Ökologie und Ökonomie

Wie hat sich das Verhältnis in den letzten 30 Jahren verändert?

Dr. Helmut Röscheisen, Generalsekretär des Deutsche Naturschutzrings (DNR)
© DNR / Anthony Straeger
Dr. Helmut Röscheisen: Wir müssen noch mehr gemeinsam schaffen

In den vergangenen Jahrzehnten wurde einiges erreicht. Dennoch erleben wir derzeit einen fortschreitenden Rückgang der biologischen Vielfalt, einen sich beschleunigenden Klimawandel und vermehrten Raubbau an immer knapper werdender Ressourcen. 2008 waren allein die 3000 größten Konzerne der Welt für 2,15 Billionen Dollar Umweltschäden verantwortlich! Wir benötigen dringend als Maßstab für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft eine Ergänzung des BIP durch einen Wohlfahrtsindex, die Einführung eines nachhaltigen Wettbewerbsrechts, das die Unternehmen nicht mehr wie bisher zum Raubbau an Gemeingütern geradezu zwingt sowie ein ökologisch ausgerichtetes Steuersystem mit einer stärkeren Besteuerung des Ressourcen- und Energieverbrauchs und einer Entlastung des Faktors Arbeit.


Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Foto: © BUND

Hubert Weiger: Wir haben schon viel erreicht

Wirtschaft und Umwelt gelten auch heute noch vielen als Gegensatz, und noch immer sprengt unser Wirtschaftsmodell die ökologischen Grenzen. Aber in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich einiges getan und nicht zuletzt haben Akteure wie B.A.U.M. die Bühne betreten. Sie nehmen unternehmerische Verantwortung für die Umwelt ernst, was auch bei einer wachsenden Zahl von Unternehmen nicht nur aus Marketinggründen sondern aus Überzeugung geschieht. Die großen umweltpolitischen Auseinandersetzungen - von Waldsterben bis Atomkraft und Klimawandel - haben auch zu einem Wandel der Werte und auch des politischen und unternehmerischen Handelns geführt. Der Natur- und Umweltschutz hat seinen festen Platz gefunden - doch er muss täglich neu verteidigt werden.


Olaf Tschimpke, Präsident des NABU - Naturschutzbund Deutschland e. V.
Foto: © NABU/S. Engelhardt
Olaf Tschimpke: Wir sind Ratgeber und Partner auf Augenhöhe

In den Anfängen der Umweltdebatte waren zunächst ordnungsrechtliche Instrumente das Mittel der Wahl - und viele Wirtschaftszweige würden ohne sie nicht existieren können. Gleichzeitig aber haben die Belange der Ökologie verstärkt Einzug gehalten in die Unternehmenspolitik und teilweise schon die Entscheidungssphären der Unternehmen. Wir brauchen soziale Innovationen und nachhaltigere Konsumstile, um geringeren Ressourcenverbrauch und unternehmerischen Absatzwillen endlich in Einklang zu bringen. Dass die Umweltverbände in diesem Zusammenhang immer öfter als Ratgeber und Kompetenz auf Augenhöhe wahrgenommen werden, nehme ich als Beleg für den Bewusstseinswandel, der aktuell stattfindet.


Eberhard Brandes, Vorstand des WWF
Foto: © WWF / Angelika Warmuth

Eberhard Brandes: Der Lösungsweg ist das Miteinander

Wir Menschen haben die Neigung, zu vereinfachen und in Stereotypen zu denken: Gut gegen Böse, Ökonomie gegen Ökologie. Dieses Bild war lange Zeit prägend. Opposition und Protest sind zwar auch heute noch Mittel, um auf eklatante Missstände hinzuweisen. Sie können aber nur Teil des Lösungswegs sein. In einer zunehmend komplexen und globalisierten Welt werden nur solche Regelungen langfristig Bestand haben, die auf Dialog, Konsens und konkreten Lösungen beruhen. Die Notwendigkeit zum Miteinander ist also evident. Dazu gehört auch, die externen Gesamtkosten unseres Wirtschaftens neu zu definieren und in die wirtschaftlichen Bilanzen zu intergieren.
Quelle: B.A.U.M.-Jahrbuch
Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 22.01.2014

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