profitieren viele Menschen in der Schweiz davon. Aber das allein erklärt nicht, warum wir Finanzkriminalität so unterbewerten. Ich glaube, es liegt daran, dass Geld so herrlich abstrakt ist. Das Blut, das vergossen wurde, um es zu erwerben, klebt nicht an den Scheinen. Da kann doch nichts falsch daran sein, sie bei sich zu verstecken.

Wollen Sie damit sagen, dass das Bankgeheimnis gar nicht das eigentliche Problem ist, sondern vielmehr das Symptom einer an sich problematischen Geldwirtschaft?
Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: das eigentliche Problem ist die Art und Weise, wie wir Geld denken. Geld ist in unserem Verständnis so etwas wie geronnene Energie, pure Potenzialität. Es definiert sich durch das, was man damit machen kann, nicht dadurch, woher es kommt. Das suggeriert, dass Geld neutral und also auch nicht moralisch zu belangen ist. Aber das ist ein Irrtum. Deshalb ist es so wichtig, wenn – wie jetzt – Licht in die Hinterzimmer der Großbanken geworfen wird und die Wahrheit über das Geld erkennbar wird. Nichts tut hier mehr Not als Transparenz. Deshalb muss das Bankgeheimnis weg. Auch wenn zu befürchten steht, dass sich sogleich neue Schlupflöcher auftun werden, z.B. auf den Caiman-Inseln oder in den USA, deren Bankwesen noch undurchsichtiger ist als das Schweizer.
 
Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig Wirtschaften. © Christoph Quarch





Der Bestseller-Autor Christoph Quarch ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
 
In seinem neuen Buch "Begeistern! Wie Unternehmen über sich hinauswachsen" geht's um Fragen wie diese:
Wie kommt der Geist in unsere Unternehmen? – Durch Begeisterung! Und wie entsteht Begeisterung? Anders als die meisten glauben.

Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de.
Als forum-Redakteur zeichnete Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel". 

Weitere Artikel von Christoph Quarch:

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen
Christoph Quarchs Überlegungen zur Sonnenfinsternis am 12. August
Was haben Grönland und Spanien, Portugal und Island gemeinsam? Richtig, von dort aus kann man am kommenden Mittwoch eine totale Sonnenfinsternis beobachten - und zwar eine ganz besondere, weil sich der Schatten des Mondes erst kurz vor Sonnenuntergang so vollständig auf die Erde legen wird, dass auch ungeübte Augen - natürlich durch die entsprechenden Schutzgläser - die flammende Corona der Sonne erkennen können. Dieses Spektakel wollen sich viele Menschen nicht entgehen lassen.


Urlaub machen, wo die Feuerwehr im Dauereinsatz ist?
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die verheerenden Brände in Südeuropa und jetzt auch Schottland
Unermüdlich ringen die Feuerwehrleute im Südwesten Frankreich mit einer beispiellosen Feuersbrunst, vor der Hunderttausende evakuiert werden mussten und die schon ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legte. Auch Spanien kämpft seit Wochen mit Waldbränden. Auf der griechischen Insel Paros mussten die Einwohner an den Strand fliehen, um den Flammen zu entkommen.


Erfolgreicher Kinostart von "The Odyssee" in USA
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
"Die Odyssee" von Christopher Nolan ist angelaufen - ein Film, der schon vor der Premiere kontrovers diskutiert wurde. Lobeshymnen kommen aus der Gaming-Branche, die sich an der epischen Bildsprache ergötzt, griechische Medien beklagen, dass keine griechischen Akteure gecastet wurden. Und Elon Musk ereifert sich mit rechten US-Influencern darüber, dass die Rolle der schönen Helena von einer Farbigen gespielt wird.


Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
Sommerzeit ist Volksfestzeit: Ob Kirmes, Schützenfest oder Jahrmarkt - an vielen Orten werden im Juli und August die Festzelte aufgebaut. Nicht nur zur Freude der Besucher, sondern auch einer ganzen Branche: Tatsächlich haben sich Volksfeste hierzulande zu einem erfolgreichen Wirtschaftszweig entwickelt. Mit Stolz vermeldet der Deutsche Schaustellerbund DSB, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 große und kleine Volksfeste von mehr als 200 Millionen Menschen besucht werden.


By the dawn's early light
Christoph Quarchs Überlegungen zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Am 4. Juli jährt sich zum 250. Mal die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, mit der sich 13 nordamerikanische Kolonien von der britischen Krone lossagten und damit den Grundstein für die heutige USA legten. Und nicht nur das: Die Autoren - allen voran Thomas Jefferson - begründeten ihren Schritt durch die Berufung auf allgemeine und unveräußerliche Menschenrechte.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Niedrigere Strompreise über beschleunigten Umstieg auf Erneuerbare und öffentliche Finanzierung von Stromnetzen erreichbar

Orte für Menschen

Die AnStifter – Eine Welt. Viele Wege. Der Podcast von Engagement Global

Hiroshima und Nagasaki: Der Mahnruf des missachteten Gewissens

Das nachhaltigste Gebäude steht schon

Hitzegipfel jetzt!

36 Grad und es wird immer heißer...

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

B.A.U.M. Insights
  • 66 seconds for the future
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Engagement Global gGmbH
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • SUSTAYNR GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • ZamWirken e.V.