Christoph Quarch

Das große Trotzdem

Lasst uns Weihnachten feiern: das Fest der Menschenliebe

Nun ist der Terror endgültig in Deutschland angekommen. Und er zeigt sich von seiner abscheulichsten Seite: dort, wo er völlig unbeteiligte Menschen in einer harmlosen, friedlichen und liebenswerten Situation trifft. Eine Tat wie diese ist durch nichts zu rechtfertigen. Sie ist durch nichts zu entschuldigen. Sie ist auch auf keine Weise kausal herleitbar aus irgendwelchen politischen oder psychologischen Verflechtungen. Der Täter hat sich frei dafür entschieden, allem Menschlichen zu entsagen und zum Unmenschen zu werden. Dafür muss er sich verantworten – vor den Opfern, deren Angehörigen, seinen Richtern und seinem Schöpfer.

Der Philosoph Christoph Quarch schreibt regelmäßig für forum Nachhaltig WirtschaftenEs wird immer wieder gesagt und es ist wahr: Vor dem Terror können wir uns nicht hundertprozentig schützen. Er wird immer Mittel und Wege finden zu morden und zu peinigen. Deshalb werden wir mehr Sicherheit brauchen, mehr Polizei und mehr Wachsamkeit. Aber damit allein werden wir der Barbarei nicht beikommen. Es gibt nur eine Antwort: uns auf das besinnen, was uns stark macht – auf unsere Werte, unsere Kultur, unser Vertrauen.

Es geht jetzt um das große Trotzdem: trotzdem Ja zum Leben sagen, trotzdem den Menschen vertrauen, trotzdem zum Weihnachtsmarkt gehen. Und noch mehr geht es darum, das Warum dieses Trotzdem zu verstehen: Weil es hier darum geht, gegen die Unmenschlichkeit eine Kultur der Menschlichkeit zu verteidigen – eine Kultur, die aus der Barbarei zweier Weltkriege hervorgegangen ist und die auf einem guten Wege war, sich zu einer Kultur des Friedens, der Liebe, des Vertrauens und der Menschlichkeit zu entwickeln. Diese Kultur dürfen wir durch die islamistische Barbarei nicht zerstören lassen. Es hieße der europäischen Geschichte und ihrer Opfer spotten, wenn wir uns dem Sog der Barbarei anheimgäben und in die dumpfen Mechanismen von Gewalt und Gegengewalt, Ressentiment und Hass zurückfielen.

Das Gegenteil tut Not: Der Angriff galt dem Weihnachtsfest – dem Fest der Liebe. Als solches sollten wir es jetzt doppelt bewusst und inbrünstig feiern. Dafür muss man kein Christ sein, dafür reicht es, ein fühlender Mensch zu sein. Werden wir uns dessen bewusst, dass unsere europäische Kultur in der Liebe zum Leben gründet und nicht in Hass und Gewalt! Rücken wir zusammen, reichen wir einander die Hand, erinnern wir uns alles dessen, was gut und kostbar ist in unserem Land und unserer Welt: die Menschenliebe, die Schönheit, die Geselligkeit eines Weihnachtsmarktes. Feiern wir dies alles umso bewusster und herzlicher – was auch bedeutet, das Falsche daran wie Alkoholexzess und Konsumrausch hinter das Wesentliche zurücktreten zu lassen.

Der Schmerz über die Toten von Berlin kann durch nichts gelindert werden. Aber es könnte doch möglich sein, diesem sinnlosen Sterben einen Hauch von Sinn zu geben: den Sinn, dass am 19. Dezember 2016 ein neuer Geist in Deutschland Raum zu greifen begonnen hat – ein Geist der Menschlichkeit und Zusammengehörigkeit, der sich abkehrt von all dem, was mutmaßlich in den nächsten Tagen geschehen wird: den Versuchen, das Geschehene für die eigenen politischen Interessen nutzbar zu machen; den Hassparolen der Neofaschisten; dem ängstlichen Aktionismus.

Das alles ist jetzt fehl am Platze. Jetzt heißt es: Weihnachten feiern – das Fest der grenzenlosen Liebe, das Fest der einzigen Kraft auf Erden, die stark genug ist, den Terror zu besiegen, das Fest des Fundamentes unserer Kultur.

Christoph Quarch
ist Philosoph aus Leidenschaft. Seit ihm als junger Mann ein Büchlein mit »Platons Meisterdialogen« in die Hand fiel, beseelt ihn eine glühende Liebe (philia) zur Weisheit (sophia), die er als Weg zu einem erfüllten und lebendigen Leben versteht. Als Autor, Publizist, Berater und Seminarleiter greift er auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen."
Lesen Sie mehr von ihm unter www.christophquarch.de
 
Als forum Redakteur zeichnet Christoph Quarch verantwortlich für den Sonderteil „WIR - Menschen im Wandel".

Weitere Artikel von Christoph Quarch:

Artemis und Orion
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
Wenn alles nach Plan verläuft, kehrt am Samstag die vierköpfige Crew der Mondmission Artemis 2 zur Erde zurück. Zehn Tage werden dann die drei Astronauten und eine Astronautin in ihrer Orion-Kapsel unterwegs gewesen sein, um Erkenntnisse und Informationen zu der für 2028 geplanten Mondlandung der Artemis 3 zu sammeln. Und das alles mit dem Fernziel einer Marsmission.


Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-Systeme
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
Vor wenigen Tagen hat ein US-Gericht die Tech-Giganten Meta und Google zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie gezielt die Nutzer ihrer Social-Media-Plattformen abhängig machen und Depressionskrankheiten in Kauf nehmen. Das ist nur ein Beispiel von vielen dafür, in welchem Maße US-amerikanische Tech-Unternehmen Einfluss auf Gesellschaft und Gesundheit der Menschen hierzulande nehmen.


Überlegen ist, wer Neues wagt
Christoph Quarch empfiehlt "Anfänge auf Abruf" als Schritt zu mehr gesellschaftlicher Expermentierfreudigkeit
Wenn im Frühling alles sprießt und wächst, liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Wer etwas Neues beginnen will, tut gut daran, den Schwung der Frühlingstage mitzunehmen. Aber irgendwie scheint das hierzulande nicht recht zu gelingen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Innovationsfähigkeit verliert. Anders als manche Nachbarstaaten tun wir uns schwer mit Aufbrüchen und Neuanfängen.


Re-Renaissance des europäischen Denkens
66 seconds for the future mit Dr. Christoph Quarch
Wir wissen immer mehr, aber verstehen wir noch genug? Christoph Quarch vergleicht die globalen Krisen unserer Zeit mit Fehlermeldungen eines Computers. Das Problem liegt dabei im "mentalen Betriebssystem" der Menschheit.


Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
... und es wird Frühling. Nicht zum ersten Mal im Leben, sondern alle Jahre wieder. Und das ist auch gut so. Denn zusammen mit dem Frühling kommt bei vielen Menschen ein guter Vibe. Und wenn wir ehrlich sind, können wir davon im Augenblick gar nicht genug bekommen. Zumal mit der guten Stimmung oft auch neuer Schwung und neue Lebenslust kommen.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-Systeme
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Engagement Global gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • TÜV SÜD Akademie
  • WWF Deutschland
  • circulee GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • 66 seconds for the future
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • NOW Partners Foundation
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)