Fritz Lietsch
Lifestyle | Mode & Kosmetik, 01.03.2019
Best Practice in der Supply Chain
GoodTextiles Stiftung – Mitwirken erwünscht
Pioniere der Textilbranche haben sich in der „Chetna Coalition" zusammengeschlossen. Gemeinsam beziehen sie in Indien biologisch angebaute Baumwolle direkt von den Mitgliedern der „Chetna Organic Farmers Association" (COFA).
Mehr als 9.000 in der COFA organisierte Bio-Baumwollbauern bewirtschaften auf einer Gesamtfläche von rund 13.000 Hektar Bio-Baumwolle und sind Fairtrade zertifiziert. Die Landwirtschaft soll sich für sie nachhaltig gestalten und zu hundert Prozent ihren Lebensunterhalt sichern. Die Erzeuger setzen traditionelle Anbaupraktiken ein, verwenden nur gentechnikfreies Saatgut, natürlichen Dünger und verzichten vollständig auf künstliche Bewässerung und Pestizide. Damit schützen sie die Biodiversität auf ihren Anbauflächen. In einem 2017 erbauten Trainingszentrum werden jährlich rund 5.000 Farmer zu nachhaltigem Baumwollanbau geschult. Dank all dieser Maßnahmen konnte der Ernteertrag gesteigert werden: Wurden im Jahr 2007 auf einer Anbaufläche von 4.000 Quadratkilometern noch rund 170-220 Kilogramm Bio-Baumwolle erwirtschaftet, waren es 2018 auf gleicher Fläche schon 270-340 Kilogramm.GoodTextiles Stiftung – Mitwirken erwünscht
Zur weiteren Unterstützung der Bio-Baumwollfarmer sowie deren Familien gründete Dibella im Sommer 2016 die GoodTextiles Stiftung (GTF). Über die unabhängige Einrichtung können sich Unternehmen aktiv für die nachhaltigere Gestaltung von textilen Wertschöpfungsketten engagieren und auf Wunsch eigene Projekte ins Leben rufen. Bei der Ausarbeitung, Empfehlung und Konzeption geeigneter Förderprojekte wird der Stiftungsvorstand von sechs namhaften Experten für nachhaltige Textilproduktion, Umweltentwicklung und Corporate Social Responsibility beraten.Alles im Sack
So ist beispielsweise das Baumwoll-Sack Projekt in Indien eine einfache und zugleich geniale Lösung, um die Qualität der handgepflückten Bio-Baumwolle zu verbessern. Baumwollfarmer erhalten über die Stiftung robuste, wiederverwendbare Baumwoll-Säcke, in denen ihre Ernte „sauber bleibt", da sie vor Staub und Verunreinigungen geschützt gelagert wird. Die durch die saubere Baumwolle gesteigerte Qualität bewirkt, dass erstens die Erzeuger damit ein höheres Einkommen erzielen und zweitens ein entsprechend hochwertiges, langlebiges textiles Endprodukt zum Einsatz kommt. Und sollte ein Sack mal sein Lebensende erreicht haben, kann dieser vor Ort kompostiert werden.
Messbare soziale Verbesserungen
Auch die sozialen Schulbildungs-Projekte für die Kinder der Bio-Farmer verzeichnen große Erfolge. An einer Mädchenschule im Bundesstaat Telangana brachen viele Schülerinnen ihre Ausbildung ab, da sie weite Wege zur Schule zurücklegen mussten und passende Transportmittel fehlten. Um Abhilfe zu schaffen, wurden über Spendenmittel rund 70 Fahrräder bereitgestellt. Mit dieser einfachen Maßnahme wurde die Abbruchquote von etwa 50 Prozent auf unter 0 Prozent gesenkt.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019 - Time to eat the dog erschienen.
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