Stefan Baumeister

Gut zu wissen

Klimafreundlich in den Urlaub

Hurra, der große Urlaub steht vor der Tür! Haben wir uns auch redlich verdient und die Fernreise schon lange gebucht! OK, beim Langstreckenflug entstehen eine Menge CO2-Emissionen, aber beim Urlaub darf die Nachhaltigkeit dann doch ein paar Wochen zurückstecken... Wir sind ja sonst schon sehr umweltfreundlich unterwegs, oder?

Nun, die Fakten sehen, insbesondere im Bereich Verkehr, leider noch etwas anders aus: Mit einem Anteil von 18 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen in Deutschland im Jahr 2015 ist der Verkehr laut Umweltbundesamt der einzige Sektor, dessen Emissionen seit 1990 auf gleich hohem Niveau geblieben sind.

Frau Merkel hat wohl das Ziel eine Million Elektroautos bis 2020 schon aufgegeben und wegen zu hoher Stickoxyd-Werte bei Diesel-Autos droht ab 2018 ein Fahrverbot in großen Städten. Die Politik gibt – mit Rücksicht auf die Interessen der Autoindustrie – den Ordnungsrahmen für nachhaltige Mobilität nicht mutig genug vor. Und: Sie bietet zu wenig ambitionierte Anreizsysteme.

China und Norwegen liegen vorn
Schauen wir hier auf Beispiele aus anderen Ländern:
  • China investiert laut Roland Berger über dreimal mehr in die Forschung und Entwicklungsförderung von E-Mobilität als Deutschland; ab 2019 wird es dort eine vorgeschriebene Quote von 8 Prozent für Elektro-Autos geben, mit einem geplanten Anstieg von 2 Prozent jährlich.
  • Norwegen fördert E-Autos mehr als jedes andere Land, das Ergebnis: Im Jahr 2017 eine E-Auto Quote von fast 30 Prozent bei Neuzulassungen.
  • Indien plant gar ab 2032 eine 100 Prozent-Elektrifizierung des kompletten Autoparks.
  • Städte wie Kopenhagen und Amsterdam machen uns vor, wie vorbildliche Radwegesysteme aussehen und wie eine entsprechende Infrastruktur das Mobilitätsverhalten der Mehrheit zu ändern vermag.
Nachhaltige Mobilität bedeutet eben nicht nur den Umstieg auf E-Autos, sondern verlangt neben der Energiewende noch deutlich mehr. Die AGORA Verkehrswende hat kürzlich 12 Thesen formuliert, in denen eindrucksvoll beschrieben wird, wie eine solche Verkehrswende in Deutschland aussehen kann.

Und jetzt zurück zum anstehenden Urlaub: Genießen Sie Ihre Fernreise. Aber meine Anregung: Übernehmen Sie Verantwortung für die entstehenden CO2-Emissionen und kompensieren Sie diese, es ist ganz einfach. Und vielleicht liegt Ihr Ferienziel für nächstes Jahr in Europa, in Deutschland. Ich soll vom Klima ein herzliches Dankeschön ausrichten.

Ein Kommentar von Stefan Baumeister

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2017 - Tierische Geschäfte erschienen.

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